Blitzlicht, 30. Sonntag im Jahreskreis, 25.Oktober 2026
1. Lesung, Ex 22, 20-26 …denn ich habe Mitleid
Die heutige Lesung stammt aus dem sogenannten Bundesbuch, einer wahrscheinlich sehr alten Sammlung von Rechtsvorschriften, die tief in die Geschichte des Alten Israel zurückreicht. Sie wurde direkt im Anschluss hinter die „10 Gebote“ vom Sinai gestellt. Wir hören heute vom Umgang mit den Verwundbarsten der Gesellschaft: den Fremden, den Witwen und Waisen und den armen Tagelöhnern.
Was diesen Gesetzestext von einem heutigen Gesetzbuch unterscheidet, ist seine Anschaulichkeit. Auf die jeweilige Festlegung folgt immer eine eindringliche und lebenspraktische Erklärung.
Für das Verständnis des Textes ist eine biblische Grundregel in Erinnerung zu rufen: Zuerst kommt die befreiende Gotteserfahrung – dann erst folgen die Gebote, die diese Freiheit bewahren helfen wollen. Deshalb wird erst nach der Befreiung aus Ägypten Israel die Tora geschenkt – und deshalb hält bei Matthäus Jesus seine Bergpredigt, nachdem der Evangelist eine Zusammenfassung des heilenden und befreienden Wirkens Jesu vorangestellt hat (Mt 4,23-25).
Die heutige Lesung macht sich diese Grundstruktur zu eigen, um die Gebote zu begründen: Ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen. Und jetzt stell dir vor, wie es ist, eine Waise oder eine Witwe zu sein!
Gott ist ein Gott des Mitleids, eine Aussage, die theologisch im Zentrum des Buches Exodus steht (vgl. die Gnadenformel in Ex 34,6: Der Herr ist der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott …)
Von Mag. Oliver Achilles im Kommentar des Katholischen Bibelwerks, gekürzt von
Eva R.
Hinweis: Lesungen und Evangelium finden Sie gemeinsamit mit Tagesgebet und Psamlen über https://www.vaticannews.va/de/tagesevangelium-und-tagesliturgie/2025/03/23.html









