Es stimmt, dass die Sterbestunde für jeden Menschen eine äußerst bedeutsame und auch entscheidende ist. Freilich ist sie nicht die einzige entscheidende Stunde im Leben, aber sie ist deren letzte und daher auch die das Leben vollendende. Darum bitten wir im Ave Maria ja auch um die Fürsprache der Gottesmutter „jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Es ist deshalb wirklich sinnvoll, für die Sterbenden zu beten.
Im Hochgebet wird für alle Lebenden und alle nicht Lebenden, d.h. Verstorbenen gebetet, das heißt so umfassend wie möglich. Sterbende zählen solange zu den Lebenden, bis sie verstorben sind. Sie sind daher in jedem Fall ins Gebet der Messfeier eingeschlossen. Mir gefällt die Anregung, das noch expliziter zu formulieren, aber Hochgebete werden nicht individuell verfasst, sondern gelten für die ganze Weltkirche.
Wieso ist das Gebet für die Verstorbenen jedoch so bedeutsam, dass es im Hochgebet explizit vorkommt? Weil Verstorbene ganz auf das Fürbittgebet angewiesen sind, da sie ihrem Leben aus eigener Kraft nichts mehr hinzufügen können. Sie sind in einem anderen Zustand, als wir ihn kennen. Vor dem Tod kann man gestalten, entscheiden, sich einsetzen. Nach dem Tod gibt es die Läuterung im Fegefeuer, in der der Mensch mit den Defiziten seines Lebens konfrontiert wird, damit sie (unter Heilungschmerzen, daher der Name) heil werden. Wenn auch der einzelne dafür nur seine Leidensbereitschaft anbieten kann, können die Lebenden durch ihr Gebet bei der Läuterung unterstützend mitwirken. Die Verstorbenen können nichts mehr tun, die Lebenden aber sehr wohl für sie eintreten.