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Wunden des Lebens

Kolumne NÖN, Weihbischof Stephan Turnovszky, 2022, KW 17

27.04.2022
© Skulptur zuhören
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Der auferstandene Jesus, so lesen wir im Evangelium, erschien seinen Jüngern mit den Worten „Friede sei mit euch!“ – und zeigte ihnen seine tödlichen Wunden!

 

Jesus verdrängt die bitteren Erfahrungen nicht. Er zeigt seine Wunden und bagatellisiert sein Leiden nachträglich nicht („War ja gar nicht so schlimm“). Nein, es war schlimm, und er trägt sogar noch als Auferstandener die Wundmale. Sie gehören zu seiner Lebensgeschichte, die nicht rückgängig zu machen ist. Für Menschen, die Schlimmes erlebt haben, ist es zunächst wichtig, ihre Wunden zeigen zu können. Das geht nur dort, wo es Vertrauen gibt. Deshalb ist das Zuhören für Leidende so wichtig. Manchmal ist das Einzige, was man für sie tun kann, das Zuhören! Oft weiß ich selbst auch keine Antwort auf die Frage, warum Schlimmes geschehen ist oder Gott so etwas zulässt. Dann sage ich nichts und höre vor allem zu.

 

Manche Menschen leiden auch unter sich selbst: Warum sie so sind und nicht anders, manche vergleichen sich ständig mit anderen. Manche werfen sich ihre eigene vergangene Schuld vor.

 

Jesus sagt solchen: „Friede sei mit dir!“ Damit sagt Jesus: „Du, ich verurteile dich als Person nicht. Du, ich sehe in deinem Herzen etwas Gutes! Du, ich möchte mit dir zu tun haben.“

 

So weist der auferstandene Jesus Wege zum Frieden: Wunden, Verletzungen, Kränkungen nicht verdrängen, sondern aufdecken und zeigen („Hör auf! Das will ich nicht. Du hast mich verletzt.“), und zugleich wissen, dass ich von Gott geliebt bin und jeder andere Mensch auch!

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