Update Ukraine – Menschen, die bei uns angekommen sind
Als sie zu uns gekommen sind, war die Front noch rund 30 Kilometer von ihrer Wohnung entfernt. Inzwischen hat sich die Situation dramatisch verändert. Die Gegend ist zum Frontgebiet geworden. Ein Leben oder Einkommen dort ist nicht mehr denkbar. Tankstelle, Geschäfte – vieles ist zerstört. Sie haben es gerade noch rechtzeitig geschafft.
Und doch geschieht in unserem Gespräch etwas Bemerkenswertes. Sehr schnell wechseln sie selbst den Ton. Der Schmerz ist da, aber er bekommt nicht das letzte Wort. Sie sprechen von Neubeginn und Hoffnung. Hier sind sie in Sicherheit – das zählt. Und sie wollen sich einbringen.
Der Deutschkurs hat begonnen. Andrii, Vater von drei Kindern und ein geschickter, fleißiger Handwerker, ist überzeugt: In einem Jahr wird er arbeiten können. Voraussetzung ist das Sprachniveau A2. Es ist ein realistischer, bodenständiger Plan.
Die Dankbarkeit, die sie ausstrahlen, ist berührend – für das schöne Haus, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde, für die Versorgung und für die Menschen hier im Ort. Sie erzählen, dass sie freundlich gegrüßt werden und sich angenommen fühlen. Es fehlt ihnen an nichts – außer an Sprache. So gerne würden sie mehr erzählen, mehr ins Gespräch kommen. Die Sprachbarriere ist im Moment das Schwierigste.
Alona und Diana, die viele von uns kennen und die bereits seit fast vier Jahren hier leben, sind für sie ein echtes Vorbild. Sie zeigen, dass Veränderungen im Leben möglich sind – Schritt für Schritt.
Beim Rundgang durchs Haus fällt auf: Es ist ordentlich, gepflegt, ein Ort zum Wohlfühlen. Auf die Frage, ob sie sich Österreich so vorgestellt hätten, kommt eine ehrliche Antwort: Nein. Sie hatten nie vor, ihre Heimat zu verlassen. Sie mussten gehen, weil sie leben wollten. Es war keine geplante Entscheidung.
Was beeindruckt, ist dieser positive Geist. Eine Fröhlichkeit, die nicht naiv ist, sondern aus einem tiefen Ja zum Leben kommt. Sie wünschen sich mehr Beziehung zu den Familien im Ort. Noch ist das sprachlich schwierig – aber der Wunsch ist da
Die Kinder besuchen Kindergarten und Mittelschule. Erste Freundschaften entstehen. Ein kleiner, aber wichtiger Anfang.
Natürlich gibt es Sorgen. Das Haus steht ihnen nur befristet zur Verfügung. Wie es danach weitergeht, ist offen.
Als Pfarre suchen wir daher dringend ein Haus oder eine Wohnung, in der alle sieben Personen gemeinsam unterkommen können – auch wenn es eng ist. Wir würden dieses Objekt anmieten und der Familie für ein oder zwei Jahre zur Verfügung stellen. Diese Zeit würde helfen, Stabilität aufzubauen und den nächsten Schritt zu gehen.
Beim Abschied bleibt ein starkes Gefühl zurück: Die Dankbarkeit dieser Menschen berührt. Das pfarrliche Caritasteam begleitet sie mit großem Engagement. Vertrauen ist gewachsen. Und man spürt: Sie werden für jede Gemeinschaft eine Bereicherung sein – wenn man ihnen Zeit gibt.
Pfarrer Philipp






