Freitag 17. April 2026

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Rundgang durch die Kirche

Das Bild des Kirchenpatrons

Das wohl eindrucksvollste Kunstwerk der Kirche stellt das mächtige Gemälde über dem Hochaltar dar. Es zeigt die berühmte Szene aus der Apostelgeschichte (9, 3-7) in der dem römischen Christenverfolger Saulus Christus erscheint . Dort heißt es: Als er (Saulus) auf dem Wege war und sich Damaskus näherte, da umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, und zu Boden stürzend  hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: „Saul, Saul, warum verfolgst Du mich?“ – Auf die Frage des Saulus, „wer bist Du, Herr?“ hört Saulus die Antwort: „Ich bin Jesus, den Du verfolgst“. Paulus  fragt den Herrn, was er nun tun solle und wandelt sich darauffolgend zum glühenden Verteidiger Christi.


Das prächtige Gemälde stammt von dem Wiener Maler Josef Schönmann (1798–1879) und wurde im Jahre 1829, dem Jahr der Kirchenweihe, gemalt. Schönmann studierte Historienmalerei an der Wiener Kunstakademie unter dem damaligen Direktor Josef Füger, einem der Hauptvertreter des „Barock-Klassizismus“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts, ein Stil, in dem alles „Heroische“, „Klassische“, „Pathetische“ zum Ausdruck kommen sollte. Besonders beliebt waren bewegte, bedeutende  historische Szenen  in leuchtenden und dunklen Farbtönen, edle, durchgeistigte Gesichter, pathetische Gesten, genaue historische Kostüme in antikisierenden Faltenwürfen.

 

Genau in diesem Stil ist Schönmanns Bild gehalten: Paulus, in prächtiger römischer Militärkleidung, ist vom Pferd gestürzt und  blickt fasziniert auf zu der nur für ihn sichtbaren Erscheinung Christi zwischen hellen und dunklen Wolken. Das Pferd des Christenverfolgers bäumt sich auf, die Kriegsknechte drücken in ihren Gesten Verständnislosigkeit aus. Rechts deutet eine Palme die orientalische Landschaft an, im Hintergrund, von dunklen Wolken beschattet, liegt die Stadt Damaskus.

 

Nach Forschungsergebnissen von Univ. Prof. Rupert Feuchtmüller dürfte es um 1829 zu einem Wettbewerb Wiener Maler zur Gestaltung dieses Paulus-Themas gekommen sein, denn aus dem gleichen Jahr liegen Entwürfe der Maler Wilhelm August Rieder und Leopold Kupelwieser vor. Diese  Bilder sind aber in dem damals neuen Stil der Romantik gehalten, die zarte Empfindungen, symbolische Gesten in blassen Farben ausdrücken. Möglicherweise hat Schönmanns dramatisch-heroisches Bild dem unbekannten Auftraggeber besser gefallen und wurde daher für die Paulskirche in Döbling gewählt. Von späteren Werken Schönmanns weiß man, dass auch er dann zum stillen, verhaltenen Stil der Romantik gefunden hat.

 

Als 1869 Pfarrer Hulesch die Pfarre Döbling übernahm, machte die Kirche innen einen armseligen und vernachlässigten Eindruck. Hulesch ließ 1870, um das einzige Schmuckstück von Bedeutung, Schönmanns Paulusbild, eine in antikem Stil gehaltene  Umrahmung, eine Art Triumphbogen,  von dem Döblinger Baumeister Anton Schegar entwerfen, zwei flankierende marmorisierte Säulen und Pilaster mit korinthischen Kapitellen und über dem Bild einen Halbkreisbogen, verziert mit drei vergoldeten Engelsköpfen, Ähren und Weintrauben . Die gesamte Komposition  verleiht dem  von vergoldeten „Ochsenaugen“ eingerahmten Bild vornehme Feierlichkeit und entspricht eigentlich ziemlich der Ausgestaltung historisierender Innenräume der Wiener Ringstraßenbauten. In ihren klassischen Schmuckformen  passt sie gut zu dem klassizistischen Kirchenbau des frühen 19. Jahrhunderts.

Das Taufbecken

Es ist ein modernes Werk nach altchristlichem Vorbild, entworfen von Georg Bachmayr-Heyda, 1988.

In den sich ergebenden 4 Ecken befinden sich dreieckige Flächen mit Mosaikarbeiten, die Symbole der vier Evangelisten.


Die gesamte Anlage ist achteckig, eine alte symbolische Zahl, die für Christen der Frühzeit und des Mittelalters nach dem „7- Tages Werk“ Gottes bei der Erschaffung der Welt die Zahl „8“ als Symbol für das Ewige Leben sah (vergleiche die Achteckform frühchristlicher Baptisterien, achteckige Kirchen wie die „Hagia Sophia“ in Konstantinopel (Istanbul) oder „San Vitale “ in Ravenna oder die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen u. a.)

 

Im frühen Christentum  stiegen die jugendlichen oder erwachsenen Täuflinge in das Taufbecken hinab, der Priester tauchte sie kurz unter oder goss über ihnen das Taufwasser aus, danach stiegen sie als „durch das Wasser und den heiligen Geist erneuerte Menschen“ aus dem Wasser heraus und erhielten ein weißes Kleid angezogen.

Altar, Ambo und Priestersitz

Altar, Ambo und Priestersitz wurden bei der liturgischen Neugestaltung 1988 nach Entwürfen von Architekt Georg Bachmayr-Heyda aus römischem Travertin gefertigt. Die in einer Achse angeordneten liturgischen Orte sollen als Glieder des Leibes Christi und der Kirche verstanden werden: Der Priestersitz (Sessio) - das Haupt, der Ambo als Ort der Worrtverkündigung - der Mund, der Altar des eucharistischen Opfers - das Herz, der Taufbrunnen - der Mutterschoß.

Der alte Taufstein

Der alte Taufstein befand sich bis zur Kirchenrennovierung im Jahr 1972 unter der Kanzel. Danach wurde er vor den Seitenaltar mit dem Gemälde der Taufe Christi versetzt. Seit der letzten Umgestaltung der Kirche im Jahr 1988 dient er als Weihwasserbecken an der Eingangstür. 

Die Marienstatue

Wie und durch wen diese Skulptur in die Döblinger Pfarrkirche gelangt ist, ist unbekannt. Lange Zeit wurde an den Grafen Daun gedacht, der in der Hofzeile seine spätbarocke Villa (so genanntes „Maria Theresien-Schlössl“) besaß.

 

Der Typus der Figur entspricht der des 1. Viertel des 18. Jahrhunderts. Maria trägt über der ausschwingenden Hüfte das gekrönte Jesukind, in der linken Hand ein Szepter, auf dem leicht gesenkten Haupt eine Krone, den Blick auf den Betrachter gerichtet. Der Gewandstil entspricht dem des 18. Jahrhunderts, Kopfschleier und Brusttuch eher der Art  des frühen 19. Jahrhunderts. Das Szepter dürfte um 1830/40  erneuert worden sein. Die Döblinger Madonna hat den Titel „Mutter der Kirche“ und ist  ein hochverehrtes Andachtsbild.

Die Kanzel

Die schlichte Kanzel aus dem frühen 19. Jahrhundert trägt auf dem Schalldeckel die symbolische Figur des Glaubens und an der Brüstung die vergoldeten Gestalten der Evangelisten. Seit der Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) wird die Kanzel nicht mehr verwendet.