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17.07.2011

Unkraut verdirbt nicht?

Auch in meinen Herzen wächst so manches üble Unkraut. So sehr ich mich bemühen muss, es zu bekämpfen, ganz bekomme ich es nie weg.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn

zum Evangelium 16. Sonntag im Jahreskreis,

17. Juli 2011 (Mt 13,24-43)

Wir alle kennen das Sprichwort: Unkraut verdirbt nicht! Im heutigen Evangelium scheint Jesus darauf Bezug zu nehmen: der Kampf gegen das Unkraut ist vergeblich! Lasst es einfach sein! Lasst es wachsen, zusammen mit dem Weizen! Wer alles Unkraut ausreißen will, ist in Gefahr, auch das gute Kraut, den Weizen mit auszureißen. Kluge Regel eines Landwirtes aus einer Zeit, als es noch keine chemische Unkrautbekämpfung gab. Zur Zeit der Ernte könnt ihr immer noch den guten Weizen vom Unkraut trennen.

 

Jesus gibt keine Ratschläge für die Landwirtschaft, sondern Hinweise, wie es mit dem Himmelreich aussieht. Gleichnisse sollen es erschließen, zeigen, wie es „funktioniert“. Was Weizen und Unkraut ist, wissen wir in etwa. Aber was ist das „Himmelreich“? Wo ist es? Wann kommt es? „Am Ende der Welt“? Aber das ist doch noch sehr ferne! Ist es das? Was wissen wir?

 

Eines ist sicher: Meine Welt wird ein Ende haben. Ich werde nicht immer hier sein. Für mich, für jeden Menschen, ist die Todesstunde die Erntezeit. Wer klug wirtschaftet, wer verantwortlich haushaltet, denkt voraus an die Erntezeit. Es ist schon erstaunlich, wie sorglos wir oft unseren Alltag leben, wenn es um die letzte Ernte geht. Viele Sorgen gibt es tagaus tagein. Aber das Vorausschauen auf das Ende meines Lebens, das kommt meist zu kurz.

 

Aber leitet Jesus mit seinem Gleichnis nicht selber zu einer gewissen Sorglosigkeit an? Sagt er nicht, wir sollen beides wachsen lassen, das gute und das schlechte Kraut, den Weizen und das Unkraut? Das klingt ja geradezu wie eine Ermutigung zum Laufenlassen, zu einer ganz großen Toleranz: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“. Leben und leben lassen! Was, wenn die Polizei und die Justiz das so machen würden? Wohin kämen die Familien, wenn die Eltern nicht um Erziehung bemüht wären? Das heißt aber auch: wenn sie sich nicht darum sorgen würden, „Unkraut“ im Leben ihrer Kinder zu bekämpfen, schlechte Gewohnheiten erst gar nicht groß werden zu lassen?

 

Angesichts dieser Fragen geht es mir wie den Jüngern, die Jesus zu Hause fragen: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut im Acker! Versuchen wir, die Antwort Jesu mit dem Herzen zu verstehen. Er selber ist der Sämann. Der gute Samen, das sind „die Söhne des Reiches“, das heißt wohl: die Menschen, die Gottes Wort aufnehmen, die versuchen, Gott in ihrem Herzen und Leben Raum zu geben. Dann gibt es die, die sich „der anderen Seite“, dem Bösen, geöffnet haben. Und solange es noch nicht Erntezeit ist, wird beides nebeneinander wachsen. Immer wird das Unkraut des Bösen seine schlimme Macht entfalten. Ja, leider, dieses Unkraut verdirbt nicht. Auch nicht in mir selber! Auch in meinen Herzen wächst so manches üble Unkraut. So sehr ich mich bemühen muss, es zu bekämpfen, ganz bekomme ich es nie weg.

 

Aber einmal wird Erntetag sein. Einmal wird Gott all das Böse dieser Welt beseitigen. Einmal wird das Gute ganz siegen. Wie wird der Erntetag bei mir aussehen? Diese Frage gibt mir Jesus mit!

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Evangelium für den 16. Sonntag im Jahreskreis, 17.7.2011, (Mt 13,24-43)

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis:

 

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

 

Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

 

Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.

 

Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

 

Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

 

Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.

 

Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

 

Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

 

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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