Dienstag 20. November 2018
Katechesen von Kardinal Christoph Schönborn

"Du aber folge mir nach!" (Joh 21,22) -Wie wird man ein Jünger Jesu?

Wortlaut der 2. Katechese 2011/12 von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 13. November 2011 im Dom zu St. Stephan.

Lasset uns beten!

Komm, Heiliger Geist, komm unserem Nachdenken, unserem Hören, unserem Empfinden und unserem Wollen mit Deiner Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was wir tun und beginnen, von Dir seinen Anfang nehme und durch Dich gestärkt auch zum Ziel geführt wird. So bitten wir durch Christus unseren Herrn! Amen!

 

Heißt Christsein Jünger, Jüngerin Jesu sein? Wenn die Antwort Ja ist, was bedeutet dann Christsein als Jünger? Was ist dann Jüngerschaft? Wenn Christsein und Jüngerschaft nicht gleichzusetzen sind, gibt es dann sozusagen ein allgemeines und ein besonderes Christsein, eines für die Allgemeinheit und eines für ganz spezielle Christen, die Jünger oder Jüngerinnen? Mir hat sich diese Frage ganz konkret gestellt, bei der Frage meiner Priester- und Ordensberufung. Ist das ein besonderer Ruf, oder ist das einfach ein Ruf ins Christsein, in die Nachfolge Christi? Kann man ganz normal Christ sein, ohne Sonderform des Lebens, ohne den Stand der Nachfolge als Ordenschrist oder Priesterberufung?

Das nach der Bibel erfolgreichste Buch der ganzen Christenheitsgeschichte, trägt den Titel: "Die Nachfolge Christi" ("De Imitatione Christi") von Thomas von Kempis, 1441 vollendet (vgl. Peter Dyckhoff, Auf dem Weg in die Nachfolge Christi. Geistlich leben nach Thomas von Kempen, Freiburg/Br. 2004). Dieses Buch hat zahllose Christen in ihrem Leben genährt. Die kleine hl. Theresia konnte es weitgehend auswendig. Dieses Buch ist eindeutig nicht für eine spezielle Gruppe von Christen geschrieben, sondern für alle. Es wird auch von allen gelesen, weit über den Raum des Christentums hinaus. Viele berühmte und noch viel mehr unbekannte Christen haben aus der Nachfolge Christi ihre Nahrung für den Weg des christlichen Lebens geschöpft, haben sich darin orientiert, geschult und überprüft.

Dag Hammerskjöld (1961 tödlich verunglückt) war Generalsekretär der Vereinten Nationen. In seinem geistlichen Tagebuch (Zeichen am Weg. Das spirituelle Tagebuch des UN-Generalsekretärs, Stuttgart 2011, z.B. 7.4.1953; 1955, S. 131; 29.7.1955 u.a.m.) finden sich zahlreiche Zitate aus der Nachfolge Christi. Dieser große Diplomat wollte mit seinem ganzen Wesen und Leben Jünger Jesu sein. Aber er war weder Mönch noch Priester. Dieses Buch war für ihn einer der Leitsterne seines Lebens. Ein zweites Beispiel war Robert Schuman (†1963), der große Politiker, einer der Gründerväter Europas. Ein Seligsprechungsprozess für ihn ist im Laufen. Auch er hat immer wieder aus dem Buch der Nachfolge Christi geschöpft (vgl. Gisbert Kranz, von Aschoka bis Schuman. Zehn exemplarische Staatsmänner, Würzburg 1996).

Noch einmal die Frage: Ist Christsein gleich Jünger Jesu sein? Ja, zweifellos, und doch auch wieder nicht. Darum wird es heute gehen. Es ist nicht ganz einfach, obwohl ich glaube, dass der Grund ganz einfach ist. Ich möchte, wie angekündigt, stark vom biblischen Zeugnis ausgehen: Was sagt uns Jesus selber? Wie ist Erfahrung der Urkirche vom Jünger, Schüler Jesu Sein? Und was bedeutet das für unseren diözesanen Erneuerungsweg? Schließlich, wenn wir auf die Zeichen der Zeit blicken: Was zeigt uns der Herr, durch die Ereignisse unserer Zeit in dieser Frage?

I.

Schauen wir zunächst einmal auf die ersten Berufungen. Wie kamen Menschen dazu, sich Jesus anzuschließen und für ihn alles zu verlassen, ihre Familien, ihren Beruf, ihr Haus, ihr Umfeld, ihre vertraute Umwelt? Zugleich müssen wir uns fragen, wie es für die aussieht, die sich innerlich Jesus angeschlossen haben, aber nicht mit ihm gewandert, sondern zu Hause geblieben sind. Schließlich stellt Jesus selber die Frage, was mit denen ist, die gar nichts von Jesus wissen. Kann die große Mehrheit der Menschen irgendwie Jünger Jesu sein?

