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24.08.2025 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Himmel oder Hölle

 

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 24. August 2025

Michelangelos gewaltiges „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan gehört zweifellos zu den berühmtesten Gemälden der Kunstgeschichte. Während der beiden Konklave, an denen ich teilnehmen konnte (2005 und 2013), hatte ich Zeit, es lange zu betrachten. Da ist Christus, der Weltenrichter, im Zentrum. Zu seiner Rechten steigen die Geretteten zum Himmel auf; zu seiner Linken werden die Verdammten von Teufeln in die Hölle hinabgezogen. Zahllose Besucher der Vatikanischen Museen stehen Tag für Tag staunend vor diesem Meisterwerk. Glauben sie, dass das einmal wirklich so sein wird, Himmel und Hölle? Glaube ich es? Nicht theoretisch, sondern ganz nüchtern: einmal wird es sich auch für dich entscheiden, ewiges Glück oder ewige Verdammnis? Hat Michelangelo selber geglaubt, was er dargestellt hat? Unter den zur Hölle Verdammten hat er auch Kardinäle seiner Zeit porträtiert. War das eine Bosheit des Künstlers gegenüber den Mächtigen der Kirche?

1500 Jahre früher stellt jemand Jesus die Frage: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Welche Antwort erwartet er sich? Allgemeine Ausführungen Jesu über die Proportionen zwischen Himmel und Hölle? Augustinus, der große Kirchenlehrer, scheint ernsthaft gemeint zu haben, dass tatsächlich nur wenige gerettet werden, dass folglich die große Masse der Menschen auf ewig verloren geht. Seine Sicht lag lange wie eine düstere Wolke über der Christenheit. Sie scheint sich in unseren Tagen gelichtet zu haben. Heute dürfte weithin die Zuversicht herrschen, die die Rheinländer besingen: „Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“

Jesu Worte sind nicht zum Spaßen geeignet. Er gibt keine allgemeine Antwort, keine Statistik von Himmel und Hölle. Er spricht alle persönlich an: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.“ Herb und schmerzlich ist seine Vorhersage: Vielen wird es nicht gelingen! Damit stehen wir alle, falls wir uns auf den Gedanken überhaupt einlassen, vor der Frage: Wird es mir gelingen? Und: Was muss ich tun, damit ich es durch die enge Tür schaffe?

Ich muss zugeben, dass ich mich schwertue, eine ewige Verdammnis anzunehmen. Trotzdem nehme ich die klaren Worte Jesu ernst, die von Himmel und Hölle sprechen. Das ist keine Erfindung von Michelangelo. Ein Gedanke hilft mir weiter: Auf Erden gibt es Gerichte. Sie können schwere Verbrechen mit bis zu lebenslanger Haft bestrafen. Mein Handeln hat Folgen, gute und schlechte. Betrug rächt sich, ebenso Mord, mit größeren oder kleineren Strafen. Wenn ich an ein ewiges Leben glaube, warum sollte mein Tun und Lassen nur in diesem Leben Folgen haben? Jesus spricht von einem endgültigen Zuschließen der Türe. Es gibt ein „zu spät“, nicht nur, wenn wir einen Zug versäumen, sondern auch wenn wir sterben ohne vorher halbwegs gutzumachen, was wir verfehlt haben. Es kann einen lange quälen, wenn jemand stirbt, ehe wir ihn um Verzeihung gebeten haben. Wir haben es endgültig versäumt.

Jesus zeigt klar und deutlich, dass sich unsere Ewigkeit hier und jetzt entscheidet. Wenn es so sehr auf uns selber ankommt, werden dann doch nur ganz wenige gerettet? Kommt es darauf an, ob wir einander hier auf Erden Himmel oder Hölle bereiten? Einmal haben die Jünger Jesus ganz erschrocken gefragt: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Die Antwort Jesu ist unsere ganze Hoffnung: „Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.“

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Sonntagsvangelium vom 24. August 2025

Lk 13, 22–30

 

 

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

Nachrichten

Grünwidl-Antrittsbesuch bei Kultusministerin Plakolm

Ehrenamt und Rolle der Kirche für junge Menschen Themen des Gesprächs im Bundeskanzleramt

Papst Leo mahnt beim Konsistorium zu Einheit und geistlicher Nüchternheit

Beim außerordentlichen Konsistorium rief Papst Leo XIV. die Kardinäle zu Einheit, Demut und gemeinsamer Verantwortung auf und warnte eindringlich vor persönlichen Agenden und kirchlichen Lagerbildungen.

Nächste Auflage von „beta – neue Fragen“ startet bald

Ab 27. Jänner startet im Wiener Dominikanerkloster der Kurs „beta – neue Fragen“. Er vertieft katholische Glaubensinhalte durch Vorträge, Austausch und Gemeinschaft in entspannter Atmosphäre.

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Ernannter Erzbischof verweist am Dreikönigstag im Stephansdom auf die biblischen Sterndeuter aus dem Osten als "Pioniere der Gottsuche"

Diözesen eröffnen Möglichkeit berufsbegleitender Priesterausbildung

Neuer Weg zur Weihe für 45- bis 60-jährige "Spätberufene" erleichtert individuelle Anpassungen. 

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Grünwidl: 2026 soll von Vertrauen und Hoffnung geprägt sein

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Der Jahreswechsel ist mehr als nur ein Datum – er berührt etwas Grundlegendes in uns. Abschied und Aufbruch liegen dicht beieinander, wie die zwei Seiten einer Medaille.

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Ein Abschied, der schmerzt, führt zu einem Neuanfang: Die Erzdiözese Wien begleitet die Gemeinde nach der Profanierung der Pallottikirche und lädt alle herzlich ein, in der Pfarre Maria Hietzing eine neue, hoffnungsvolle Heimat zu finden und gemeinsam Kirche zu sein. 

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Elisabeth Birnbaum: "Wege durch den Bibelwald"

Wer die Bibel neu entdecken möchte, findet in diesem ungewöhnlichen Zugang eine Einladung, vertraute Texte mit frischen Augen zu erkunden.

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Kunstinstallation auf Votivkirche: Mit 4900 Lichtpunkten in die Unendlichkeit

Eine Lichtskulptur der Künstlerin Billi Thanner strahlt ab 16. Dezember zwischen den Türmen der Votivkirche über Wien. Es handelt sich um einen liegenden Achter, das Unendlichkeitssymbol.

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Geweihte Männer mitten in Beruf und Familie: Ständige Diakone dienen als unverzichtbare Vermittler zwischen kirchlichem Auftrag und dem Leben der Menschen.

Personelle Veränderungen im Dezember 2025

Folgende personelle Veränderungen wurden im Wiener Diözesanblatt vom Dezember 2025 bekannt gemacht.

Gaza: Weihnachtslichter inmitten der Zerstörung

Weinachten in Gaza in aller Einafchheit und Schlichtheit, mit dem Wunsch nach Frieden am Weihnachtsbaum.

Feuerfest 2026: Einladung zum großen Firm -Event

Am 21. März 2026 lädt die Katholische Jugend Wien Firmlinge zum Feuerfest mit Workshops und Gottesdienst in der Votivkirche.

Linzer Liturgiker mit Pius-Parsch-Preis geehrt

Alte liturgische Ostertexte als immer aktueller Widerhall der existentiellen Fragen des Menschen.

Leo XIV. betet nach Fahrt im Papamobil an römischer Mariensäule

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