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28.11.2004

Nur Wache kommen durch

Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn

zum 1. Adventsonntag, 28. November 2004,

(Mt 24,29-44)

Überall haben bereits die Adventmärkte begonnen, meist schon lange vor dem 1. Adventsonntag. Das „Weihnachtsgeschäft“ fängt immer früher an und macht die Adventzeit noch „gestresster“. Nicht vom Weihnachtsfest, auch nicht vom „lieben Advent“ spricht das heutige Evangelium, sondern vom Ende der Zeit, von der Ankunft Christi als Weltenrichter. Es sind ernste, dramatische Worte und Bilder.

 

Jahrhundertelang haben Künstler versucht, das gewaltige Ereignis des Kommens Christi

„in großer Macht und Herrlichkeit“ bildlich darzustellen. Am berühmtesten ist zweifellos das riesige „Jüngste Gericht“ von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Es gehört zu den meistbesuchten Kunstwerken der Welt. Ist uns sein Inhalt noch verständlich? Können wir uns die „große Scheidung“ vorstellen, die hier dargestellt wird? Die einen werden von Engeln ins Paradies geleitet, die anderen von Teufeln in die Hölle gestoßen.

 

Michelangelo und die anderen alten Meister haben die Worte Jesu ernst genommen. Sie haben sie nicht verharmlost. Die Hölle war ihnen eine drohende Gefahr, der es ins Auge zu sehen galt. Um ewigem Unglück zu entgehen, ist daher vor allem Wachsamkeit notwendig: “Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchen Tag euer Herr kommt.“

 

In vier knappen Bildworten zeigt Jesus den Weg der Wachsamkeit. Zuerst die Naturbeobachtung: Wenn im Frühjahr die Bäume wieder austreiben, Blätter und Blüten kommen, dann ist der Sommer nahe. Die Natur gibt uns Zeichen, um unser eigenes Leben besser zu verstehen. Der Herbst erinnert uns an unsere Sterblichkeit. Das Frühjahr kündigt den Sommer und seine Ernte an: Was wird die Ernte unseres Lebens sein? Was werden wir aus unserem Leben in die Scheunen des ewigen Lebens einbringen. Einmal kommt der Tag der Ernte. Leben wir auf ihn hin?

 

Das zweite Bildwort warnt vor der Oberflächlichkeit des Alltags. Keiner dachte damals an die

große Flut. Man aß und trank, heiratete und ließ es sich gut gehen - bis die Sintflut hereinbrach „und alle wegraffte“. Außer dem Noach, der rechtzeitig vorgesorgt hatte. Wer mit ihm in die Arche gegangen war, wurde gerettet. Die Kirche ist so etwas wie die Arche in der Flut der Zeit. Ohne das sichere Schiff der Glaubensgemeinschaft kommt der Einzelne schwer ans Ziel.

 

Das dritte Bild: zwei Männer bei gemeinsamer Feldarbeit; zwei Frauen bei der Hausarbeit. Beide sind gleich, tun die gleiche Arbeit. Aber sie stehen nicht gleich vor Gott. Doch darauf kommt es im Letzten an. Äußerlich einander gleich geht ihr Leben doch ganz anders aus.

 

Daher das vierte Bild: Der Dieb meldet sich nicht an. Er bricht ohne Vorwarnung ein. Ihm gegenüber hilft nur die ständige Wachsamkeit!

 

Jesus zeigt uns, wie alles im Leben, die Natur, der Alltag, die Arbeit und die Gefahren, uns auf das ewige Leben vorbereitet, wenn wir wach und aufmerksam bleiben.

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Evangelium für den 1. Adventsonntag, 28.11.2004, (Mt 24,29-44)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

 

Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

 

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr das alles seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

 

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

 

Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.

 

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

 

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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