Wo war ihr bevorzugter Platz im Klassenzimmer? Erinnern Sie sich noch?
Ganz hinten? Möglichst weit vorne? Am Fenster mit direkter Aussicht auf alles, was interessanter war als Tafelanschriften?
Jedes Jahr mit Start des neuen Schul- und Arbeitsjahres beginnt das große Platz-Einnehmen von vorne: Schulkinder suchen ihren Platz im Klassenzimmer, Erwachsene wieder ihren Platz im Arbeitsalltag.
Mit dem Einnehmen unseres Platzes beginnt noch etwas: das Vergleichen mit anderen. Mit den Noten der anderen, mit den Leistungen der Kollegin, mit den Erfolgen des Kollegen, mit den Angeboten der Konkurrenzfirma.
Offenbar benötigen wir es ein Stück weit, uns zu vergleichen, um unseren Stand zu verifizieren, unseren Platz in Gesellschaft und Strukturen, unseren Standpunkt einzuordnen.
Doch genau hier lohnt sich ein zweiter Blick:
- Worin begründen wir unseren Wert, worin die Achtung, die wir uns selbst entgegen bringen?
- Und wonach streben wir, wenn wir uns vergleichen?
- Welche Leistungen sind erstrebenswert?
- Was ist der Leitstern, den wir uns und unseren Kindern vor Augen stellen?
Und was geschieht, wenn wir hier oder da ein gestecktes Ziel nicht erreichen? Weil es nicht zu uns passt. Weil es zu hoch gesteckt war. Weil das Leben sich quer stellt.
Gibt es etwas, wonach wir uns verlässlicher ausrichten könnten?
Der kanadische klinische Psychologe Jordan Peterson stellt in seinem Buch „12 Rules for Life“ einen anderen Zugang vor. Eine der bekanntesten Regeln lautet: „Vergleiche dich mit dem, der du gestern warst, nicht mit dem, der jemand anderes heute ist“.
Wenn wir mit diesem Blick in ein neues Schul- und Arbeitsjahr starten, statt uns auf Vergleiche im Außen zu fixieren, werden wir Mut schöpfen aus dem, was wir schon geschafft haben.
- Aus dem, was ein Kind hinzugelernt hat.
- Aus den Entwicklungsschritten, die ein Jugendlicher bewältigt.
- Aus den Schritten in die Selbstständigkeit, die eine junge Erwachsene geht.
- Aus dem, was uns gestern gelungen ist und heute sich entwickelt hat.
Wir richten unseren Blick auf Erfolge, statt auf noch nicht Erreichtes. Erfolge ermutigen weiterzugehen, uns weiter zu entwickeln, weiterzumachen.
Dieser Blick schärft das Bewusstsein, als Mensch in Ordnung zu sein. In Ordnung, einfach weil wir SIND.
Die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien wünscht Ihnen einen guten und zuversichtlichen Start ins neue Schul- und Arbeitsjahr.