Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 16. November 2025 Lk 21,5 – 19
Jesus scheint am Ende seines Lebens die Zukunft in düsteren Farben gesehen zu haben. Er sieht Schweres auf die Welt zukommen. Da ist die Rede von Zerstörungen, von Kriegen und Unruhen, von Irreführungen, Naturkatastrophen und von Verfolgungen seiner Anhänger. Auf den ersten Blick passt das alles auf unsere Zeit. Zukunftsängste prägen sie mehr und mehr. Was kommt auf die junge Generation zu?
Im Unterschied zur heutigen Zukunftsangst sieht Jesus alle die schlimmen und schweren Ereignisse, die sich ankündigen, in einem anderen Licht. Sie sind für ihn Vorboten eines guten Endes. Für ihn war eines sicher: alles auf Erden hat ein Ende, aber das ist nicht das Ende von allem. Auf uns wartet ein Leben, dass keine Katastrophe zerstören kann, nicht einmal der Tod. Er wird als Letzter besiegt werden. Daher das zuversichtliche Wort Jesu: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“. Ich glaube, Jesus stellt die Fragen nach der Zukunft in ein Licht, das von der Angst befreit, ohne die Sorgen zu verharmlosen. Jesus hat nichts beschönigt, aber alles mit Hoffnung erfüllt.
Schauen wir uns das genauer an. Es beginnt mit bewundernden Worten über die Pracht des Tempels in Jerusalem. Nüchtern sieht Jesus voraus, was 40 Jahre später Wirklichkeit wurde: „Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem anderen bleibt, der nicht niedergerissen wird“. Oft denke ich an dieses Wort, wenn ich mich über den Stephansdom freue. Auch er wird einmal vergehen. Möge es erst in vielen hunderten Jahren sein!
Auch an Irreführern fehlt es heute nicht: „Lauft Ihnen nicht nach!“ Jesu Rat ist es, genau hinzuschauen und zu prüfen, was hinter allen Arten von Propaganda steckt.
„Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken“. Sollen wir wegschauen? Jesus nennt genau, was auch heute täglich in den Nachrichten steht: „Volk wird sich gegen Volk erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben“.
Noch etwas wird es immer geben: Verfolgungen wegen des Glaubens! Über sie spricht Jesus am ausführlichsten. Seine Worte sind eine genaue Beschreibung dessen, was es durch alle Jahrhunderte gegeben hat, vielleicht am schlimmsten im 20. Jahrhundert. Kann sich das im dritten Jahrtausend noch steigern? Was kommt auf uns zu in einer digitalen Welt, in der die Verfolgung Andersdenkender noch perfekter möglich ist? Jesus sagt, wie sehr die Grundstimmung kippen kann: „Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen“. Anders sieht es aus für die, die an das gute Ende glauben, das Jesus verheißen hat: „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe“.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach! Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.