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17.08.2003

Unannehmbar?

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn

zum 20. Sonntag im Jahreskreis, 17.8.2003

(Joh 6, 51-58)

Noch vor kurzem hat Jesus seine Jünger „zurückgepfiffen“, die die Leute wegschicken wollten, damit sie sich in den umliegenden Dörfern Brot zum Essen kaufen gehen. „Ihr braucht die Leute nicht wegzuschicken, gebt ihr selber Ihnen zu essen“, hatte er sie aufgefordert. Und als die Apostel das nicht zustande brachten („Woher sollen wir Brot für so viele Menschen nehmen?“ – es waren über 5000!), da hat Jesus die Brote vermehrt und alle satt gemacht. Kein Wunder, dass die Begeisterung für Jesus groß war.

 

Was aber Jesus in seiner Predigt in Kapharnaum tut, bewirkt genau das Gegenteil. Jetzt vertreibt er selber die Leute, und je länger er redet, desto schlimmer wird es. Er spricht zuerst von einem anderen Brot, das den Hunger der Seele stillt. Dann erklärt er, dass er selber dieses Brot ist. Er sagt, er sei vom Himmel gekommen, er sei das „Brot vom Himmel“, und wer dieses Brot esse, werde ewig leben.

 

Schon das war schwer annehmbar: Ein Mensch, dessen Familie und Herkunft bekannt waren, soll vom Himmel stammen? Schlimmer wird es, als Jesus noch weitergeht, seine Aussagen nicht abschwächt, sondern verstärkt: Das Brot, das er gibt und das er selber ist, sei sein eigenes Fleisch.

 

Man versuche sich vorzustellen, wie solche Worte auf seine Zuhörer wirken mussten. Kein Wunder, dass sie Streit und Widerspruch auslösten. Aber statt zu beschwichtigen, beruhigende Erklärungen zu geben, verschärft Jesus seine Aussagen. Es klingt wie eine Provokation, wie eine unerträgliche Herausforderung, als er nachdrücklich festhält: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Damit kein Zweifel bestehen kann, fügt er hinzu: Wenn ihr das nicht tut, „habt ihr das Leben nicht in euch“.

 

Man müsse also sein Fleisch essen und sein Blut trinken, um zu leben, um ewiges Leben zu gewinnen. Und dazu gebraucht Jesus zudem die Worte, die für das wirkliche Essen (mit den Zähnen kauen) und das echte Trinken verwendet werden.

 

Jesu Rede hat „fortlaufenden Erfolg“: Immer mehr Menschen wenden sich von ihm ab, gehen fort und bleiben weg. Warum tut er das? Warum überfordert er die Menschen? Oder geht es ihm darum, dieses tiefste und schwierigste Geheimnis seines Lebens uns nicht vorzuenthalten? Vielleicht will er uns etwas so Kostbares anvertrauen, dass er es riskiert, zu schockieren?

 

Was ist dieses Geheimnis? Dass Jesus nicht nur eine Lehre weitergeben will, sondern ein Leben, Sein Leben, Sich selber. Er will, dass Gottes Leben, das in ihm ist, auch unser Leben wird, ganz wirklich, wie die Nahrung, die wir uns einverleiben. „Iss mich, trink mich! Lebe von mir, wie ich in dir lebe“: Ist das so unverständlich? 

 

Und wenn es doch wahr wäre? Wenn Gott uns Menschen so nahe sein wollte, dass er uns selber Nahrung wird? Wie ein Kind im Mutterschoß ganz aus seiner Mutter lebt, von ihr alles zum Leben und Wachsen nötige erhält, so lebt Jesus ganz aus seiner "Gottinnigkeit". Und so will er auch, dass wir aus ihm leben: "Wer mich isst, wird durch mich leben." Ist das so unannehmbar?

 

 

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Evangelium für den 20. Sonntag im Jahreskreis, 17.8.2003 (Joh 6,51-58)

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.

 

Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. 

 

Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.

 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.

 

Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.

 

Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

 

Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

 

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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