An der Impfung scheiden sich die Geister. Sie kennen das sicher auch aus der eigenen Familie und dem Bekanntenkreis: Da gibt es die einen, die darauf drängen, dass endlich eine große Mehrheit gegen Covid geimpft sein wird, und da gibt es die anderen, die sich nicht impfen lassen wollen, weil sie Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen haben. Ich verstehe beide Seiten. Ich bin selbst geimpft und bin dankbar dafür.
Und ich empfehle jedem Priester, Diakon und Pastoralassistenten oder jeder Pastoralassistentin die Impfung ausdrücklich, weil sie mit vielen Menschen Kontakt haben. Als Theologe kann ich jedoch die Wirksamkeit der Impfung im Kampf gegen die Pandemie nicht beurteilen. Ich habe mich daher entschlossen, sowohl Medizinern zu vertrauen als auch den politisch Verantwortlichen. Weil sie alle sich in der Materie besser auskennen als ich. Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht vertrauen sollte. Mein ganzes Leben basiert auf Vertrauen gegenüber anderen Menschen.
Kritiker sind in diesem Punkt skeptisch, sie haben (noch?) kein Vertrauen gegenüber der Impfung. Nun halte ich Druck für keine geeignete Methode, um Vertrauen zu stärken, eher wird man damit Misstrauen festigen sowie Spannungen, Aggressionen und Widerstand hervorrufen. Deshalb plädiere ich dafür, die Sorgen ablehnender Menschen ernst zu nehmen, sie anzuhören und sich mit ihren Befürchtungen auseinanderzusetzen. Verständnis, Vertrauen und Zusammenhalt sind in einer Gesellschaft kostbare Güter, ihr Fehlen ist mindestens so gefährlich wie das Coronavirus selbst, weil damit Solidarität schwindet, ohne die wir nicht leben können.
Wir sollen alles unternehmen, um eine tiefere Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, und daher unermüdlich Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Einstellung bauen. Als Kirchenvertreter biete ich an, wenn gewünscht, dafür eine Gesprächsbasis zur Verfügung zu stellen.
Der Geist, den ich in dieser polarisierten Situation anrufe, ist der Heilige Geist. Wie jeder Gefirmte darf ich mich auf ihn verlassen. Gerade wenn sich die Geister scheiden, braucht unsere Gesellschaft seinen Rat, seine Weisheit und die Einheit, die er schenkt.