In Wien gibt es viele katholische Gemeinden, die „Migrationshintergrund“ haben. Die größte unter ihnen ist die polnische. Sie ist vor allem in der Garnisonskirche am Rennweg beheimatet. Dort kann man erleben, was „volle Kirche“ heißt. Die Menschen stehen bis auf die Straße, so dicht gedrängt sind die Gottesdienstbesucher. Ähnliches erlebt man auch bei den Kroaten in der Kirche Am Hof.
Und nicht anders ist es bei den anderen katholischen Gemeinden der Zuwanderer. Da gibt es eine blühende indische Gemeinde, die sich in Meidling trifft, eine sehr aktive albanische Gemeinde in Rudolfsheim, eine koreanische in Inzersdorf-Neustift, eine wachsende schwarzafrikanische Gemeinde, im 5. Bezirk. Doch das ist noch lange nicht alles: da gibt es französisch- und englischsprachige Gemeinden, zwei spanisch-sprachige und eine portugiesisch-brasilianische Gemeinde. Dazu kommen kleinere, feine vietnamesisch-, japanisch-, chinesisch-sprachige Gemeinden.
Warum ich das zum heutigen Evangelium erzähle? Aus zwei Gründen. Einmal weil es zu wenig bekannt ist, dass die katholische Kirche in Wien wirklich Weltkirche widerspiegelt. Alle diese Gemeinden sind Teil der Kirche Wiens, und sie bilden einen höchst lebendigen Teil.
Der zweite Grund, das zu berichten ist eine dieser Gemeinden, die mir besonders am Herzen liegt: die philippinische Gemeinde. Sie ist sehr groß und versammelt sich an mehreren Orten in Wien. Die Filipinos sind fröhlich, gläubig und lieben es, sich zum Feiern zu treffen, zum Gottesdienst und zum Beisammensein. Father Rosendo Sandoval, einer ihrer Priester, hat in seiner Gemeinde „zweiundsiebzig“ ehrenamtliche Mitarbeiter gesammelt und gesendet, jeder und jede hat eine besondere Aufgabe
Und damit bin ich beim heutigen Evangelium. Denn Father Ron hat in seiner Gemeinde nur getan, was Jesus am Anfang getan hat: Mitarbeiter sammeln und senden!
Jesus ist kein „Einzelkämpfer“ gewesen, kein abgehobener Guru. Von Anfang an hat er Menschen gesammelt, die mit ihm in die Ernte arbeiten gehen. Dieses Bild gebraucht er heute, um von seiner Mission zu spreche: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“. Er selber hat nicht nur die zwölf Apostel als seine engsten Mitarbeiter ausgewählt, sondern einen weiteren Kreis von zweiundsiebzig anderen Helfern.
Auch sie sollten keine Einzelkämpfer sein. Er sandte sie „zu zweit“ in alle Orte, wohin er selber kommen wollte. Das „System“ hat sich bewährt. Christsein kann man nicht alleine. Es braucht Gemeinschaft, Miteinander. Gerade unsere Wiener „anderssprachigen“ Gemeinden zeigen das. Sie haben eine erfrischende Lebendigkeit. Und sie bezeugen, dass Jesus seine Sendung erfolgreich „angelegt“ hat: Seine frohe Botschaft kam wirklich zu allen Völkern.
Und heute kommt sie aus allen Teilen der Welt wieder zu uns zurück. Mich begeistert es, zu erleben, dass durch diese vielen katholischen „Zuwanderer“ unsere manchmal etwas altersmüde Kirche einen kräftigen jungen Impuls bekommt, eine neue Chance, eine starke Hoffnung