Vorweg etwas Entscheidendes: Die Nachfolge Jesu, wie sie uns im Neuen Testament begegnet, steht nicht im luftleeren Raum. Jesus ist nicht ohne seine Vorgeschichte zu verstehen. Er ist nicht zu trennen von Israel. Seine Sendung und sein Auftrag sind nicht zu trennen von der Sendung Israels, sie stehen in der "Geschichte der Sammlung des Gottesvolkes von Abraham bis heute". Der Exeget Gerhard Lohfink, auf den ich mit heute öfters beziehen werde, hat ein Buch geschrieben: "Braucht Gott die Kirche? Zur Theologie des Volkes Gottes" (Freiburg/Br. 1998, S. 9). Er geht darin der Frage nach, wozu es überhaupt Kirche gibt und was eigentlich die Sendung des Volkes Gottes von den ersten Anfängen an bis heute ist. Die Sendung Jesu ist unlösbar verbunden mit der Erwählung des jüdischen Volkes, des Volkes Gottes, mit der Geschichte des Alten Bundes. Wir können Jesus nicht ohne den Alten Bund haben. Der Alte Bund ist eine Geschichte von Berufungen, eine Geschichte der Aussonderung und des Auftrags, eine Geschichte von Sendung und Ermächtigung. Wenn wir Jesus und seine Nachfolge für unsere Zeit neu bedenken wollen, dürfen wir ihn und uns nie loslösen von der langen Geschichte des Alten Bundes. Wenn man Jesus ohne das Alte Testament haben will, das wäre wie Geigensaiten ohne Klangkörper. Wir können Jesus nicht verstehen ohne Israel, das erwählte Volk.

Wir sind hier schon am Anfang unseres Weges an einer ganz wichtigen Weggabelung. Wenn wir unseren Auftrag heute als Christen, als Jünger und Jüngerinnen Christi neu verstehen wollen, dann müssen wir auf den Weg des jüdischen Volkes schauen. Das ist unsere Vorgeschichte, das jahrhundertelange Einüben eines Weges mit dem Willen Gottes. Es bedeutet einzuüben, was es heißt, das Joch der Erwählung zu tragen, wie die Juden sagten. Für Katholiken in Ländern, in denen wir lange gewohnt waren, eine oft komfortable Mehrheit zu sein, ist es ein schwieriger Lernprozess, in dem wir derzeit stehen, sich auf eine neue Situation einzustellen, in der bekennende Christen sich weitgehend in ihrer Umwelt, ihrem Beruf, ihrem Freundeskreis, Kollegenkreis als Minderheit erfahren, selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung bei uns und in vielen Teilen Europas sich als christlich, als katholisch bezeichnet. Ein jüdischer Bekannter hat mich in Israel zum Flughafen begleitet. Unterwegs haben wir über die Situation der Kirche in Österreich gesprochen. Er hat mich gefragt, wie das so ist und ich habe ihm ein wenig erzählt von den vielen Kirchenaustritten, dem heftigen Gegenwind, den die Kirche in unserem Land hat. Dann hat er mir lächelnd gesagt: "Wir sind seit Jahrhunderten gewohnt, ob du als Jude sympathisch oder unsympathisch, ob du Applaus findest oder nicht, eines ist sicher: Du bist immer ein Jude! Und damit wirst du, zumindest ist es in weiten Teilen unserer Welt noch heute so, auch ein bisschen schief angeschaut". Und er hat gesagt: "Ihr werdet euch daran gewöhnen, ihr Katholiken, ‚welcome on board‘, sozusagen, was immer ihr macht: Na ja, die Kirche… Ob mit Erfolg oder Misserfolg, ob kritisiert oder gelobt: die Kirche, die Katholiken…" Das sage ich nicht, um uns pessimistisch zu machen, sondern um uns in das einzuüben, was Jüngerschaft im Sinne Jesu bedeutet.

Ein Wort des großen jüdischen Schriftstellers und Psychologen Manès Sperber, der in Wien und vor allem in Paris gelebt hat, macht das deutlich. Er schreibt in seiner Autobiographie "Die Wasserträger Gottes. All das Vergangene…" (Wien 1974, S. 70) diesen bitterernsten Satz: "Nur wenige Nichtjuden haben je begriffen, dass das jüdische Leid nicht etwa trotz, sondern vor allem wegen der Auserwähltheit zu unserem Schicksal geworden ist. Indem Gott mit uns ein Bündnis schloss, warf er den göttlichen Ziegelstein seiner Gnade auf uns. Seither tragen wir die erdrückende Last der Auserwähltheit wie einen Fluch, und sollen ihn doch dreimal am Tag wie einen Segen preisen." Das ist sicher etwas bitter gesagt, aber eine ernste und tiefe Wahrheit. Das Joch der Erwählung zur Jüngerschaft Jesu steht in der Tradition der Erwählung des jüdischen Volkes, das von Gott erwählt ist.

