Mittwoch 1. Juli 2026

Gottesdienstordnung für die Woche

 

Wort des Pfarrers

Sommer 2026


Die Natur lehrt uns den Blick auf die Kirche

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner im Pfarrverband!
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!


Meinem Oleanderstrauch hat der Winter heuer ziemlich zugesetzt. Er verbrachte doch manche frostige Nacht auf seinem Stammplatz beim Hinterausgang des Pfarrhofes.

Entsprechend der Widrigkeiten, denen er ausgesetzt war, hat er sich trotz allem tapfer durchgekämpft. Einige Äste des Strauchs haben ihre Lebenskraft verloren; sie sind trocken und zeigen die Zeichen des Verfalls. Andere Äste des Oleanderstrauchs sind grün und tragen sogar Blüten.

Die verdorrten Äste stehen metaphorisch für so manches in der Kirche, das in der Welt von heute nicht mehr so funktioniert, wie in früheren Zeiten. Viele Gläubige fühlen sich den bestehenden Ritualen und Angeboten entfremdet, wissen mit den traditionellen Glaubenspraktiken nichts mehr anzufangen. Wie können wir diese verdorrten Äste pflegen und revitalisieren, um die Kirche wieder zum Blühen zu bringen? Haben wir auch den Mut, sie zurückzuschneiden, damit die Kraft nicht unnötig verbraucht wird?

Doch trotz dieser Herausforderungen gibt es auch vielversprechende Anzeichen des Wachstums. Einige Äste des Oleanderstrauchs sind grün und tragen sogar Blüten. Diese Teile symbolisieren die neuen Ideen, Initiativen und Gemeinschaften, die innerhalb der Kirche entstehen. Junge Menschen engagieren sich in sozialen Projekten, neue Formen der Gottesbegegnung blühen auf und innovative Ansätze zur Seelsorge finden Anklang. Diese blühenden Äste zeigen, dass trotz der Schwierigkeiten auch neue Hoffnung und Lebensfreude in der Kirche keimen.

Es ist wichtig, diese positiven Entwicklungen zu fördern und gleichzeitig die verdorrten Äste zu betrachten. Oftmals benötigen wir den Mut, uns von überholten Traditionen zu lösen, um Platz für Neues zu schaffen. Der Oleanderstrauch erinnert uns daran, dass das Leben in ständiger Veränderung ist. Die Kirche muss sich anpassen, um relevant zu bleiben. Wir müssen die Balance finden zwischen der Bewahrung von Werten und der Erfahrung des Glaubens mit dem Mut zur Veränderung und Umkehr.

Die Herausforderung besteht darin, eine Kirche zu gestalten, die sowohl alte Wurzeln respektiert als auch neue Wege geht. Insgesamt zeigt das Bild des Oleanderstrauchs, dass die Situation der Kirche vielschichtig ist. Während einige Äste verdorren, gibt es auch ein starkes Wachstum und neue Blüten, die Hoffnung auf eine lebendige und zukunftsfähige Kirche geben. Es liegt an uns, die richtigen Schritte zu unternehmen, damit die Kirche erneut erblühen kann.


Ihr Pfarrer Wolfgang Brandner


Der Oleanderstrauch im Pfarrhof Sierndorf
 

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