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21.10.2015

Kirchenbeitrag bleibt Basis der Kirchenfinanzierung

Kollekte

Kommt die Kollekte 2.0? Wie können sich kirchliche und soziale Projekte finanzieren?

Herbert Beiglböck, Vorsitzender der Finanzkammerdirektoren der österreichischen Diözesen: "Die drei Säulen der Finanzierung der Kirche sind auch in der Zukunft Kirchenbeitrag, Spenden und ehrenamtliches Engagement."

Sie sagen, die Finanzierung der Kirche beruht auf drei Säulen. Welche sind das?


Herbert Beiglböck: Nach wie vor ist es so, dass der Kirchenbeitrag mit etwa 80 Prozent in den Diözesen die Hauptlast der wirtschaftlichen Basis darstellt, was die diözesanen Einrichtungen betrifft. Das pfarrliche Leben wird durch die beiden Elemente Spenden und ehrenamtliches Engagement getragen. Das ist das Fundament, mit dem wir unsere laufenden Tätigkeiten, das Grundangebot der Seelsorge abdecken.

Gibt es sichtbare und brauchbare Alternativen zum Kirchenbeitrag?

 

Herbert Beiglböck: Es gibt nicht Alternativen, es gibt Ergänzungen. Wir haben in den letzten Jahren in allen Diözesen sehr viel getan, um die Bewirtschaftung der Liegenschaften zu verbessern, um mehr Erlöse zu erzielen und geringere Kosten zu haben. Da ist noch einiges  möglich, wenn man Kreativität einbringt. Durch Kooperation mit öffentlichen Stellen bestehen Chancen, bestimmte Projekte mit nationalen, aber auch EU-Geldern zu finanzieren. Das sind Ansätze,  die ergänzend tätig sein können, aber das ist nicht ein Element, das ausreicht, um die Grundangebote der Seelsorge abzusichern.

 


Es wird immer wieder der Kirchenbeitrag hinterfragt und andere Modelle ins Spiel gebracht wie das italienische Beispiel eines allgemeinen Kulturbeitrags.

 

Herbert Beiglböck: Es gibt weltweit ganz unterschiedliche Modelle. Wahrscheinlich ist keines wirklich perfekt, alle haben Vor- und Nachteile. Mein eigener Zugang ist, dass Kirche natürlich immer lebendig sein kann, wie viele Länder ohne Kirchenbeitrag zeigen, aber dass unsere Form von Kirche mit einem sehr dichten Netz von Seelsorgern und mit vielen hauptamtlichen Mitarbeitern eigentlich ein solches System der gesicherten Finanzierung braucht. Wir haben ein bewährtes Modell, das wir weiterentwickeln müssen. Wir sollten keine Debatte beginnen, ein anderes Modell zu forcieren, das unrealistisch ist. Bei Italien gibt es schon ein Grundbedenken von meiner Seite: Letztlich ist es eine staatliche Finanzierung. Mir scheint es wichtig zu sein, dass gerade in dieser Frage die Kirchen in Zukunft eigenständig unterwegs sind.

Was werden Sie tun, wenn die Kirchenbeitragszahlungen vielleicht doch zurückgehen werden?

 

Herbert Beiglböck: Ich gehe davon aus, dass wir mittelfristig sinkende Kirchenbeitragseinnahmen haben werden. Das würden wir in jedem anderen System auch haben, weil die Hauptursache sinkende Katholikenzahlen sind. Das bleibt in jedem System problematisch, dass immer weniger Menschen eine relativ breite Struktur finanzieren müssen. Die Frage wird sein, wie es uns gelingt, die Infrastruktur, die personellen Ressourcen auf diese veränderte Situation anzupassen. Wir werden, was vielleicht auch interessant für die Gesellschaft insgesamt ist, beweisen müssen, dass man eine Einrichtung, eine Gemeinschaft auch gut führen kann, wenn es es keine steigenden, sondern möglicherweise leicht sinkende Einnahmen gibt. Papst Franziskus übt mit "Laudato si" klare Kritik an der Wachstumsideologie. Wir können beweisen, dass wir Organisationen führen können, die nicht in diesem System leben.

Crowdfunding ist jetzt ein großes Thema. Ist es auch möglich, einige kirchliche Projekte damit zu finanzieren?


Herbert Beiglböck: Bei der Grundfinanzierung der Seelsorge wird das nicht möglich sein. Die Menschen erwarten sich mit der Leistung ihres Kirchenbeitrages eine gesicherte, qualitätsvolle Seelsorge. Ich denke aber schon, dass es bei der Caritas, bei bestimmten Einrichtungen, auch Bildungseinrichtungen, einzelne Projekte geben wird, die im Bereich Soziales und  Ökologie so interessant sind, dass man sagt: Dieses Projekt kann ich auch mit Drittmitteln finanzieren. Und da ist Crowdfunding eine der Möglichkeiten. Es wird sozusagen nie eine tragende Säule werden, aber eine nette Ergänzung.

Ist soziales Unternehmertum auch für kirchliche Projekte denkbar?


Herbert Beiglböck: Das ist unser Kerngeschäft. Gutes zu tun und dafür auch Geld zu bekommen. Wir sind in dem Bereich tätig und ich hoffe, dass wir noch stärker in dem konkreten Tun und Wirtschaften auch die Botschaft des Evangeliums zum Leuchten bringen. Wir wirtschaften nicht, um Gewinne zu machen und Vermögenswerte zu schaffen, sondern um einen Beitrag zu leisten, dass Menschen mehr am Leben haben.

Was ist Ihr Bild von der Zukunft?


Herbert Beiglböck: Die Kirche wird in jeder Hinsicht in der Pluralität, die auf uns zukommt, sehr eigenständig sein müssen. Wir werden es beim Kirchenbeitrag spüren. Wir werden immer weniger Daten bekommen, wir müssen diese selber warten und qualifizieren. In dieser Eigenständigkeit können wir aber die Kraft für Kooperationen entwickeln und uns gut in die Gesellschaft einbringen.    

erstellt von: Der Sonntag / Markus Langer
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Weitere Informationen zu "Der Sonntag" die Zeitung der Erzdiözese Wien

 

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