In der ersten Katechese habe ich über die Stelle meditiert, wo Jesus zu Petrus sagt, dass er sich auf das Leid einstellen muss, und dann allgemein hinzufügt: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Mt 16,24). Hier liegt der entscheidende Punkt für den Reformweg, zu dem der Herr uns einlädt: Es geht um eine neue Sicht unserer christlichen Berufung. Gerhard Lohfink spricht das in seinem schon genannten Buch klar aus. Ausgehend von seiner eigenen Lebenserfahrung, die ihn auch zu einem Neuanfang geführt hat, dass er seinen Lehrstuhl an der Universität aufgegeben und sich einer neuen christlichen Gemeinschaft angeschlossen hat, schreibt er: "Nirgendwo beschäftigt sich die Bibel mit Pastoralplänen und Seelsorgestrategien. Stattdessen zeigt sich auf fast jeder Seite: Gott handelt nicht überall, sondern an konkreten Orten. Er handelt nicht jederzeit, sondern in einer bestimmten Stunde. Er handelt nicht durch jedermann, sondern durch Menschen, die er sich auswählt. Wenn wir das nicht wieder begreifen, wird es in unseren Tagen keine Erneuerung der Kirche geben. Denn dieses alte Prinzip der Heilsgeschichte gilt auch heute" (Braucht Gott die Kirche?, S. 10). Gott handelt durch Menschen, die er sich erwählt. Gehören wir dazu? Das war die Frage, die ich mir als Jugendlicher gestellt habe: Gehöre ich zu denen, die erwählt sind, zu einem bestimmten Auftrag, einer bestimmten Sendung?

II.

Wie war es am Anfang? Jesus beginnt sein öffentliches Wirken damit, dass er einzelne Menschen zu sich ruft und sie um sich sammelt. Wie fängt die Kirche an, wenn die Kirche die Sammlung der Menschen in und um Jesus ist, durch und um Jesus? Die ersten Berufungen werden beim Evangelisten Markus ganz knapp geschildert. Zwei Fischer, Simon und sein Bruder Andreas sind bei der Arbeit, Jesus geht am Ufer vorbei und sagt: "Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen" (Mk 1,17). Jesus ruft sie mit Autorität, ganz bestimmt und ohne Diskussion: Möchtet ihr, passt euch das? Die Konsequenzen beschreibt Markus ganz direkt so: "Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach" (Mk 1,18). Nachfolge Christi ist hier ganz wörtlich: mit Jesus gehen, sich auf den Weg machen, alles verlassen, sein Leben teilen, eine unbehauste Wanderschaft in Armut. Dieser Kreis von Menschen, der mit Jesus geht, wird bald größer. Es entsteht eine größere Gruppe von Menschen, die bereit sind und mit ihm das arme Wander- und Predigerleben teilen. Aus diesem wachsenden Kreis wählt er an einem bestimmten Zeitpunkt zwölf Männer aus. Markus beschreibt das so: Jesus "stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selber wollte, und sie kamen zu ihm. Und er schuf (epoiesen) Zwölf, dass sie mit ihm seien und dass er sie aussende zu verkünden und Vollmacht zu haben, Dämonen auszutreiben" (Mk 3,13-15, Übersetzung nach G. Lohfink). Dann folgt die Liste der zwölf Apostel.

Welche Rolle spielt dieser Kreis der Zwölf? Für die Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu ist diese Frage wichtig. Sind sie sozusagen das Urmodell jeder Nachfolge? Muss jeder, der Jesus nachfolgen will, in dieses Muster, oder haben sie einen besonderen Auftrag? Sind sie eine Kerntruppe, der sich möglichst viele dann anschließen sollen? Oder sind sie eine besondere Gruppe, die nur für sich steht? Wie so oft gibt es hier kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl als Auch. Bis heute ist die Kirche apostolisch, wie wir sie im Glaubensbekenntnis bekennen. Die Zwölf sind zweifellos der Kern des Apostolischen Amtes. Jesus hat sie bewusst gewählt, um seiner Gemeinschaft, seiner Familie eine klare Struktur zu geben. Markus sagt, er "schuf" die Zwölf. Der Ausdruck ist derselbe, wie der, den die Bibel auf der ersten Seite für die Erschaffung der Welt gebraucht. Jesus setzt einen Schöpfungsakt, eine Neuschöpfung. Gott schafft sie, wie er die Welt schafft. Die Welt erschafft er aus nichts und die Berufung der Zwölf ist etwas ganz Neues. Die Bibel gebraucht diesen Ausdruck schon für das Volk Israel, Gott schafft das erwählte Volk (vgl. Jes 43,1). Damit sagt er etwas ganz Wichtiges: Nicht sie haben sich das ausgedacht, haben sich zusammengetan und einen Verein gegründet mit Statuten, sondern so wie der Schöpfer die Erschaffung der Welt gewollt hat, so hat er diese Zwölf gewollt. Er rief die zu sich, die er wollte. Er konstituiert sie, er bildet diese Gruppe.

