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16.03.2025 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Verklärt ist alles Leid…

 

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom16.März 2025

„Verklärt ist alles Leid der Welt“, heißt es in einem Kirchenlied, das zu Ostern<gesungen wird. Gefeiert wird der Sieg über den Tod, die Auferstehung Jesu. „In< aller Welt ist Freud und Fried“, heißt es dann weiter. Es ist schon einigermaßen<herausfordernd, das nicht nur zu singen, sondern auch noch zu glauben. Davon soll heute die Rede sein. Es geht letztlich um die ewige Frage nach dem Sinn des Leids.

 

Am heutigen zweiten Fastensonntag wird das Evangelium von der Verklärung Jesu gelesen. Der Zusammenhang ist klar: Die Verklärung Jesu ist eine Art Vorschau auf Ostern, ein Vorgeschmack für das große Ereignis der Auferstehung Jesu.

 

Leid und Verklärung: Das klingt nach Verharmlosung und Beschönigung. Im Rückblick neigen wir dazu, die Dinge zu verklären, das Gewesene mit rosa Brillen zu sehen. Kindheitserinnerungen sind oft schöner, als es die Kinderzeit selber war. „Die gute alte Zeit“ ist das beste Beispiel dafür, wie Vergangenheit verklärt wird. Statt Verklärung früherer Verhältnisse tut es gut, nüchterne Erklärung zu suchen über das, was damals wirklich war. Lässt sich vergangenes oder gegenwärtiges Leid verklären? Die Fastenzeit bereitet auf Ostern vor. Es geht um den Leidensweg Jesu und um seine Auferstehung. Auf diesem Weg war der einzigartige Moment der Verklärung ein Höhepunkt. Der Sinn des Leidens ist sein Thema.

 

Jesus nimmt (nur) drei der zwölf Apostel mit auf einen hohen Berg. Was sie, oben angekommen, erleben, steht einzigartig da, unvergleichlich und daher unbegreiflich. Kein Wunder, dass es am Schluss heißt: „Sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.“ Die anderen hätten es wohl kaum verstanden. Was haben sie tatsächlich erlebt? Wir kennen nur ihre Erzählungen. Sie waren die einzigen Zeugen. Worte können schwer ein intensives Erlebnis angemessen wiedergeben: „Während Jesus betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichts und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“ Anfangs scheinen die drei Zeugen geschlafen zu haben, vielleicht ermüdet vom langen Aufstieg. Als sie aufwachen, sehen sie Jesus „in strahlendem Licht“, zusammen mit zwei Männern, die sie als Mose und Elija wahrnehmen. Sie bekommen auch mit, worüber die beiden mit Jesus sprechen: „Sie sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.“ Im Klartext heißt das: Es ging um das Jesus bevorstehende Leid. Eine Himmelsstimme nennt Jesus Gottes auswählten Sohn. Gleich darauf ist wieder alles wie zuvor. Sie sind mit Jesus allein.

 

< „Verklärt ist alles Leid“. Ist es damit auch erklärt? Warum leuchtet Jesus in überirdischem Licht, während ihm Mose und Elija sein Leiden ankündigen? Warum sagt die Himmelsstimme, dass wir auf Jesus hören sollen? Dreimal hat Jesus seinen Jüngern deutlich angekündigt, dass er durch Leiden zur Auferstehung gelangen wird. Dreimal haben ihn seine eigenen Jünger nicht verstanden. Jesus hat ihnen keine logische, vernünftige Erklärung gegeben, warum er diesen Weg gehen will und muss. Stattdessen durften sie seine Herrlichkeit sehen, das Licht, das aus ihm leuchtet und das auf uns wartet, wenn wir ihn sehen werden. Vielleicht können die „Nahtod“-Erlebnisse eine Ahnung davon geben, von denen Menschen berichten, die klinisch tot waren und wieder „zurückgeholt“ wurden. Sie sprechen von einem unbeschreiblich schönen Licht, in dem wirklich alles Leid der Welt für sie verklärt war. Manchmal genügt sogar schon ein einfaches Lächeln, um das viele tägliche Leid ein wenig zu verklären.

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Evangelium vom 16. März 2025


Lk 9, 28b-36
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf
einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das
Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe,
es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elíja; sie erschienen in
Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und
sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Und es geschah: Als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus:
Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für
dich, eine für Mose und eine für Elíja. Er wusste aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber
fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus
der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während
die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in
jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

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