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26.05.2005

Wieder neu mitgehen

Dieses kleine Brot ist wirklich Er. Und Ihn "essen", aufnehmen, annehmen, ist wirkliche Nahrung, die Leben gibt, volles, wirkliches Leben!  

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn

für das Hochfest des Leibes und Blutes Christi

(Fronleichnam) 26. Mai 2005,

(Joh 6, 51-58)

Ich glaube, es ist heute wie damals. Damals, als Jesus in der Synagoge von Kapharnaum die Worte sprach, die heute gelesen werden, da gab es Protest, Widerspruch, Streit, und schließlich gingen viele von Jesus weg: "Was er sagt, ist unerträglich!" Sie wandten sich von Jesus ab. Sie hielten seine Worte für eine Zumutung, ein Ärgernis. Es reichte ihnen. Denn was er sagte, war wirklich schwer zu verdauen: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch." Jesus sagt schlicht und einfach: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm." Das stellt er einfach so hin. Was Wunder, dass eine solche Provokation Streit auslöst. Viele gehen daraufhin. Die Schar um Jesus wird kleiner. Sie bröckelt ab. "Wollt auch ihr weggehen?", fragt Jesus schließlich die paar, die bei ihm geblieben sind. Hat er ihnen zu viel abverlangt? Warum gibt er es nicht "billiger"? Warum kommt er nicht mehr entgegen? Sein Fleisch essen, das soll die Voraussetzung dafür sein, das Leben zu haben? Klingt das nicht alles recht verrückt, ja eigentlich unannehmbar?

 

Und doch sind nicht alle weggelaufen. Einige sind geblieben. Waren sie blinde Fanatiker? Unverbesserliche "Fans"? Auf die Frage Jesu, warum er sich nicht absetzt und geht, sagt Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." Sie sind geblieben. Und es sind wieder mehr geworden, immer mehr, eine riesige Schar, bis heute, überall in der Welt.

 

Am heutigen Tag gehen sie durch die Straßen der Dörfer und Städte, in bunten Prozessionen, mit Musik und Fahnen, mit Trachten und Blumen: Fronleichnamsprozessionen, ernst und freudig zugleich. Unter dem "Himmel", dem tragbaren Baldachin, die Monstranz, vom Priester getragen. Ein Stückchen weißes Brot als Mittelpunkt. Viele knien am Wegrand nieder, bekreuzigen sich, andere schauen neugierig dem religiösen Schauspiel zu, wenn Weihrauch aufsteigt und mit der kleinen weißen Brotscheibe der Segen über Stadt und Land herabgerufen wird.

 

Es ist heute ähnlich wie damals. Viele bleiben weg. Sie gehen nicht mehr mit. Sie stoßen sich weniger an den Worten Jesu als an der Gestalt der Kirche. Vielen Jungen sagt sie einfach nichts; sie haben keinen Zugang. Sie gehen nicht weg, denn sie sind eigentlich noch nie wirklich dazugekommen.  Früher war es noch Tradition, "dabei zu sein". "Man" ging in die Kirche, "man" gehörte dazu. Tradition ist nichts Schlechtes. Es gibt gute Bräuche. Heute sind sie fast alle brüchig geworden. So bröckelt auch die Kirche ab. "Man" muss nicht mehr dabei sein. Es ist fast schon etwas Besonderes, dabeizubleiben.

 

Aber es gibt auch das andere. Wer heute in der Fronleichnamsprozession mitgeht, tut es kaum mehr, weil "man" das tut. Immer mehr Menschen geht es wie Petrus. Sie sagen zu Jesus: "Zu wem anderen als zu Dir sollten wir denn gehen? Du hast Worte des Lebens! Bei Dir finde ich den Sinn meines Lebens. Ich habe manche andere Wege kennen gelernt. Jetzt weiß ich und glaube es fest, dass Du der Weg des Lebens bist."

 

Die kleine Schar wächst wieder. Nicht weil die Kirche "besser" geworden ist, gute Noten bekommt, sondern weil immer mehr Menschen spüren, dass Jesus keine leeren Worte gemacht hat. Dieses kleine Brot ist wirklich Er. Und Ihn "essen", aufnehmen, annehmen, ist wirkliche Nahrung, die Leben gibt, volles, wirkliches Leben!   

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Evangelium für das Hochfest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam) 26.5.2005, (Joh 6, 51-58)

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

 

Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.

 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

 

Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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