Jesus wählt Zwölf in einer ganz bestimmten Absicht. Wir wissen aus der Bibel: Die zwölf Stämme Israels bilden das ganze Volk, sie stammen von den zwölf Söhnen Jakobs ab. Das ganze Volk Israel, das erwählte Volk: dieses Bild will Jesu wieder herstellen. Es soll in den zwölf Aposteln gewissermaßen einen neuen Kern haben. "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt", sagt Jesus den Zwölf im Abendmahlsaal kurz vor seinem Leiden (Joh 15,16). Sie haben sich auch nicht gegenseitig gewählt, das hätten sie sicher nicht gemacht, denn sie sind so widersprüchlich und unterschiedlich, wie man es nur denken kann. Da ist ein Zöllner Levi, Matthäus, also ein Kollaborateur mit der Besatzungsmacht, den Römern, und da ist ein Simon der Kanaanäer, der Zelot, einer der radikalen Feinde der Besatzungsmacht. Die sollen jetzt eine Gemeinschaft werden. – Daneben sind unsere Pfarren ja harmlos! – Dazwischen sind Leute aus ganz alltäglichen Berufen, manche Fischer, von den anderen wissen wir nicht, welche Berufe sie hatten.

Jesus nimmt diese Zwölf in seine Lebensschule. Ein großer Teil der Evangelien besteht darin, zu zeigen, wie Jesus sie in seine Schule genommen hat. Mit unglaublicher Ehrlichkeit und Offenheit wird berichtet, wie oft sie "schlechte Noten" bekommen oder ihre Hausaufgaben nicht schaffen, weil die Lebensschule Jesu nicht ganz einfach ist. Die Zwölf stellen das Amt der Kirche dar. Das Kollegium der Bischöfe folgt dem Kollegium der zwölf Apostel. Aber die Zwölf sind auch so etwas wie eine Mustergruppe für jedes christliche Miteinander, die christliche Gemeinschaft. Jesus hat sie zusammengeführt, um ihnen das Amt zu geben, aber auch damit sie, wie Markus sagt, "mit ihm seien". Das ist das erste Ziel ihrer Berufung, das alle Christen gemeinsam haben. Mit Ihm sein ist der Kern der christlichen Berufung, der Nachfolge, so einfach. Das ist die bleibende Basis jedes christlichen Lebens. Hier ist der Zwölferkreis nicht nur das bleibende Fundament der Amtskirche, sondern auch der Kern der Lebensschule Jesu. Das meiste, was wir über die "Lebensschule" Jesu wissen, wissen wir aus dem, was Jesus mit seinen zwölf Aposteln gemacht hat, wie sie bei ihm gelernt haben. Es ist auffallend, dass Jesus dafür keine "Fachleute" ausgewählt hat, eine große Anfrage an die Kirche heute. Da ist kein einziger Schriftgelehrter, kein Pharisäer, keiner aus der Gruppe der religiös besonders engagierten und auch kein Sadduzäer, also die religiöse Priesterelite aus dem Tempel in Jerusalem. Sie sind alle einfache "Laien". Es ist Glaube der Kirche, dass Jesus sie zu Priestern, zu Hirten gemacht hat, indem er ihnen den Auftrag gegeben hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ihrer Herkunft nach sind sie einfache Laien, keine "Religionsspezialisten".

Die Apostelgeschichte sagt das ausdrücklich. Als Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat stehen, weil sie an der Goldenen Pforte des Tempels einen Gelähmten geheilt haben, werden sie vom Hohen Rat zur Rede gestellt, warum sie das gemacht haben und vor allem warum sie den Namen Jesu propagieren. Danach heißt es in der Apostelgeschichte: "Als die Ratsherren den Freimut des Petrus und Johannes wahrnahmen und merkten, dass es ungelernte und ungebildete Männer waren, wunderten sie sich. Sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren" (Apg 4,13). Im griechischen Text steht hier idiotai (davon kommt unser Wort Idioten), das heißt ungebildete. Die wählt Jesus als Zeugen seiner Frohbotschaft aus. Die Ratsherren "erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren". Ich wünschte mir, man könnte auch an uns erkennen, dass wir mit Jesus waren! So wichtig es auch ist, Theologie zu studieren, das Entscheidende ist, mit Jesus zu sein. Daher haben diese einfachen Männer die Weisheit und den Mut, sich vor dem Hohen Rat zu Jesus zu bekennen und von ihm Zeugnis zu geben.

