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Monatsblatt Juli und August 2026


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Monatsblatt der Pfarre Kordon                                                   Juli und August 2026


Geschätzte Leserschaft, lieber Freundeskreis!

 

Sommer, die Zeit der Erneuerung, des Auftankens! Zeit, um sich neu zu verwurzeln. – Warum nicht in der Bibel lesen? Aber wie? –  Wer Bibeltexte liest oder in Gottesdiensten zu hören bekommt, sollte sich auch einer Gefahr bewusst sein: ein „Wortwörtlich-nehmen“. Es ist dies nicht nur ein Missverstehen des Textes, sondern auch der Nährboden für Fundamentalismen und Intoleranz. „Heilige Texte“ sind in allen Schriftreligionen kunstvoll zusammengestellt und hintergründig, also ganz sicher nicht wörtlich zu verstehen. Sie richtig interpretieren zu können, bedarf es einiger Kenntnisse über ihre Entstehung, den zeitlichen Kontext und ihre Aussageabsicht. Biblische Texte sind keine Berichte, die geschichtliche Ereignisse darstellen wie es etwa Zeitungsberichte tun. Die Verfasser wollten von Lebenserfahrungen Zeugnis geben, in denen sie oder ihre Vorfahren Gottes Wirken erfahren hatten. Und ebenso wie diese Autoren vom Denken ihrer Zeit geprägt waren, sind es auch ihre Leser. Die Inspiration durch Gottes Geist ist nicht nur den Autoren der Bibel geschenkt, sondern auch allen Gläubigen in der Kirche. Bibel ist nicht einfach „Wort Gottes“, sondern Gotteswort in Menschenwort.

 

Das Verstehen der Bibel änderte sich über die Jahrhunderte hin. Seit dem II. Vatikanischen Konzil und auch schon davor erforscht man die Texte mit unterschiedlichen Methoden: Exegese ist eines der wichtigsten Fächer der Theologie. Um Bibel lesen zu können, braucht es aber auch das Wissen um Verstehensprinzipien, Hermeneutik genannt. Die Bibel als Sammlung vieler verschiedener Schriften steht in den jeweiligen Epochen ihrer Entstehung nicht allein für sich da. Sie zitiert aus anderen Schriften und gibt in großen Passagen die Literatur ihrer Zeit wieder. Es war ein konfliktreicher Lernprozess für die christlichen Kirchen, zu erkennen, dass die Bibel als Offenbarungsschrift doch zugleich auch Zeugnis und Ausdruck menschlicher Kulturen ihrer Umwelt ist. Biblische Texte haben unterschiedliche Wichtigkeit: Es gibt eine „Hierarchie der Wahrheiten“, denn nicht alle Aussagen haben ein eigenes Gewicht. Es finden sich auch Einseitigkeiten und Widersprüchlichkeiten. Der Antijudaismus in Teilen des Neuen Testaments hat Erhebliches zum Antisemitismus der Geschichte beigetragen und sollte überwunden werden.

Eine der wichtigsten Tatsachen, die man bis vor wenigen Jahrzehnten vernachlässigt und sogar verleugnet hat, ist die jüdische Identität Jesu. Jesus hat nicht das Christentum gegründet, sondern hat als gläubiger Jude gelebt und ist als solcher ermordet worden. Sein Leben, die Evangelien, kann man deshalb nur im engsten Zusammenhang mit den alttestamentlichen Schriften, der hebräischen Bibel, verstehen, die ihn inspiriert haben. Seine Anhänger wurden erst später von anderen „Christen“ genannt.

 

Bibeltexte dürfen aber auch bewegen und sollen zur Wegweisung werden. Dazu muss man sie allerdings anders zu lesen verstehen als man etwa Texte aus Naturwissenschaft, Technik oder auch Lyrik liest. Erst nach der Aneignung grundlegender Kenntnisse kann die Bibel ihre spirituelle Kraft im Lesenden entfalten. Falls Sie in den kommenden Sommerwochen Zeit finden, um in der Bibel zu lesen, greifen Sie doch einmal nach einem Büchlein über „Einleitung ins Bibellesen“ oder eine „biblische Theologie“.

 

Einen erholsamen Sommer und geisterfüllte Stunden mit der Heiligen Schrift
wünscht Ihr Pfarrer

 

Petrus Bsteh

(Auch im Sommer per E-Mail erreichbar: forum@weltreligionen.at)

 

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