Wer im Petersdom in Rom war, erinnert sich an die großen Buchstaben, die sich wie ein Band hoch oben um die gewaltige Kuppel ziehen: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“. Siegreich klingen diese Worte, wie eine Garantie der Unüberwindbarkeit.
Aber hat Jesus mit seinem Wort an Petrus, damals bei Cäsarea Philippi, bei den Jordanquellen, schon das Papsttum im Blick gehabt? Hat Jesus mit der Verheißung an Petrus ein bleibendes Amt geschaffen, das des Papstes, des Nachfolgers des Hl. Petrus?
Diese Frage bewegt seit Jahrhunderten die Christenheit. Für die Einen ist der Papst ein Stein des Anstoßes. Für andere ist er Garant der Einheit, Oberster Hirte der Weltkirche. Von vielen verehrt, von anderen kritisiert. Von den sechs Päpsten, die ich in 66 Jahren erlebt habe, wurden alle geliebt und verehrt, und ebenso kritisiert bis heftig abgelehnt, am wenigsten wohl der selige Johannes XXIII.
Gibt das Evangelium eine Antwort auf die Frage, warum das Papsttum oft so umstritten ist? Ich sehe eine Antwort in der Frage Jesu selber. Er will wissen, was „die Leute“ über ihn denken. Die Jünger berichten Jesus, was über ihn so geredet wird: Irgendwie dürfte er schon ein Prophet sein! Das nehmen auch heute viele an.
Jesus wird ganz persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Jetzt gibt müssen die Apostel Farbe bekennen. Petrus antwortet als erster, und seine Antwort ist weitreichend: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Ahnt er, weiß er, was er das sagt? Wenn Jesus der Messias ist, das heißt „der Gesalbte“ Gottes, dann ist er wirklich „der Chef“, nicht nur für sein Volk, sondern für alle Welt. Dann ist er „der Herr“. Dann ist in Ihm Gott zu uns gekommen.
Die Reaktion Jesu ist ebenso weitreichend: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona.“ Das hast du nicht aus dir, aus „Fleisch und Blut“. Das konnte dir nur Gott zeigen, „mein Vater im Himmel“. Und jetzt gibt Jesus ihm das gewaltige Wort der Verheißung:“ Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen!“
Mich tröstet und ermutigt immer dieses so klare Wort Jesu: „Ich werde meine Kirche bauen!“ Sie ist weder das Geschäft des Petrus, des Papstes, noch das des Erzbischofs von Wien, noch irgendwelcher Gruppen. Sie ist Seine Kirche, und Er baut sie auf. Deshalb darf ich vertrauensvoll die Kirche in Seine Hand legen. Er ist ihr Chef und Baummeister!
Zugleich sagt Jesus, er werde seine Kirche „auf diesen Felsen bauen“, und meint damit diesen Menschen, Petrus! Nicht auf irgendeine anonyme Institution, sondern auf eine konkrete Person, mit Stärken und Schwächen. „Dieser Fels“ war zuerst Petrus, dann die ersten Bischöfe von Rom, Linus, Cletus, Clemens . . . – bis Johannes Paul und jetzt Benedikt: „Fels“ nennt sie Jesus. Nicht weil sie alle fehlerlos waren, sondern weil sie Jesus als den Christus, den Sohn Gottes bekannt haben. Er bleibt der Chef, und sie die von ihm beauftragten Hirten. Was mir Hoffnung gibt: Trotz aller Krisen hat Jesus bis heute Wort gehalten!