III.

Dieses Lernen ist auch ein schmerzlicher Prozess. Das sahen wir schon in der ersten Katechese. Jesus weist Petrus scharf zu Recht, weil er nicht nach Gottes Art, sondern nach Menschenart denkt. In Jesu Schule müssen diese Zwölf neue Menschen werden. Dazu will Jesus sie zu seiner Familie machen. Die Familie Jesu. Sie müssen ein neues Miteinander lernen, dessen tiefster Grund, dessen eigentlichstes Geheimnis nichts anderes ist, als das Mit­einander von Jesus mit dem Vater. Im Abendmahlsaal wird Jesus für seine Zwölf beten und für alle, die durch sie einmal zum Glauben kommen werden, sie "sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, … sie sollen eins sein, wie wir eins sind" (Joh 17,21-22). Sie sollen an Jesu Gemeinsamkeit mit dem Vater Einssein lernen, was es heißt, Familie Jesu zu werden.

Kein anderes vorgegebenes Modell reicht aus, um dieses neue Miteinander der Jünger Jesu, der neuen Familie Jesu zu verstehen. Es gab in Israel verschiedene Modelle, wie man ein Jünger sein kann. Das Modell, an das man spontan denkt, ist das Lehrer-Schüler Verhältnis, das im Judentum eine ganz große Rolle spielt. Man geht zu einem Rabbi, um sein Schüler zu werden, um die Tora zu studieren. Es ist etwas Wunderbares, wie im jüdischen Leben bis heute dieses Lehrer-Schüler Verhältnis, zwischen einem Rabbiner und seinen Schülern gelebt wird. Paulus selber war Schüler des Gamaliël, er erinnert daran, dass er diesem großen Rabbiner zu Füßen gesessen ist und bei ihm gelernt hat (vgl. Apg 22,3). Es ist etwas Wunderbares, einen großen Meister und Lehrer zu finden! Die Rabbiner hatten ihre Schülerkreise. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied zum Schülerkreis Jesu: Im Schülerkreis eines Rabbiners ist die Tora in der Mitte, das Gesetz Gottes. Alles dreht sich darum. Ich hatte in New York in der Yeshiva-University ein tiefes Erlebnis, wo junge Studenten mit einem unglaublichen Eifer die Tora und ihre Auslegung durch die Mischna und den Talmud studieren. Ich kann das nur bewundern und mir wünschen, dass wir mit einem ebensolchen Eifer die Heilige Schrift studieren, durcharbeiten, "durchkauen", möchte ich fast sagen.

Bei Jesus und seinen Schülern ist es allerdings anders. Rainer Riesner, ein großer deutscher evangelischer Exeget und Freund, hat das so gesagt: "Jesu-Jünger und Rabbiner­schüler unterscheiden sich vor allem darin grundlegend voneinander, dass Jesus seine Jünger an seine eigene Person band" (Rainer Riesner, Jesus als Lehrer, Tübingen 1981, S. 417; vgl. Martin Hengel, Nachfolge und Charisma, Berlin 1968). Kann man das so sagen? Hat Jesus sich zum Guru gemacht? Er ist ohne Frage, die Mitte dieses Jüngerkreises. An ihm sollen sie lernen. Er ist die lebendige Tora. Wenn er bei der Bergpredigt sagt: "Den Alten ist gesagt worden …" – d.h. in der Tora und ihrer Auslegung – "ich aber sage euch …", da ist er der Mittelpunkt. Kein Rabbiner hätte es gewagt, sich so in den Mittelpunkt zu stellen, wie es Jesus gemacht hat. Ist das Selbstüberschätzung? Eine Art Guru-Mentalität? Oder liegt es daran, dass er wirklich der Meister ist? "Ihr nennt mich Meister und Herr, und ihr sagt richtig, denn ich bin es", sagt Jesus (Joh 13,13-14). Aber er sagt das in einem Moment, wo er den Aposteln im Abendmahlsaal die Füße gewaschen hat. Wo er den niedrigsten Knechtsdienst erfüllt, den man sich vorstellen kann, den anderen die Füße zu waschen. Zu ihm kommen die Jünger nicht, um die Tora zu studieren, um miteinander zu diskutieren und zu interpretieren, sondern er selber ist die Mitte dieser Schule, er selber ist das Gesetz in Person. Er gibt den Jüngern auf dem Berg der Seligpreisungen das neue Gesetz, wie Gott am Sinai dem Mose die Tora gegeben hat. Wenn nun Jesus selber die Mitte seines Jüngerkreises ist, dann verändert sich natürlich auch das Beziehungsnetz unter den Menschen, die ihn zur Mitte haben.

