Saturday 30. July 2016

Gedanken zum Evangelium: Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium zum Weihnachtsevangelium, 24. Dezember  2014 (Lukas 2,1-14)


Heute muss ich von Laurine erzählen. Sie ist 10 Jahre alt. Ein lebhaftes, lebendiges und gescheites Kind. Sie war in Damaskus zu Hause. Dort lebte sie mit ihren Eltern und ihrem jüngerem Bruder William. Bis zum 15. April dieses Jahres, der für immer ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat.

 

An diesem Tag waren Laurine und William in der Schule. Es war gerade Pause. Eine Schar Kinder saß im Stiegenhaus und plauderte, als eine Granate einschlug. Laurine wurde schwer verletzt. Die Granate zerfetzte ihre Beine. Im Spital konnten sie nur mehr beide Beine amputieren.

 

Als ich im November den Libanon besuchte, habe ich Laurine und ihre Familie kennengelernt. Die Caritas Österreich hat ihnen ermöglicht, dass Laurine im Libanon ordentlich ärztlich betreut wird, was im andauernden Kriegszustand in Syrien nicht möglich war. Laurine hatte, als wir uns begegneten, erste Gehversuche mit Beinprothesen gemacht. Ich habe ihren Mut bewundert. Es fällt ihr noch schwer, aber sie hat ihr strahlendes Lächeln wiedergewonnen.

 

Dank der Spender für die Caritas wird Laurine  mit ihrer Familie jetzt in den Weihnachtstagen nach Österreich kommen, im Rahmen der von unserer Innenministerin eröffneten Möglichkeit, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Denn eine Rückkehr in die syrische Heimat ist für Laurines traumatisierte Familie nicht mehr möglich. Sie werden in Österreich eine neue Heimat finden. Laurine wird mit ihrem Mut, ihrem Lebenswillen und ihrer Ausstrahlung ihren Weg im Leben finden, auch wenn sie auf Prothesen gehen muss. Und ich freue mich, Familie Bachour bald bei uns begrüßen zu dürfen.

 

Das Schicksal von Laurine ist eine der zahllosen „Herbergsuchen“ unserer Tage. Wir lesen Zahlen, aber es sind immer Menschen und nicht Nummern. 5 Millionen Flüchtlinge in Syrien, 500.000 in der Ukraine. Wir können nicht allen helfen. Aber wie Laurine zeigt: die Hilfe kommt an. Die Syrienhilfe der Caritas, die Spenden der Menschen bei uns machen es möglich, dass Laurine und ihre Familie eine neue Zukunft aufbauen können.

 

Genau deshalb, genau aus diesem Grund hat Gott es auf sich genommen, unter uns Menschen auf Herbergsuche zu gehen. „Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen und ist Menschen geworden“, so heißt es im „großen Glaubensbekenntnis“. Seit Jesus, der Sohn Gottes, als armes Menschenkind im Stall von Bethlehem geboren wurde, ist das der Weg Gottes zu uns Menschen. Er will nicht droben im Himmel gefunden werden, sondern hier auf Erden, unter den Armen und Notleidenden, den Heimatlosen und Heimatsuchenden. Denn er ist selber einer von ihnen geworden.

 

„Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“, so sprach der Engel zu den Hirten auf dem Feld, die Nachtwache hielten bei ihren Herden. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus, der Herr.“ Und erkennen werden sie ihn, wenn sie „ein Kind in der Krippe finden“. So war es dann auch: Sie eilten hin und fanden das Kind, das in der Krippe lag, und Maria und Joseph.

 

Für mich war dieses Jahr geprägt von den Begegnungen mit Flüchtlingsschicksalen. Im Sommer in Bogota, in Kolumbien. Im Herbst im Libanon. Zuletzt in der Ukraine. Ich bin nicht Zahlen, sondern Menschen begegnet. Nie kann allen geholfen werden.

 

Aber jede kleine Hilfe, jede persönliche Begegnung brachte mir etwas von der Weihnachtsfreude. Laurine ist heuer mein schönstes Weihnachtsgeschenk.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (24.12.2014)

Seit Jesus, der Sohn Gottes, als armes Menschenkind im Stall von Bethlehem geboren wurde, ist das der Weg Gottes zu uns Menschen. Er will nicht droben im Himmel gefunden werden, sondern hier auf Erden, unter den Armen und Notleidenden, den Heimatlosen und Heimatsuchenden. Denn er ist selber einer von ihnen geworden.

Lukas 2,1-14

 

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

 

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

 

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

 

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

 

Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

 

 


kathbild.at/rupprecht  

Gedanken zum Evangelium

Wöchentlicher Evangelienkommentar von Kardinal Christoph Schönborn.

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