Sunday 24. July 2016

Gedanken zum Evangelium: Die Großfamilie Jesu

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 28. Dezember  2014. (Lukas 2,22.39-40)


Der Sonntag nach Weihnachten ist der Familie gewidmet. Allen Familien. Und besonders der heiligen Familie, der Familie Jesu. Und das fügt sich gut, denn Weihnachten ist für viele das besondere Fest der Familie. Es ist die Zeit, da die Familie zusammenkommt, gemeinsam feiert, füreinander Zeit hat. Es ist oft auch die Zeit, in der Familienspannungen besonders schmerzlich erlebt werden, wo Risse im Gefüge der Familie deutlich werden, Konflikte hervortreten, Verletzungen spürbar sind. Manche fürchten deshalb die Weihnachtszeit. Der Gegensatz zwischen dem Wunsch nach Geborgenheit in der Familie und der Realität ihrer Uneinigkeit tut zu Weihnachten besonders weh.

 

Wie war das mit der heiligen Familie? Heute wird sie uns als leuchtendes Vorbild dargestellt. Und sie ist es. Die alte Tradition, die heilige Familie, Jesus, Maria und Joseph um Hilfe anzurufen, ist gut und richtig, ganz besonders für unsere eigenen Familien, um gegenseitige Liebe, Verstehen, Verzeihen, um den Frieden untereinander.

Mich bewegt aber die Frage, wie die heilige Familie gelebt hat. Wir wissen wenig über die langen Jahre, die Jesus im Kreis seiner Familie in Nazareth gelebt hat. Aber es ist doch mehr als meist angenommen wird.

 

Wie in jeder Familie hatten Jesu Eltern selber Eltern und ihre eigenen Familien. Marias Eltern waren Joachim und Anna. Von Joseph wissen wir nur den Namen des Vaters, er hieß Jakobus. Hatten sie Geschwister? Von Maria wird einmal eine Schwester genannt. Joseph dürfte einen Bruder namens Klopas gehabt haben. Wahrscheinlich hatten beide mehrere Geschwister. Und natürlich eine weitere Verwandtschaft. Von Elisabeth, der Mutter des Johannes des Täufers, wissen wir, dass sie eine Verwandte Marias war.

 

Und wie ist es mit den öfters erwähnten „Brüdern Jesu“? Hatte Jesus Geschwister? Als Jesus einmal auf Besuch in seine Heimat Nazareth kam, sagten die Leute: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?“ Am bekanntesten wurde Jakobus, der später die Gemeinde in Jerusalem leitete und dem wir den „Jakobus-Brief“ im Neuen Testament verdanken. Nach alter Überlieferung waren diese „Geschwister“ Jesu nahe Verwandte, vielleicht aus einer ersten Ehe Josephs.

 

Eines wird deutlich: die heilige Familie war nicht eine moderne „Kleinstfamilie“, sondern lebte in einem weiten Netz von Verwandtschaft. Und wie in allen menschlichen Familien gab es in dieser Verwandtschaft Spannungen und Konflikte und nicht nur Eintracht und Harmonie. So wissen wir, dass die „Brüder“ Jesu am Anfang heftig gegen ihn waren, als er Nazareth verließ und öffentlich aufzutreten begann. „Er ist verrückt geworden“, sagten sie.

 

Was bedeutet heute „die heilige Familie“? Jesus wollte eine möglichst weite, große  Familie. Nicht im leiblichen Sinn, sondern sozusagen „durch Adoption“. Er sagte: „Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter.“ Wer an ihn glaubt, gehört zu seiner Familie. Jesus ist nicht nur der Herr und Meister, sondern unser Bruder. Und er will allen Menschen Bruder sein und dass alle Menschen Brüder und Schwestern werden, die große Familie Gottes. Die kleine heilige Familie ist das Herz dieser Großfamilie. Sie kann manche Wunden unserer oft so verletzten Familien heilen. Darum dürfen wir heute die heilige Familie bitten, Jesus, Maria und Joseph!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (28.12.2014)

Wie war das mit der heiligen Familie? Heute wird sie uns als leuchtendes Vorbild dargestellt. Und sie ist es. Die alte Tradition, die heilige Familie, Jesus, Maria und Joseph um Hilfe anzurufen, ist gut und richtig, ganz besonders für unsere eigenen Familien, um gegenseitige Liebe, Verstehen, Verzeihen, um den Frieden untereinander.

Lukas 2,22.39-40

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

 


 

kathbild.at/rupprecht  

Gedanken zum Evangelium

Wöchentlicher Evangelienkommentar von Kardinal Christoph Schönborn.

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