Das ist ein Thema, mit dem auch ich zu ringen habe. Öffentlich ausgelebte Rücksichtslosigkeit ist tatsächlich schwer zu ertragen. Mich stört da vor allem die ungenierte Verwendung des Handy-Lautsprechers in öffentlichen Verkehrsmitteln und das Wegwerfen von Müll auf den Boden. Wenn ich derlei beobachte, gerät mein Blut in Wallung. Was ich dann tue?
Zunächst bemühe ich mich (was mir selten gelingt) meine Emotion zu beobachten: „Ah, jetzt rege ich mich gerade auf.“ Damit bin ich meinen Gefühlen etwas weniger ausgeliefert und kann mit etwas abgekühlterem Kopf überlegen, wie ich reagieren möchte. Denn ich möchte mich ja nicht aufs gleiche Niveau begeben und Rücksichtslosigkeit mit Rücksichtlosigkeit vergelten. Ich bin ganz froh, dass mich meine priesterliche Kleidung mitunter vor unüberlegten Reaktionen hemmt, denn ich möchte ja nicht, dass Priester als pingelige „Ersatzpolizisten“ wahrgenommen werden.
Manchmal habe ich schon mit etwas Humor interveniert: „Darf ich Ihnen meine Kopfhörer anbieten?“ oder „Ich glaube, Sie haben da gerade etwas verloren,“ wobei ich das Weggeworfene präsentiere. Wenn ich nicht in Eile bin, lasse ich den Vortritt oder den Vorrang, grüße dabei und lächle. Das Wichtigste scheint mir generell das freundliche Gesicht, nur nicht sauer oder aggressiv.
Und ich bemühe mich um spontane Stoßgebete für Menschen, die mir auf die Nerven gehen. Ich segne sie. Weiters bemühe ich mich um das Bewusstsein, dass ich selbst ja sicherlich auch anderen auf die Nerven gehe und das Leben mühsam mache. Dann muss ich über mich selbst lächeln. Humor ist wohl die beste Unterstützung der eigenen Sozialverträglichkeit und der Vorhof der Demut.
Manchmal wird jedoch eine Grenze überschritten, sodass asoziales Verhalten gegenüber Schwächeren ein Einschreiten mit Zivilcourage erfordert. Dann ist es wichtig, aufzustehen und Menschen in ihre Schranken zu weisen
Wenn ich auf Jesus schaue, hat er asoziale Agierende (wie zB Zöllner) nie säuerlich korrigiert, in extremen Fällen hat er Einhalt geboten (vor allem den Dämonen), vor allem aber hat er Menschen so erzogen und begleitet, dass sie das Neue Gebot „liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ verinnerlichten.