Antwort des Brückenbauers:
Mir scheint es, um zwei Themen zu gehen: Die Frage von Kirchenschließungen und die Frage eines möglichen Kirchenaustrittes als Reaktion.
Zum Ersten: Ich verstehe die Betroffenheit und auch die Empörung. Kirchen sind heilige, durchbetete Räume der Generationen vor uns. Ich würde mich etwa bei einem Abendessen in einer profanierten und in ein Restaurant umgewandelten Kirche kaum wohlfühlen können. Zum anderen heißt es in der Heiligen Schrift: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“ (1 Petr 2,5). Es geht in der Kirche zuerst um den Glauben, um die Gemeinschaft der Glaubenden, erst sekundär um Versammlungsräume für diese, um Kirchenbauten. Kirchengebäude haben eine dienende Funktion. Wenn nun die Gemeinde abhanden kommt, so dürfen Bauten nicht zum Selbstzweck werden. Sonst kämen wir dahin, dass wir in ein paar Jahren unser ganzen Budget in Steine, aber nicht in seelsorgliches Personal investieren, was sicher nicht im Sinne der „lebendigen Steine“ wäre. Es geht also darum, mit einer Spannung verantwortungsvoll umzugehen. Die Erzdiözese Wien bemüht sich um klare und gleichzeitig behutsame Vorgangsweisen, die möglichst nicht vor den Kopf stoßen.
Zum Zweiten: Ein Kirchenaustritt ist eine ernste Sache, weil er zu einem deklarierten Bruch mit der um den Nachfolger Petri gescharten Glaubensgemeinschaft führt. Freilich ist mir klar, dass man nicht immer eine Freude mit dieser Glaubensgemeinschaft und ihren Verantwortungsträgern hat. Ich jedenfalls möchte aber unbedingt zu ihr gehören und das auch zeigen. Ich verdanke der Kirche so viel, und es schmerzt mich, wenn Menschen ihr den Rücken kehren. Ganz abgesehen davon, dass jeder Kirchenaustritt den finanziellen Druck erhöht, und es so umso wahrscheinlicher zu Kirchenverkäufen kommt.
Ich bitte den Heiligen Geist, dass er uns den Weg zeigt, wie wir heute als lebendige Steine Kirche sein können. Ganz sicher werden wir auch in Zukunft Versammlungsorte dafür brauchen.