Dr. Wolfgang Kimmel
Pfarrvikar
1. Lesung: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b
Gott sieht nicht das Äuẞere eines Menschen, sondern das Herz (V. 7).
Die Erzählung von der Salbung Davids zum König ist der Auftakt der Geschichte des Königshauses David (bis 2 Sam 10). Die Geschichte dient der Legitimation des Königtums Davids.
Samuel ist der entscheidende Prophet Israels am Übergang von der Zeit der Richter und RichterInnen zur Königszeit, im 11. Jh. v. Chr. Er hatte Saul im Auftrag Gottes zum ersten König Israels gesalbt (1 Sam 9f). Inzwischen hat Gott ihm aber seine Gunst entzogen. (Zum Verständnis muss man 1 Sam 15 lesen: Gewalt im Namen Gottes und Sauls Ungehorsam.)
Nun schickt Gott Samuel nach Betlehem zur Familie des Isai, um Israel neue Perspektiven zu eröffnen. Mit dem Auftrag an Samuel, sein Salbhorn mit Öl zu füllen, macht Gott dem Propheten unmissverständlich klar, dass es um die Salbung eines neuen Königs gehen wird (V. 1). Die Salbung ist eine Kräftigung für die kommende Aufgabe.
Zunächst wird Eliab (vermutlich der ältest Sohn Isais) vorgestellt. Er ist groß und schön - so wie auch Saul bei seiner Erwählung geschildert wurde. Aber das ist diesmal nicht wichtig, denn Gott sieht nicht das Äuẞere eines Menschen, sondern das Herz (V. 7). Das „Herz“ ist in der Bibel aber nicht wie bei uns der Sitz von Gefühlen, sondern der Sitz der Vernunft. Gott wählt den zukünftigen König danach aus, wie er (vernünftig) Entscheidungen trifft und vermutlich regieren wird. Seine Wahl fällt deshalb auf den jüngsten Sohn, David, der erst von der Schafweide geholt werden muss: eine märchenhafte Aufstiegsgeschichte „von klein zu groß“.
Nach der Salbung wird David „von diesem Tag an“ mit der Geistkraft Gottes erfüllt (V. 13) – so wie auch Saul im Umfeld seiner Königssalbung vom Geist erfüllt worden war (1 Sam 10,10). Aus Gottes Perspektive ist damit der Machtübergang vollzogen.
Zahlreiche andere Bibeltexte verweisen auf diesen Text – vom Trieb aus dem „Baumstumpf Isais“ (Jes 11,1) über Micha 5,1.3, das dem kleinen Betlehem eine groẞe Zukunft verheiẞt, bis zur Geburt Jesu in Betlehem (Mt 2,6).
Eva R. mit gedanklichen Anleihen bei Detlef Hecking, kath. Bibelwerk
Hinweis: Lesungen und Evangelium finden Sie gemeinsamit mit Tagesgebet und Psamlen über https://www.vaticannews.va/de/tagesevangelium-und-tagesliturgie/2025/03/23.html