Das Meister-Schüler-Verhältnis verändert sich in der Gemeinschaft mit Jesus. Aber auch die Familienbande ändern sich im Umfeld Jesu. Das muss zuerst einmal die eigene Familie Jesu sehr bitter erleben. Markus berichtet uns, dass die Verwandten Jesu heruntergekommen sind nach Kafarnaum, um ihn heimzuholen nach Nazareth, zurück in die Familie, denn sie sagten: Er ist verrückt geworden (vgl. Mk 3,21). Sie wollen ihn mit Zwang zurückholen. Es gibt einen Familienegoismus, eine Clangeist, der mit der Nachfolge Jesu unvereinbar ist. Die Familie Jesu hat es ein zweites Mal versucht, da waren sie schon etwas vorsichtiger, sie kommen noch einmal, das Haus ist voll mit Menschen, Jesus drinnen, viele Menschen bei ihm. Dann berichtet man ihm: "Deine Mutter und deine Brüder und Schwestern sind draußen und suchen dich" (Mk 3,32). Man würde erwarten, Jesus steht sofort auf und geht hinaus, begrüßt seine Familie. Ganz anders seine Reaktion. "Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?" fragt er. Dann zeigt er auf die Menschen, die um ihn herum sind und sagt: "Wer den Willen meines Vaters tut, der ist mir Bruder, Schwester, Mutter" – nicht der Ruf des Blutes, nicht das Clandenken, nicht der Familienstolz, sondern eine neue Familie. Nachfolge Jesu ist etwas anderes als ein Arbeits­vertrag, eine Partnerschaft, eine "Joint Mission", sozusagen, man macht miteinander ein wenig Mission und geht dann wieder auseinander. Nein, durch die Nachfolge Jesu entsteht eine neue Bindung, eine neue Gemeinschaft, man wird Glied der Familie Jesu. Wir werden zu seinen Ge­schwistern, ja, zu seiner Mutter. Gleichzeitig müssen aber die in die Familie Aufgenommenen bereit sein, sich von ihrer leiblichen Familie zu lösen, notfalls im Konflikt, mit Spaltungen und Feindschaft. "Jesus verlangt also von seinen Jüngern die entschiedene Abkehr von der eigenen Familie … An die Stelle ihrer Familie … tritt die Lebensgemeinschaft mit Jesus … Die Lebens­gemeinschaft des Jüngers mit Jesus ist Schicksalsgemeinschaft. Sie geht so weit, dass der Jünger bereit sein muss, dasselbe zu erleiden wie Jesus – notfalls sogar Verfolgung oder Hinrichtung" (Gerhard Lohfink, Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?, Freiburg 1993, S. 44; vgl. Friedrich Bechina, Die Kirche als "Familie Gottes". Analecta Gregoriana 272, Rom 1998, S. 349). Das Schönste, das passieren kann, ist, wenn die eigene Familie in die Familie Jesu hineinwächst. Das kann oft ein schmerzlicher Prozess sein, der nur über den Weg der Bekeh­rung, der Umkehr geht, wo die fleischlichen, die natürlichen Familienbande durch den Glauben etwas Neues werden. Christus transformiert sie, wandelt sie um in Freundschaft, in Beziehung zu seiner Familie, zu dem. was sie vom Schöpfer her sein soll. Dann entsteht jene tiefe Gebor­genheit, die die Familie Jesu uns schenken soll, mit aller Unsicherheit des Weges der Nach­folge. Wenn Jesus sagt, "einer ist euer Meister, ihr alle seid Brüder" (Mt 23,8), dann zeigt das dieses neue Verhältnis, das durch die Nachfolge zwischen uns entstehen soll. Wir werden auf die Lebensform dieser neuen Familie Gottes noch zu sprechen kommen: Wie formt Jesus Men­schen zu dieser neuen Gemeinschaft, zu diesem neuen Miteinander, das der Welt so fremd ist?

IV.

Sind wir alle zur Jüngerschaft berufen? Ist Christsein Jüngerschaft? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Im Neuen Testament finden wir Stellen, wo es ganz klar gesagt wird: Alle sind wir zur Jüngerschaft berufen. So sagt der hl. Paulus im ersten Korintherbrief: "Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus" (1 Kor 1,9). Oder : "Nicht anders, als der Herr es ihm zugeteilt hat, und so wie Gott ihn berufen hat, soll jeder leben" (1 Kor 7,17). Alle haben also einen Ruf zur Gemeinschaft mit Christus, aber der Ruf kann sehr verschieden sein. In der Brotrede in der Synagoge von Kafarnaum sagt Jesus, Jesaia (54,13) zitierend; "Und alle werden Schüler Gottes sein" (Joh 6,15).

