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09.11.2008

Das Haus meines Vaters

Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

 

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn

zum Evangelium am Weihetag der Lateranbasilika,

9. November 2008 (Joh 2,13-22)

Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich in Erinnerung. Die vielen Bilder und Statuen. Der unverwechselbare Geruch. Und das Ahnen einer Gegenwart, verbunden mit dem kleinen roten Licht neben dem Tabernakel. Die Kirche war immer offen, so konnten wir als Kinder auch gelegentlich einfach so in die Kirche hineinschauen, und zu schauen gab es viel. Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich!

 

In den siebziger Jahren wollte man sie „modernisieren“. All den „alten Plunder“ aus dem 19. Jahrhundert wollten einige besonders „Fortschrittliche“ hinausschmeißen.

 

Ich habe damals einen leidenschaftlichen Kampf begonnen, mit anderen gemeinsam: Rührt nicht an unsere Kirche! Wir lieben sie so, wie die Vorfahren sie liebevoll ausgestattet hatten. Sie blieb erhalten, und heute kommen die Menschen von weither, um dieses Gotteshaus zu bewundern.

 

Das heutige Evangelium hat in mir die Erinnerung an diese leidenschaftliche Liebe zu unserer Kirche wachgerufen. Die Liebe Jesu zum Tempel in Jerusalem kann ich so ein wenig besser verstehen. Für Ihn war der Tempel einfach „das Haus meines Vaters“. Alles, was dieses Haus entwürdigte, hat Seinen „heiligen Zorn“ geweckt.

 

Von Kind an war der Tempel in Jerusalem die Mitte seines religiösen Lebens. Dorthin haben Maria und Joseph ihn 40 Tage nach seiner Geburt zum ersten Mal gebracht. Dort blieb er als Zwölfjähriger zurück, bis seine besorgten Eltern ihn nach drei Tagen fanden. Dorthin zog er Jahr für Jahr mit den Eltern und Verwandten, um als Pilger die großen Feste mitzufeiern. Im Tempel hat er gelehrt, geheilt, diskutiert, als er seine öffentliche Tätigkeit begann. Der Tempel war die Mitte seines Lebens und Betens.

 

Deshalb unternahm er die heftige Aktion, die heute im Evangelium berichtet wird. Tempelreinigung! Hinaus mit dem ganzen Rummel an Händlern, Geldwechslern, Verkäufern, die den Tempel in einen Basar verwandeln! Kein Wunder, dass diese Aktion ihm nicht das Wohlwollen der Tempelautoritäten einbrachte! Wer gibt dir das Recht, so zu handeln?

 

Jesu Antwort ist rätselhaft: „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“ Der prächtige Tempel in Jerusalem wurde tatsächlich niedergerissen, nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 durch die Römer. Bis heute ist es ein großer Schmerz für das jüdische Volk, dass nur einige Grundmauern übrigblieben (die“ Klagemauer“!).

 

Jesus aber meinte einen anderen Tempel. Auch der wurde zerstört. Er selber ist dieser Tempel, Sein Leib. Aber diese „Zerstörung“ hielt nicht an. Nach drei Tagen wurde er „wiedererrichtet“: Jesu Auferstehung! Dieser Tempel ist überall, weil Jesus bei uns ist, alle Tage.

 

Das macht unsere Kirchen so kostbar. Sicher: Viele sind kunsthistorisch interessant. Aber nicht deshalb ist mir die Kirche meiner Kindheit so lieb. Warum ich so unvergessliche Erinnerungen habe? Ich glaube vor allem, weil ich sie als „das Haus meines Vaters“ erleben durfte, den Ort erster kindlicher Gottbegegnung. Hier habe ich zu ahnen, zu glauben gelernt, dass Jesus wirklich bei uns ist. Das ist unvergesslich.

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Evangelium für den Weihetag der Lateranbasilika 9.11.2008, (Joh 2,13-22)

Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.

 

Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

 

Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.

 

Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?

 

Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes.

 

Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

 

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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