Vor dem Essen Hände waschen! Wie oft habe ich das als Kind gehört. Wenn ich damals schon dieses Evangelium gekannt hätte, wäre mir sicher als vorlaute Antwort den Eltern gegenüber herausgerutscht: Aber die Jünger Jesu haben sich doch vor dem Essen auch nicht die Hände gewaschen!
Warum haben sie das nicht getan? Aus Schlamperei, aus Bequemlichkeit, als Protest gegen die vorgeschriebenen Sitten? Aus diesen Gründen haben wir als Kinder, als Jugendliche, das übliche Händewaschen vor dem Essen unterlassen, sicher, dass die Eltern uns deshalb zurechtweisen werden.
War Jesus ein Protestierer? Hat er seine Jünger angeleitet, gegen die Anstandsregeln seiner Zeit zu rebellieren? Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Was ist denn dabei, sich die Hände zu waschen, wenn man vom staubigen, schmutzigen Markt kommt? Es ist doch sinnvoll, sich zu reinigen, ehe man bei den Speisen zugreift. Und das Abspülen des Ess- und Kochgeschirrs ist doch eine ganz vernünftige Hygienevorschrift.
In diesem Streit ging es aber um mehr als um Gesundheitsregeln. Alle diese Reinigungen hatten auch religiösen Charakter. Schmutzige Hände machen den Menschen unrein, so sagen die alten Bestimmungen des jüdischen Gesetzes. Wer diese Waschungen nicht vornimmt, ist nicht zum Gebet, zum Gottesdienst bereit, so lehren die Alten.
Dagegen protestiert Jesus, nicht gegen das Händewaschen und das Geschirrspülen. Vor Gott ist nicht unrein, wer unsaubere Hände hat, sondern wer im Herzen voller Hass ist.
"Hört mir alle zu und begreift, was ich sage." Es geht Jesus um etwas ganz Wichtiges, das er allen Menschen sagen will: Alles äußere Tun ist leer und verlogen, wenn es nicht aus dem Herzen kommt. Nicht wer fromm tut ist Gott gefällig, sondern wer von Herzen gut ist. Was nützen alle äußerlichen Übungen, wenn sie innerlich hohl sind?
Heuchelei nennt Jesus ein solches Tun. Und nichts hat er so sehr bekämpft wie diese. Denn vor Gott zählt nicht der Schein, sondern das Sein, nicht was einer darstellt, sondern was einer wirklich ist. Das Echte hat Jesus immer geliebt und gelobt.
Was also sollen wir begreifen? Dass das Böse von innen kommt, aus dem Herzen. Dorther kommen die bösen Gedanken, die dann zu schlechten Taten führen. Nicht weniger als dreizehn Übel nennt Jesus, die alle aus dem bösen Herzen kommen. Das Herz gilt es zu reinigen, sein Unrat ist viel schlimmer als schmutzige Hände und Töpfe.
Zwei grundsätzliche Gedanken: Es stimmt, dass alles Böse aus dem Herzen kommt. Aber es kann auch zuvor ins Herz hineingelassen werden. Wie viel Böses kommt durch üble Nachrede und gemeinen Tratsch in unser Herz herein – wenn wir es aufnehmen.
Wie viele üble Bilder können sich in unserer Seele festsetzen durch Videos, Internet, Fernsehen. Sie können das Herz allmählich vergiften: Das ist heute eine neue Gefährdung des Herzens.
Aus dem Herzen also kommt all das Böse. Aber auch all das Gute: Gedanken und Taten der Liebe, Güte und Verständnis, und vor allem die Barmherzigkeit, die keiner so sehr schenkt wie Jesus. Denn in seinem Herzen ist nichts Falsches und Geheucheltes. Darauf kommt es an, und nicht aufs Händewaschen.