Ja, keine Frage: wir sind alle berufen, in die Schule Jesu zu gehen. Alle sind wir zur Heiligkeit berufen. Das ist Kernlehre des II. Vatikanums. Das zentrale fünfte Kapitel der Kirchenkonstitution Lumen Gentium handelt von der "Allgemeinen Berufung zur Heiligkeit in der Kirche". "Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist", so lautet ein Kernsatz der Bergpredigt Jesu (Mt 5,48).

Das Konzil meint: "Jedem ist also klar, dass alle christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind" (Lumen Gentium 40). Alle sind zur Heiligkeit berufen. Kein Stand schließt davon aus. Wenn ein Papst heiliggesprochen wird, dann nicht, weil er Papst war, sondern weil er sein Christsein vorbildlich gelebt hat. Darin hat er keinem anderen Christen etwas voraus. Allen steht der Weg zur Heiligkeit offen. Aber die Berufungen sind verschieden, die Wege der Heiligkeit sind anders für jeden, entsprechend dem Ruf, den jeder bekommen hat.

Nochmals: sind alle berufen, Jünger, Jüngerinnen Jesu zu werden? Die Frage war durch alle Jahrhunderte bewegend. Galten die radikalen Berufungsworte Jesu für alle oder nur für einige besonders Berufene? Auf wen bezieht sich das Wort Jesu: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende" (Mt 9,38)? Es wird gerne bei Fürbitten um Priester- und Ordensberufe. Das ist nicht unberechtigt, aber es ist nicht alles. Eines ist hier wohl richtig erspürt: In die Ernte des Herrn gesendet zu werden, ist eine besondere Berufung, die vom Herrn zu erbitten ist. Nicht alle werden in diese Aufgabe gerufen und gesendet. Jesu Wort setzt voraus, dass es andere gibt, die nicht dazu berufen sind, aber darum bitten sollen, dass der Herr genügend Erntearbeiter sende.

Die Evangelien zeigen uns: "Jesus ruft nicht alle in seine Nachfolge" (G. Lohfink, Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?, S. 206). Er ruft alle zur Umkehr: "Kehrt um und glaubt an die frohe Botschaft" (Mk 1,15), nicht alle ruft er in die direkte Nachfolge. Den Zöllner Levi – Matthäus ruft er von der Zollstelle weg: "Folge mir nach!" (Mk 2,14). An Zachäus, einen anderen Zöllner in Jericho, richtet Jesus keinen Ruf der Nachfolge. Er bleibt in seinem Beruf. Aber er hat sich bekehrt. Sein Leben ist neu geworden, sein Beruf derselbe geblieben (vgl. Lk 19,1-10). Auch bei den Frauen gibt es diesen Unterschied. Lukas berichtet: "In der folgenden Zeit wanderte Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes, und die Zwölf waren mit ihm, außerdem Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria von Magdala, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren; Johanna, des Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes; Susanna und viele andere. Sie alle dienten ihnen [Jesus und den Jüngern] mit dem was sie besaßen" (Lk 8,1-3). Diese Frauen sind mit Jesus von Galiläa bis Jerusalem mitgezogen, ein für damals sicher eher ungewöhnliches Verhalten. Sie sind bei der Kreuzigung Jesu nicht weggelaufen: "Alle seine Bekannten aber, auch die Frauen, die ihm von Galiläa her gefolgt waren, hatten alles von weitem mit angesehen" (Lk 23,49). Diese Frauen sind bei der Grablegung dabei und kommen am Morgen des übernächsten Tages zum Grab mit den Salben und dem Balsam, den sie vorbereitet hatten (vgl. Lk 23,55-24,1).

Sind diese Frauen in besonderer Weise "Jüngerinnen"? Auf jeden Fall gibt es andere, die Jesus ganz nahe stehen, ja mit ihm befreundet sind, ihm aber nicht auf seinem Weg nachfolgen, keine besondere Mission haben. Ich denke hier an Jesu Freunde in Betanien, Marta, Maria und Lazarus, diese Geschwister, in deren Haus Jesus sich willkommen wusste, und die er besonders liebte.

Gerhard Lohfink schließt daraus: "Jesus ruft nicht ganz Israel in die Jüngerschaft. Es gibt neben den Jüngern ein breites Spektrum von Menschen, die sich dem Evangelium Jesu öffnen und seinen Umkehrruf ernst nehmen, aber nicht in seine unmittelbare Nachfolge treten. So ergeben sich wie von selbst drei Gruppen: der Kreis der Zwölf, der in den Evangelien bereits mit den ‚Aposteln‘ gleichgesetzt wird – der Kreis der Jünger, der bedeutend größer ist, aber ebenfalls in der unmittelbaren Jesusnachfolge steht – und schließlich das Volk, insoweit es die Botschaft Jesu positiv aufnimmt" (Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?, S. 209).

