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03.03.2024 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Tempelreinigung ist angesagt

Christus zog mit den Jüngern aufgrund des nahenden Paschafestes nach Jerusalem. Im Tempel findet er Händler und Geldwechsler vor. Erzürnt treibt er sie aus dem Tempel, denn Gottes Haus soll nicht zu einer Markthalle werden. In dieser Bibelstelle verw

In unserem Leben gibt es beides, die Markthalle und den Tempel. Unser Alltag gleicht meist mehr einer Markthalle: der tägliche Wirbel, die Arbeit, das Geld, die Sorgen, die vielen Beschäftigungen, dazu die Medien, das Handy, die Flut an Nachrichten, leider auch Konflikte und sogar Kriege. Das Gegenbild zur Markthalle ist der Tempel, „das Haus des Vaters“

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 3. März 2024.

Fasten hat mit Reinigung zu tun: den Leib entschlacken, Speck abbauen, Übergewicht vermindern. Fasten ist wichtig für die Gesundheit, die körperliche und auch die seelische. Alle Religionen kennen den inneren Zusammenhang von Fasten, Beten und Werken der Barmherzigkeit. So ist es im Judentum, so lehrt es Jesus in der Bergpredigt, so auch der Islam.


Um Reinigung geht es Jesus auch im heutigen Evangelium am dritten Fastensonntag. Er ist aufgebracht, zornig über das, was er im Tempel in Jerusalem sieht. Erleben wir einen gewalttätigen Jesus, der doch sonst den Frieden predigt? Man hat versucht, die Szene im Vorhof des Tempels so zu deuten, dass Jesus sich der gewaltbereiten Partei der Zeloten angeschlossen hätte, die mit Attentaten und Terrorakten eine neue, bessere Gesellschaft erzwingen wollten. Immer wieder haben solche radikale Gruppen versucht, mit Gewalt eine gerechtere Gesellschaft durchzusetzen. So tut es bis heute der sogenannte „Islamische Staat“ mit schrecklichen blutigen Folgen: Reinigung durch Auslöschen aller angeblichen Hindernisse.


Nein, die Aktion Jesu im Tempel war nicht mehr als eine symbolische Handlung. Mit einer Geißel aus Stricken kann man keine Revolution anzetteln. Die römische Armee wäre sofort zur Stelle gewesen, wenn Jesus bewaffnet vorgegangen wäre. Ihn empörte das Geschäftemachen am heiligen Ort. Sicher wäre er auch heute kritisch, wenn er den Rummel mancher Wallfahrtsorte sähe, wo das Geschäft blüht: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“


War Jesus naiv? Wie soll der Tempel, der Kult, die Religion ohne Markt und Geld funktionieren? Der Tempel muss erhalten, die Tiere für die Opfer gekauft werden. Dazu braucht es Geld. Jesus hat für sich und seine Jünger die Armut gewählt, aber sie waren auf die Wohltätigkeit der Menschen angewiesen, die sie unterstützten, auch finanziell. Jesus hat selber Steuern bezahlt und seine Jünger haben Armen geholfen. Warum also diese zumindest symbolische Gewalt gegen die Händler und Geldwechsler im Tempel?


Der anschließende Wortwechsel mit seinen Kritikern weist uns die Spur, das zu verstehen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“ Verständlich, dass niemand dieses Wort verstand. Später, nach der Auferstehung am dritten Tag, nach seinem grausamen Kreuzestod, begreifen es seine Jünger: „Er meinte den Tempel seines Leibes.“


In unserem Leben gibt es beides, die Markthalle und den Tempel. Unser Alltag gleicht meist mehr einer Markthalle: der tägliche Wirbel, die Arbeit, das Geld, die Sorgen, die vielen Beschäftigungen, dazu die Medien, das Handy, die Flut an Nachrichten, leider auch Konflikte und sogar Kriege. Das Gegenbild zur Markthalle ist der Tempel, „das Haus des Vaters“, der Ort der inneren Ruhe inmitten des Alltags, das Stillewerden der Seele, die Sammlung zum Gebet. Jesus spricht von seinem eigenen Leib als Tempel. „Wisst ihr nicht, dass euer Leib Tempel Gottes ist?“ – so fragt der Apostel Paulus. Ist es nicht verständlich, dass Jesus zornig wird, wenn alles zur Markthalle wird und der Mensch dabei zu kurz kommt, seine Seele, seine Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn? Tempelreinigung ist angesagt, dringend!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Evangelium vom 3.3.24

Johannes 2,13-25

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren. Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen war.
 

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