Freitag 17. April 2026

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Gechichtliches

1267 bis heute, ein Schnelldurchlauf durch unsere Pfarrgeschichte!

Die 'alte', 1826 abgebrochene Pauluskirche des Mittelalters
Die "alte", 1826 abgebrochene Pauluskirche des Mittelalters

Die erste döblinger Pfarrkirche

1267 wird erstmals eine „Ecclesia in Tobelice“ urkundlich erwähnt. („Tobelice“, der älteste Name des heutigen „Döbling“, bedeutet – nach einer germanischen Namenserklärung – eine Schlucht , in der ein Bach „tobt“, was ja, auf den Krottenbach bezogen, verständlich ist. Nach einer slawischen  Namenserklärung heißt „Tobel“ soviel wie „heiße Quelle“, was vielleicht auch in unserem Fall passen könnte, vgl. „Tobelbad“ in der Steiermark oder  „Teplice“ in Böhmen. Im nahen Heiligenstadt befanden sich ja bis ins 19. Jahrhundert warme Quellen, die den Ort zu einem Kurort machten. Über diese erste Döblinger Kirche ist nur wenig überliefert. Einige Abbildungen geben uns über ihr Aussehen Auskunft.

 

Als Kaiser Friedrich III.  1469 erreicht, dass Wien eine eigene Diözese wird, die von der bisherigen riesigen Diözese Passau abgetrennt wurde, werden 3 Stadtpfarren und 14 Landpfarren genannt, darunter auch Döbling.

 

Bedingt durch die Auswirkungen der Reformation, den großen Priestermangel und die allgemeine Armut nach der 1. Wiener Türkenbelagerung und die Verhältnisse im Dreißigjährigen Krieg entschließt sich 1640 das „bischöfliche Konsistorium“ zur Auflassung der Pfarre Döbling. Mehr als 140 Jahre  wird dadurch Döbling durch den Pfarrer von Währing betreut.

 

Als die Türken 1683 Wien abermals belagern und Wiens Umgebung völlig verwüstet wird,  wird auch Döblings St. Paulskirche zerstört.

Die Regierungszeit Kaiser Karls VI. und seiner Tochter Maria Theresia  im 18. Jahrhundert bringen  friedliche Entwicklung und wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung im Zeitalter des Barocks. Wohlhabende Wiener lassen sich für die Sommermonate elegante Landhäuser in Döbling errichten, und einer von ihnen, Wolff Joseph Hoffmändl von  Mangeram, lässt an der Ecke der Döblinger Hauptstraße/ Hofzeile ein privates Kirchlein, zum hl. Johann  Nepomuk, erbauen, in dem von ihm bezahlte Priester aus Währing oder Lichtenthal Gottesdienste feiern.

 

Im späten 18. Jahrhundert, zur Zeit Kaiser Josefs II., im Zeitalter der Aufklärung, finden große  kirchliche Veränderungen in Österreich statt.  Auf Drängen  vieler neu angesiedelter Döblinger und besonders der Äbtissin der Tullner Dominikanerinnen, die zu jener Zeit die Döblinger Grundherrschaft innehaben, entschließen sich Kaiser und Erzbischof im Jahre 1783 die Pfarre Döbling wieder zu errichten. Das bisher zur Pfarre Heiligenstadt gehörende Unterdöbling wird der neueingerichteten Döblinger Pfarre  angeschlossen, und der bisherige „Benefiziat“ (bezahlter Messeleser) aus Währing, Sebastian Fux, wird zum ersten Pfarrer ernannt. -  Nun ergibt sich die Frage, ob die kleine, baufällige St. Paulskirche  Pfarrkirche werden soll oder lieber die zwar auch kleine, aber schönere St. Johann Nepomuk Kapelle. Angeblich soll Kaiser Josef II. persönlich in Döbling gewesen sein und sich für St. Paul entschieden haben, unter der Voraussetzung, dass diese Kirche neu zu errichten sei. 1785 wird das St. Nepomuk Kirchlein geschlossen und die Einrichtung versteigert. Ein Tischler erwirbt das Gebäude und macht daraus ein Holzmagazin.

 

1794 steht noch immer keine neue St. Paulskirche. Auf Grund der Bitten der Döblinger wird  nun das St. Nepomukkirchlein wiederum geweiht und eingerichtet und soll bis zur Errichtung einer neuen St. Paulskirche als provisorische Pfarrkirche dienen.

Die 'neue', 1829 geweihte Pauluskirche
Die "neue", 1829 geweihte Pauluskirche

Geschichte der St.-Paulus-Kirche von 1826 bis 1970

1826 erfolgt der Abbruch der alten Kirche, und von 1827 bis 1829 entsteht die neue Kirche nach Plänen des „Landbaumeisters“ Josef Reininger. Nach Abschluss der Bauarbeiten zur Amtszeit des Pfarrers Michael Teschmayr (1817–1834) kann am 4. Oktober 1829 der Wiener Fürsterzbischof Graf Firmian die feierlich Einweihung der neuen Kirche vornehmen. Sie ist zunächst noch fast leer und enthält  außer der Kanzel als einzigen bedeutenden Schmuck das riesige Altarbild  Josef Schönmanns, die  Darstellung des Kirchenpatrons, des hl. Paulus, bei dessen Sturz vom Pferd der Bekämpfer des Christentums, Saulus, der zum glühenden Kämpfer für Christus, Paulus, wird.