Apostel – Jünger – Volk: Ist das nicht wieder eine Unterscheidung, die zum "Etage-Denken" führt? Die Gefahr besteht, da die "Berufenen", dort das "Volk" zu sehen, hier die in der Nachfolge Lebenden, dort die sich mit der Welt Abgebenden. Geht dabei nicht doch wieder die gemeinsame Berufung aller Christen, aller Getauften verloren? Diese Gefahr gab es immer und es gibt sie auch heute. Sie schwindet aber, sobald wir neu auf den Kern der Botschaft Jesu schauen. Nicht alle sind zur selben Lebensform der Nachfolge berufen, alle aber zur Umkehr. Allen gilt die Bergpredigt mit ihren wahrhaft radikalen Worten, gleich ob sie "sesshafte" oder "nachwandernde" Christen sind, "Jünger" oder "Volk". Die Bergpredigt verlangt, dass wir nicht nur die böse Tat, sondern schon jedes ärgerliche Wort gegen die Glaubensgeschwister unterlassen (Mt 5,22). Sie verlangt, "die Ehe eines anderen (und natürlich auch die eigene) so ernst zu nehmen, dass man eine fremde Frau nicht einmal begehrend anblickt (Mt 5,29f)". Sie verlangt, "dass es kein Verschleiern und Verdrehen der Sprache mehr gibt, sondern nur noch absolute Eindeutigkeit (Mt 5,37), und dass man jedem gibt, der einen um etwas bittet" (Mt 5,42), (G. Lohfink, Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?, 212).

Das gilt für alle Christen. Da gibt es kein zwei-Stufen-Ethos, eine vollkommenere Lebensform der Apostel und Jünger, und eine weniger vollkommene des übrigen Gottesvolkes. Beide Lebensformen ergänzen sich. Das war schon in der Urkirche so und ist im Grunde heute nicht anders: Die Jünger, die unterwegs sind, bedürfen der "Häuser", die sich ihnen öffnen, der Familien, die sie aufnehmen und unterstützen. Aber in beiden Lebensformen geht es um eine "Ganzhingabe": ob Jünger in der ausdrücklichen Nachfolge – oder zur "Familie Jesu" gehören, Ganzhingabe besteht im Tun des Willens Gottes im Alltag. Die gemeinsame Berufung zur Heiligkeit liegt immer im magis, im "Mehr" an Liebe, in der je größeren Hingabe.

Jesus liebt es, dieses "Mehr" gerade an Menschen deutlich zu machen, die ihn gar nicht kennen. Am ergreifendsten geschieht das, als Jesus seine Jünger auf die arme Witwe im Tempel hinweist, die gar nichts davon weiß. Sie hat nur zwei Kupfermünzen in den Tempelschatz geworfen, viel weniger als die anderen. Aber die haben alle nur etwas von ihrem Überfluss gegeben. Sie dagegen alles, was sie zum Leben hatte, wörtlich: "ihr ganzes Leben". Sie hat deshalb, so sagt Jesus, "mehr als alle" gegeben (Mk 12,41-44).

Heißt Christsein Jünger, Jüngerin Jesu sein? So lautete unsere Ausgangsfrage. Wenn darunter die Nachfolge der Apostel und der Jünger und Jüngerinnen, die mit Jesus unterwegs waren, gemeint ist, dann sind nicht alle, die am Christus glauben, auch in diese Lebensform gerufen. Alle aber sind zur Umkehr und zur Radikalität der Bergpredigt gerufen. Jesus selber ist der Lehrmeister dieses Weges. Auf Ihn schauen, in Seiner Gemeinschaft leben, ist die gemeinsame Lebensschule aller, die an Ihn glauben.

Die aber, denen das Geschenk, die Gnade des Glaubens zuteil geworden ist, seien zum Schluss an das Evangelium vom Christ-Königs-Sonntag, erinnert: Beim Weltgericht wussten die Gerechten gar nicht, dass sie Christus begegnet sind, Gott gedient haben, ebenso die Verdammten. Sie haben einfach den Nächsten in Not gesehen oder übersehen; sie haben geholfen oder Hilfe unterlassen (vgl. Mt 25,31-46). Wir sind alle in die Lebensschule Jesu geladen. Eine der wichtigsten Lehren in dieser nie abgeschlossenen Schule ist es, staunend und dankbar zu sehen, dass andere darin schon viel weiter sind als wir. Manchmal auch solche, die gar nicht wissen, dass sie in dieser Lebensschule sind, und nicht wissen, wie gut ihr "Lernerfolg" ist!

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