Mutter Teresa hat einmal einen äußerst kostbaren Edelstein, einen großen Rubin, geschenkt bekommen. Zur allgemeinen Überraschung verfügte sie, dass dieser auf dem Tabernakel der Schwesternkapelle in Kalkutta angebracht werden soll. Man wandte dagegen ein, es sei doch sinnvoller, diesen Stein um viel Geld zu verkaufen, um so den Armen helfen zu können. Sie soll darauf gesagt haben: „Wenn Christus nicht mehr geehrt wird, dann werden auch bald die Armen nicht mehr geachtet.“
Sie wollte, dass der Tabernakel, in dem „das Allerheiligste“, das eucharistische Brot, der Leib Christi, aufbewahrt wird, besonders geehrt wird. An Fronleichnam wird das Allerheiligste ganz außerordentlich feierlich geehrt. Überall Prozessionen, der Priester trägt die – meist kostbare – Monstranz. Er trägt Jesus in der Gestalt des Brotes durch die Straßen, auf die öffentlichen Plätze. Schaulustige säumen den Prozessionsweg. Manche machen verstohlen ein Kreuzzeichen, gar eine Kniebeuge, wenn der „Himmel“ vorbeigetragen wird, und unter ihm die kostbare Monstranz mit dem Allerheiligsten.
Ist das heute noch sinnvoll? Manche Kritiker der Fronleichnamsprozessionen sagen, Jesus habe nicht das Herumtragen seines Leibes angeordnet, sondern gesagt: „Nehmt und esst.“ Und gerade auch das heutige Evangelium zeigt, dass Jesus sich um die Not der Menschen kümmert, denen es an Brot fehlt, die Hunger leiden müssen: „Gebt ihr ihnen zu essen“, so verlangt er von seinen Jüngern.
Mit nur fünf Broten und zwei Fischen hat Jesus etwa fünftausend Menschen gesättigt, so reichlich, dass noch zwölf volle Körbe übrig blieben. Solche Wunder haben sich in der langen Geschichte der Kirche immer wieder ereignet. Sie sind zum Teil gut bezeugt.
Das Wunder der Brotvermehrung diente zuerst und vor allem dazu, Menschen in Not zu helfen. Es war aber auch so etwas wie eine Vorahnung, eine Vorausschau auf das noch größere Wunder, das sich bis heute täglich, überall auf der Welt, vollzieht, wo immer die Hl. Messe gefeiert wird! Dieses größere Geheimnis will das Fronleichnamsfest ehren. Deshalb wird überall das zum Leib Christi gewandelte Brot in festlicher Prozession getragen. Nochmals: Ist das sinnvoll angesichts der vielen Not in der Welt? Wäre es nicht wichtiger, sich der leiblichen Not der Menschen anzunehmen und gegen den Hunger in der Welt zu kämpfen?
Ich denke hier an das anfangs genannte Wort von Mutter Teresa. Sie hat nie vergessen, Christus im Allerheiligsten, im Sakrament zu verehren, wie wir es auch an Fronleichnam tun. Denn gerade von Ihm hat sie den Auftrag gehört und angenommen: Schick die Menschen nicht weg! Gib du ihnen zu essen! Die von ihr gegründeten „Schwestern der Nächstenliebe“ tun das weltweit unter den Ärmsten. Die Kraft dazu holen sie sich Tag für Tag bei Christus im Tabernakel.