Das Gleichnis von den Talenten ist sprichwörtlich geworden. Aus der großen Geldsumme, um die es bei dieser Maßeinheit geht, wurden im Laufe der Zeit die “Talente”, wie wir sie heute verstehen: die Begabungen, die wir auf den Lebensweg mitbekommen haben. Ein schönes Beispiel unter vielen, welchen Einfluss die Bibel auf unsere Sprache hatte.
Im Gleichnis Jesu vertraut ein wohlhabender Mann sein Vermögen für die Zeit seiner Abwesenheit einigen seiner Knechte an. Er erwartet von ihnen, dass sein Vermögen nicht vermindert wird. Und das geht nur, wenn es arbeitet, wenn mit ihm gut gewirtschaftet wird. Zwei der drei Knechte tun dies mit großem Erfolg. Sie verdoppeln das Geld ihres Herrn.
Dem Dritten gilt die besondere Aufmerksamkeit: Offensichtlich weniger begabt (“talentiert”) als die beiden anderen, hat er nur ein Talent zur Verwaltung erhalten. Jesus weist auf ihn, wohl um uns vor den Gefahren der Trägheit und der Nachlässigkeit zu warnen. Warum hat er das eine ihm übergebene Talent so brach liegen lassen? Und warum das harte Urteil über ihn?
Das Gleichnis setzt eines voraus: Was wir sind und was wir haben, ist Gabe Gottes. Jedem Menschen hat Gott seine unverwechselbaren “Talente” gegeben. Wir haben sie als “Treuhänder” anvertraut erhalten. Es liegt in unserer Hand, etwas Gutes daraus zu machen. Wir haben “einmal”, spätestens in der Todesstunde, Rechenschaft über das zu geben, was wir aus den uns verliehenen Talenten gemacht haben. Dass Jesus hier ans letzte Gericht denkt, kommt wohl klar in seinem Worten an die drei Knechte zum Ausdruck: “Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn”, sagt Jesus zu den zwei ersten, den dritten überantwortet er der “äußersten Finsternis”, womit wohl die Hölle gemeint ist. Darin liegt der Ernst dieses Gleichnisses. Es gemahnt uns, dass es um unser ewiges Geschick geht. Wir können es selber zum Guten oder zum Schlechten wenden.
Jesus bleibt aber nicht bei der Warnung stehen. Er gibt auch starke Motivation, uns für den guten Weg zu entscheiden. Die beiden Ersten haben das Vertrauen ihres Herrn als Ansporn verstanden. Die große Geldsumme haben sie als Chance gesehen, damit schöpferisch, vernünftig und mutig etwas anzufangen, nicht aus Angst vor dem “Chef”, sondern weil es ihnen offensichtlich Freude machte, sich für seine Sache einzusetzen. Sie haben sich mit seinen Interessen identifiziert, wie gute Mitarbeiter es tun.
Das will Jesus wohl sagen: Es ist schön, Mitarbeiter Gottes zu sein. Wer die eigenen Talente als Gaben Gottes sieht, wird Ihm dafür dafür dankbar sein und sie in Seinem Sinn entfalten. Und Gott hat Freude daran, wenn seine Gaben durch unser Mitwirken aufblühen. Denn er will unser Glück. Dazu hat er uns seine Gaben anvertraut.
Der Dritte hat Angst vor seinem Herrn. Er sieht nur seine Strenge, nicht sein Vertrauen. Deshalb sagt er sich: Lieber Nichtstun als etwas falsch machen. Eine solche Haltung wird jedem Chef missfallen. Von solchen Mitarbeitern wird er sich trennen. Gott will freudige, einsatzbereite Mitarbeiter. Mit ihnen geht etwas weiter für das Reich Gottes.