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Allerheiligen und Allerseelen

Kolumne NÖN, Weihbischof Stephan Turnovszky, 2021, KW 43

27.10.2021
© Erzdiözese Wien/Schönlaub
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Die durchschnittliche Lebenserwartung ist heutzutage nur scheinbar länger als früher. Zwar kann man 90 oder 100 Jahre alt werden, aber viele meinen, dass es dann aus sei. Früher wurden die Menschen nur 50 oder 60 Jahre alt, lebten aber als gläubige Menschen mit der Perspektive der Auferstehung und der Ewigkeit bei Gott.


Das zeigt die unmittelbare Bedeutung des Glaubens fürs Leben. Tatsächlich leben gläubige Menschen im Durchschnitt anders, nämlich gelassener. Sie erwarten nämlich nicht alles von diesem Leben, sondern sehen es eher als Ouvertüre zum großen Leben in der Vollendung Gottes.


Ich bin dankbar für diesen Glaubens-Blick auf mein Leben: Er versöhnt mich mit meinem älter Werden. Ich habe als gläubiger Mensch immer mehr vor mir als hinter mir, da mein Leben einen Anfang hat, aber kein Ende! Ich habe nicht den Stress, in diesem Leben alles erleben zu müssen, denn es bleibt noch eine Ewigkeit. Gleichzeitig vermittelt mir mein Glaube aber auch die Ernsthaftigkeit meines Erdenlebens: Ich habe nur dieses eine, um meine Ewigkeit zu formen und zu gestalten. Die Melodien, die ich in der Ouvertüre meines Lebens spiele, werden mich eine Ewigkeit lang ausmachen. Ich werde in der Ewigkeit der sein, der ich im Laufe meines irdischen Lebens werde.


Allerheiligen und Allerseelen sind gute Tage, um innezuhalten und sich zu fragen, wer man tatsächlich werden möchte: Stellen Sie sich doch selbst am Totenbett vor und fragen Sie sich, ob Sie dann zufrieden mit Ihrem Leben sein können, wie es war, und ob Sie das getan haben, was Sie wirklich für wichtig halten. Und wenn nicht, nehmen Sie Kurskorrekturen vor. So werden Sie aus der Perspektive Ihrer Ewigkeit Ihr Diesseits gestalten.


Der beste Weg, um Ihre Lebenserwartung zu verlängern!
 

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