Es gibt zwei Arten von Geheimnissen:
Die erste Art: Nur wenige Auserwählte wissen Bescheid und dürfen nichts weitersagen. (Beispiele: Die Schatzkarte, das der besten Freundin Anvertraute, das Beichtgeheimnis).
Die zweite Art: Niemand weiß Bescheid! Das sind die interessanteren Geheimnisse, da geht es um die großen Fragen des Lebens, die alle Menschen stellen und niemand abschließend beantworten kann. Zum Beispiel: Wieso gibt es überhaupt etwas (incl. den Urknall) und nicht einfach nichts? Wieso bin ich gerade ich? Was passiert nach dem Tod? Wie ist Gott? Wieso lebe ich immer wieder anders, als ich im tiefsten Herzen möchte?
Um diese zweite Art von Geheimnissen geht es im Glauben, um die ganz großen Fragen des Lebens, vor denen alle Menschen aller Religionen staunend stehen. Sie werden auch Mysterien genannt. Für Katholiken verdichtet sich dieses Kreisen ums Geheimnisvolle in der Feier der heiligen Messe, in der es an zentraler Stelle den Ausruf „Geheimnis des Glaubens“ gibt. Die Versammelten antworten darauf mit dem Blick auf Jesus Christus: „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!“
Tod und Auferstehung Jesu werden zum Inbegriffe des Geheimnisvollen: Wie gibt es das, dass Gott selbst stirbt, wie ist es möglich, dass ein Toter aufersteht und lebt, wie bin ich hineingenommen in dieses kosmische Geschehen, wenn ich die Messe feiere?
Wir haben gerade Allerseelen hinter uns. Die meisten haben die Gräber ihrer Lieben aufgesucht, getrauert, gehofft, gefragt und gestaunt über dieses große Geheimnis, in das wir durch unsere Leben hineingewoben sind. Nicht der Glaube ist geheimnisvoll, sondern das Leben ist es. Und deshalb ist der Glaube so wesentlich fürs Leben.