Es stimmt schon: Die Zeiten haben sich seit Jesus gewaltig verändert. Der Kern des Evangeliums bleibt immer derselbe: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“
Es stimmt schon: Die Zeiten haben sich seit Jesus gewaltig verändert. Der Kern des Evangeliums bleibt immer derselbe: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn zum Fest Epiphanie, am 25. Jänner 2026.
Gestern wurde im Stephansdom, im Herzen von Wien, Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien geweiht. Er ist der 33. Bischof von Wien. Ich durfte ihm, gemeinsam mit dem Erzbischof von Salzburg und dem Bischof meiner Heimatdiözese Leitmeritz in Tschechien, durch Handauflegung die Weihe spenden. Ein Gedanke hat mich dabei besonders bewegt: Seit 2000 Jahren gibt es eine ununterbrochene Folge von Bischöfen, die bis zu den Aposteln zurückreicht. Deshalb werden die Bischöfe zu Recht „Nachfolger der Apostel“ genannt. Es gibt keine weltliche Organisation, die eine vergleichbare Dauer in der Leitung kennt. Zwar haben sich die Gestalt und die Formen des kirchlichen Lebens über die Jahrhunderte stark gewandelt. Der Kern aber ist immer gleichgeblieben: der ursprüngliche Auftrag Jesu! Davon spricht das heutige Evangelium.
Am Anfang steht eine schlechte Nachricht: König Herodes Antipas hat Johannes den Täufer einsperren lassen. Der Grund: Johannes hat undiplomatisch und klar dem König gesagt: Du hast nicht das Recht, die Frau deines Bruders zu heiraten! Diese nimmt ihm das übel und findet eine Gelegenheit, den Kopf des Johannes zu fordern. Als Jesus davon hört, tut er etwas Unvorsichtiges: Er kehrt nach Galiläa zurück, genau dorthin, wo Herodes herrscht. Er verlässt Nazareth, seinen Heimatort, gibt seinen Beruf auf und beginnt ein neues Leben im klaren Wissen, dass das Schicksal des Johannes auch seines werden kann. Kaum drei Jahre später wird sein kurzes Wirken mit dem Tod am Kreuz enden. Oder doch nicht?
Von Anfang an hat Jesus über den Rand seiner eigenen Lebenszeit hinausgeschaut und Menschen um sich gesammelt, die auch nach ihm sein Werk weiterführen können. Begonnen hat das mit zwei Brüderpaaren, Fischern von Beruf, die seinem Ruf gefolgt und mit ihm gegangen sind. Bald wurde es ein Kreis von zwölf, die Jesus Apostel, Gesandte, nannte. Ihnen gibt er einen neuen Beruf: „Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“
Gilt dieses Wort auch heute noch, zweitausend Jahre später? Steht die Bischofsweihe von gestern in direktem Zusammenhang mit der Berufung der ersten vier Apostel, den Fischern vom See Genesareth? Ich glaube, viele Menschen, die gestern im Dom oder über die Medien mitgefeiert haben, empfanden das so. Damals wie heute geht es um denselben Auftrag Jesu: „Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“
Es stimmt schon: Die Zeiten haben sich seit Jesus gewaltig verändert. Der Kern des Evangeliums bleibt immer derselbe: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Umkehren, das Leben immer neu am Evangelium ausrichten, das bleibt der Dauerauftrag Jesu. Der neue Erzbischof steht, wie wir alle, vor großen Herausforderungen. Niemand kann sie aus eigener Kraft bewältigen. Deshalb wollte Jesus von Anfang an die Gemeinschaft, untereinander und mit Gott. Der neue Erzbischof wird seinen Dienst nur im Miteinander mit vielen und mit der Hilfe von oben leisten können. Er wird, wie wir alle, keine fertigen Lösungen anbieten können, doch das Licht des Evangeliums darf er bezeugen, die Hoffnung, die wir alle dringend brauchen. Ich wünsche ihm, dass er im Sinne Jesu ein echter Menschenfischer sei.
Matthäus 4,12-31
Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht aufgegangen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. Als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie und sogleich ließen sie das Boot und ihren Vater zurück und folgten ihm nach. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.