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So sieht Leben aus

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn zum 5. Fastensonntag  13. März 2005, (Joh 11,1-45)

13.03.2005
© kathbild.at/Rupprecht

Römersteinbruch St. Margareten. Siebzig junge Menschen führen ein Musical auf. Thema: Das Leben Jesu. Hinreißend, temperamentvoll gespielt, Musik und Inszenierung „passen“. Eine Szene hat sich mir besonders eingeprägt. Ich glaube, viele haben das ebenso empfunden: die Darstellung des heutigen Evangeliums, die Auferweckung des Lazarus, vor allem der Moment, als auf den lauten Ruf Jesu Lazarus aus dem Grab heraustritt, noch ganz in die Totentücher eingebunden.

 

Ich denke, vielen Zuschauern wurde in diesem Moment bewusst: Das ist ja die Geschichte dieser jungen Menschen. Sie sagen, was sie selber erlebt haben. Das ist nicht einfach gekonntes Schauspiel. Das ist ihr eigenes Leben.

 

Denn alle siebzig Darsteller waren Todeskandidaten. Sie kommen alle aus der Droge, sie alle waren schon mehr tot als lebend. Die Gemeinschaft „Coenacolo“ ist ihnen zur Rettung geworden. Dort haben sie aus der tödlichen Spirale der Droge herausgefunden. In die Szene der Auferweckung des Lazarus konnten sie alle ihre eigene Erfahrung hineinlegen. Jesus hat sie aus dem Tod herausgerufen. Sie wurden aus den Fesseln der Drogen befreit wie Lazarus von seinen Binden.

 

Der Weg bis dahin war freilich alles eher als leicht. Nicht der breite, bequeme Weg. Für keinen von uns ist der Weg zur Auferstehung ein einfacher. Nicht für alle ist er so dramatisch wie für die jungen Menschen, die im St. Margaretener Steinbruch das Leben Jesu gespielt haben. Für sie ging es um Leben und Tod. Weiter auf dem Weg der Droge bleiben bedeutete den sicheren Tod. Die gläubige, christliche Gemeinschaft, das Vertrauen auf Jesus hat sie herausgeholt aus dem Grab ihrer Sucht.

 

Für Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus, war der Weg vor allem ein schmerzlicher. Beide sagen Jesus vorwurfsvoll, fast anklagend: „Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Ihre Klage ist verständlich. So viele hat Jesus geheilt. Warum nicht seinen guten Freund Lazarus? Warum lässt er sich so lange Zeit zu kommen? Warum eilt er nicht gleich an das Krankenbett seines Freundes?

 

Gottes Wege sind uns oft schwer verständlich. Warum hilft Er nicht gleich? Warum lässt Er Leid, ja den Tod zu? Die Antwort Jesu wirkt fast wie eine Provokation: Durch diese Krankheit seines Freundes, ja durch seinen Tod soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Durch Leid und Tod soll das geschehen? Immer wieder steigt die Frage auf: Wenn Gott gut ist, warum lässt Er uns dann leiden?

 

Jesus sagt dazu ein Wort, das wie ein „Evangelium für die Kranken“ klingt „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes.“ Es ist nicht immer sofort verständlich, was eine Krankheit in unserem Leben bedeuten kann. Aber wie oft zeigt es sich, dass jemand durch eine Krankheit hindurch reift, sich besinnt, das Leben neu orientiert und ordnet. Und wie oft ist eine Krankheit der Anlass, sich neu Gott zuzuwenden und zu glauben.

 

Um den Glauben geht es auch im heutigen langen Evangelium. Deshalb wird es in der Fastenzeit, kurz vor Ostern, gelesen. Bald werden wieder Tod und Auferstehung Jesu gefeiert. „Ich will, dass ihr glaubt“, sagt Jesus seinen verschreckten Aposteln, als er ihnen erklärt, er gehe jetzt hinauf nach Jerusalem, wo man ihn eben erst umbringen wollte, und nach Betanien, wo sein Freund Lazarus inzwischen gestorben war.

 

Ganz mutig sagt Thomas: „Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.“ So gute, tapfere Vorsätze - und doch sind sie dann, als es ernst wurde, (fast) alle davongelaufen.

 

So kommen sie nach Betanien. Alles ist zu spät. Der Freund ist schon seit vier Tagen im Grab. Viele Leute sind da, Totenklage, Trösten der Hinterbliebenen. Der unvermeidliche Tod, der uns alle erwartet, hat wieder zugeschlagen. Wie reagieren wir? Wie reagieren die beiden Schwestern? Maria, die stillere, scheint ganz gebrochen zu sein. Nur Tränen, Trostlosigkeit, die wunde Frage: Warum, warum?

 

Martha, die „geschäftigere“, eilt Jesus entgegen. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Sie glaubt trotz allem. Jesus sagt ihr, was wir Prediger seither unzählige Male bei Begräbnissen wiederholt haben: „Dein Bruder (deine Schwester, deine Mutter, dein Mann, deine Frau, dein Kind) wird auferstehen.“ Martha ist tapfer im Glauben: „Ich weiß, am Jüngsten Tag wird er auferstehen.“ Das ist Hoffnung, aber der Schmerz des Todes bleibt, und auch die Not - damals ohne Pensionen und Versicherungen, - als Frau zurückzubleiben.

 

Da tut Jesus ein Tor auf, das sie bisher noch nicht kannte, und das bis heute offen steht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ An Jesus glauben heißt leben. Wer an Ihn glaubt, den wird der Tod eines Lieben zwar erschüttern, aber nicht erdrücken. Jesus gibt nicht nur das Leben - wie dem Lazarus, - sondern Er ist das Leben.

 

Selten habe ich diese Wahrheit so überzeugend vor Augen gesehen wie damals, im vergangenen Herbst, im Römersteinbruch. Diese siebzig jungen Menschen waren tot. Sie haben nicht nur aus der Droge herausgefunden. Sie haben das Leben gefunden. Sie haben Jesus gefunden. Deshalb war es so glaubwürdig, wie sie den Lazarus spielten. Die Freude über das neue Leben war ansteckend. So sieht Ostern aus. „Glaubst du das?“, fragt Jesus Martha - und mich.

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