 

Der aus Tirol gebürtige Pfarrer  Peter Obkircher (1834-1861), ein Freund Andreas Hofers,  erwirbt aus dem aufgelassenen St. Joh. Nepomukkirchlein zwei barocke Marmoraltäre, die rechts und links in der Paulskirche aufgestellt werden. Auch die Aufstellung der beiden barocken Heiligenfiguren rechts und links vor dem Kirchenportal, links St. Erasmus und rechts St. Joh. Nepomuk, geht auf Pfarrer Obkircher zurück.

 

In der Zeit des Pfarrers Wilhelm Hulesch (1861 – 1898) nimmt die Bevölkerung Döblings immer mehr zu, und 1890 wird Döbling ein Großstadtbezirk. Ein Großteil der Kirchenausstattung, wie wir sie heute kennen, geht auf jene Epoche zurück.

 

Pfarrer Hulesch läßt die Säulen und den Bogen um das Hochaltarbild errichten, wodurch das großartige Bild einen festlichen Rahmen erhält. Darunter entsteht der eigentliche Hochaltar. Der Erwerb der Ölgemälde der Seitenaltäre, eine Kreuzigung und die Taufe Christi, sowie das große Gemälde St. Joh. Nepomuk vor König Wenzel, alle vom Wiener Maler Josef Kessler, geht auch auf Pfarrer Hulesch zurück. Der auch als Historiker tätige Pfarrer ( „Geschichte Döblings“, 1877) läßt den damals aufgefundenen spätgotischen Grabstein eines Döblinger Pfarrers namens Tenest (gest. 1504) im Inneren der Kirche als historische Reminiszenz an die erste St. Paulskirche einmauern (1872). Auch das erste Glockengeläute von St. Paul und die erste Orgel lässt dieser aktive Pfarrer anschaffen.

 

Pfarrer Ignaz Flandorfer (1899-1919) muss während des 1. Weltkrieges der Abnahme der Glocken und deren Einschmelzung zu Kriegsgeräten zustimmen und das Ende des alten Österreich.

 

In der sorgenvollen Zeit der Ersten Republik kann Pfarrer Johann Scheck (1920 – 1934) mit großen finanziellen Anstrengungen ein neues Geläute anschaffen, und er lässt die schmucklose Kirchendecke im Stile jener Zeit mit al secco- Gemälden des Malers Hans Fischer ausschmücken, die in blau-orange- beige Tönen die Lehrtätigkeit des heiligen Paulus zeigen (überdeckt 1972).

 

Pfarrer Rudolf Waurisch (1934-1956), in der schwierigen Zeit der Parteienkämpfe, des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der folgenden Zeit des Wiederaufbaues im Amt, muss 1943 bis 1945 die Bombardierung  Döblings und bei St. Paul die Zerstörung von Sakristei und Jugendheim erleben. Und ein Zweitesmal werden die Glocken von St. Paul in Kriegsgeräte umgeschmolzen. Doch 1948 gelingt ihm der Wiederaufbau und die erste Nachkriegs-Renovierung der Kirche.

 

Pfarrer Josef Hoffmeier (1956-1970) kann eine Kirchenheizung und neue Glocken anschaffen. 1958/59 entsteht das Pfarrheim rechts neben der Kirche, und in der neuen Wohnhausanlage Ecke Hofzeile / Vormosergasse kann Pfarrer Hoffmeier den „Paulussaal“ für pfarrliche Veranstaltungen und einen Kindergarten einrichten lassen. 1967 wird in der Kirche ein einfacher Holztisch als erster „Volksaltar“ nach den liturgischen Empfehlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgestellt.

Geschichte der heutigen St. Paul-Kirche seit 1971

Als 1972 die Deckengemälde der Kirche durch ein leichtes Erdbeben Sprünge und Risse erleiden und herabzustürzen drohen, nimmt Pfarrer Hans Klinger (1971–2010) dies zum Anlass für eine Kirchenrenovierung. Dabei ließ er die Wände und die Decke  durch Weiß- Übermalung in den Zustand des frühen 19. Jahrhunderts zurückversetzen. Der provisorische hölzerne „Volksaltar“ wird durch einen Altar aus Stein ersetzt. Die bildmäßige Ausstattung der Kirche wird so verändert, dass eine sinngebende Steigerung für den Eintretenden entsteht, vom Eingang zum Hochaltar.

 

Die heute noch in Verwendung stehende Orgel auf dem erneuerten Musikchor kann 1978 in Betrieb genommen werden.

 

Die bis jetzt letzte Umgestaltung der Kirche findet 1988 auf Grund der Anregungen von Pfarrer Klinger statt. Der bisherige „Volksaltar“ wird durch einen neuen, quadratischen ersetzt und in der Kirchenmitte aufgestellt, um der die hl. Messe feiernden Gemeinde das Miterleben des Gottesdienstes von drei Seiten aus zu ermöglichen.

 

Hinter dem Altar entsteht eine „Sessio“ mit mittlerem, erhöhtem Priestersitz in der Art der frühchristlichen Kirchen. Die wohl interessanteste Erneuerung ist die Anlage eines  in den Boden eingelassenen Taufbeckens, gleich nach dem Kircheneingang.

 

Im Jahr 2019 lässt der Pfarrmoderator Walter Mick (2010-2020) eine neue Stiegenanlage am Haupteingang der Kirche bauen.

 

Bei der letzten Renovierung im Jahr 2023 wurden sowohl der Kirchturm als auch die Fassade erneuert.