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31.07.2015 · Spiritualität · Glaubenswissen

„Kein Christentum ohne Altes Testament“

Der hl. Evangelist Markus

Den ersten und größten Teil der christlichen Bibel, das „Alte Testament“ haben wir Christen allerdings nicht nur vom Judentum übernommen, sondern auch mit dem Judentum gemeinsam, so dass dieser Teil der Hl. Schrift die einzigartige und bleibende Verbindung von Judentum und Christentum begründet und diese Verbindung zum unaufgebbaren Bestandteil christlicher Identität werden lässt.

Warum die Beschäftigung mit der ganzen Bibel für Christen „lebensnotwendig“ ist: Interview mit Univ.-Prof. Christoph Dohmen

Warum ist das Alte Testament für uns Christen unverzichtbar?

 

Dohmen: Das Alte Testament, oder besser gesagt die Bibel Israels, ist die erste und eigentliche Heilige Schrift der Christen.

 

Die Christen des 1. Jahrhunderts kannten nämlich nur diese Bibel als Hl. Schrift die erst später zum „Alten Testament“ wurde, nämlich als die Schriften der Christus-Verkündigung als „Neues Testament“ hinzukamen.

 

Es ist eben nicht wie so oft – leider bis heute – angenommen so, dass das AT die Hl. Schrift der Juden und das NT die der Christen sei. Vielmehr gilt, dass das Christentum eine einzige Hl. Schrift kennt, die aus den beiden untrennbar miteinander verbundenen Teilen von AT und NT besteht.

 

Die christliche Bibel ist nicht das Neue Testament, sondern die zweigeteilte Einheit aus AT und NT. Den ersten und größten Teil der christlichen Bibel, das „Alte Testament“ haben wir Christen allerdings nicht nur vom Judentum übernommen, sondern auch mit dem Judentum gemeinsam, so dass dieser Teil der Hl. Schrift die einzigartige und bleibende Verbindung von Judentum und Christentum begründet und diese Verbindung zum unaufgebbaren Bestandteil christlicher Identität werden lässt.

 

Warum ist die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift des AT und NT lebensnotwendig für uns Christen?

 

Dohmen: Das Basisbekenntnis der Christen „Jesus (ist der) Christus“ kann man wie die gesamte Christus Verkündigung nur von der Bibel Israels (AT) her verstehen, denn es besagt, dass von diesem Jesus von Nazareth geglaubt wird, dass er der Messias (= Christus) der Bibel Israels sei.

 

Ohne das Alte Testament kann es kein Christentum geben, denn die Christus-Verkündigung wäre grundlos und unverständlich. Das hat schon im 4. Jahrhundert der Kirchenlehrer und Bibelübersetzer Hieronymus so gesehen, als er schrieb: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“

 

Manche tun sich schwer mit dem Thema Gewalt mit dem Alten Testament. Was kann man da raten?

 

Dohmen: Es gehört wohl zu den unausrottbaren Klischees, dass das Alte Testament bzw. seine Gott–Rede untrennbar mit Gewalt verbunden sei.

 

Im Alten Testament wird aber nirgendwo Gewalt verherrlicht. Sie kommt in den Texten aber vor, weil sie in der Welt vorkommt. Gewalt oder das Böse sind Teil unserer Welt und des menschlichen Lebens.

 

Die Texte der Bibel sind aber keine Träumereien von einer heilen Welt, sondern in Bezug auf Gott gedeutete menschliche Erfahrungen, die die Realität des menschlichen Lebens durchaus ernst nehmen. Gerade im Hinblick auf die Rede von Gewalt muss man deshalb immer genau hinsehen, wovon und wie die Texte sprechen.

 

Das so oft zitierte Prinzip „Auge um Auge“ redet gerade nicht der blinden und gewaltsamen Rache das Wort, sondern dient der Eingrenzung von Gewalt und soll deeskalierend wirken, denn es meint: Nur ein Auge für ein Auge und nicht mehr.

 

Übrigens: Den oft postulierten Unterschied zwischen AT und NT in Bezug auf Gewalt gibt es nicht.

 

Was können wir von der Liebe des Judentums zu seiner Heiligen Schrift lernen?

 

Dohmen: Der Liebe zur Hl. Schrift geht wie jeder Liebe ein Kennen-Lernen voraus. Juden verstehen sich selbst als „Lernende“, Tora-Lernende, davon können und sollten wir Christen zuerst lernen, denn das Lernen führt zum Kennen.

 

Uns Christen führte die Liebe zur Schrift, die wir bei und von Juden lernen können, zum Wesen der Heiligen Schrift; insofern wir in ihr Gott begegnen können.

 

Gleichzeitig führt sie uns zum Judentum, dem wir den ersten und größten Teil unserer Hl. Schrift verdanken.

 

erstellt von: Der Sonntag / Stefan Kronthaler (∗ Interview in der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" Nr. 1 vom 5.1.2014)
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Weitere Informationen

Univ.-Prof. Dr. Christoph Dohmen

 

Universität Regensburg

 

 



 

 

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Die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag"

 

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Wiener Erzbischof leitete in Maria am Gestade traditionellen Festgottesdienst zu Ehren des Wiener Stadtpatrons Clemens Maria Hofbauer.

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