Simon, dem Jesus den Beinamen Petrus, der Fels, gegeben hat, war also verheiratet. Heute ist im Evangelium von seiner Schwiegermutter die Rede. Der „erste Papst“ war verheiratet. Wie wahrscheinlich die meisten der zwölf Apostel. Paulus war unverheiratet. Er sagt es selber. Wahrscheinlich auch der Apostel Johannes. So sagt es die alte Überlieferung. Und Jesus selber war unverheiratet. Das ist gut und zuverlässig bezeugt, auch wenn Dan Brown und andere Sensationsautoren das Gegenteil behaupten. Nie ist die Rede von Nachkommen Jesu, während von den Nachkommen Mohameds viel die Rede ist. Die Spaltung im heutigen Islam zwischen Sunniten und Schiiten, mit ihren blutigen Konflikten, gehen auf Kinder bzw. Enkel Mohameds zurück. Die Spaltungen unter den Christen, die es leider auch bis heute gibt, gehen auf andere Ursachen zurück.
Das heutige Evangelium will uns aber nicht die Familiengeschichte des Petrus erzählen. Es geht vielmehr um Jesus, um seinen Auftrag, um sein Wirken. Die Evangelien sind sehr sparsam in biographischen Berichten. Wir wissen fast nichts über das Leben und den Alltag Jesu in Nazareth. Allein die Sendung Jesu interessiert, seine Botschaft und seine Taten. Ihn sollen wir kennen lernen. Und lieben lernen.
Welches Bild von Jesus zeichnet das heutige Evangelium? Zuerst: einen riesen Zulauf, einen großen Andrang. Alle wollen ihn sehen, berühren, hören, von ihm geheilt werden. Ich kann mir das selber lebhaft vorstellen, wenn ich mich an den Heiligen Padre Pio erinnere, den ich 1961 erleben durfte. Der unglaubliche Andrang der Menschen lässt mich ahnen, wie das damals in Kapharnaum war, als „die ganze Stadt vor der Haustür versammelt war“.
Der nächste Morgen zeigt aber ein anderes Bild: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, zu beten“. Nach dem großen „Erfolg“ der Rückzug! Nach den vielen Menschen die Einsamkeit des Gebetes. Es ist keine Flucht, sondern ein wesentlicher Teil des Lebens Jesu. Er hat nie die Menschen gescheut. Er hat mit ihrem Leid Mitgefühl gezeigt. Zuwendung kennzeichnet ihn. Aber ebenso diese andere Zuwendung: das Alleinsein mit dem, den er „Vater“ nennt.
„Alle suchen dich!“ Simon Petrus findet schließlich Jesus wie er einsam betet. Das Beten Jesu muss einen tiefen Eindruck gemacht haben. Die Menschen um Jesus müssen gespürt haben, dass hier seine eigentliche Kraftquelle war. Denn woher hatte er die unermüdliche Energie, ständig für die Menschen da zu sein? Das war nicht die Freude an seiner Popularität. Er war kein Star und betrachtete die Leute nicht als seinen Fanclub. Heilen wollte er und helfen: „Es ging von ihm eine Kraft aus, die alle heilte“, sagt einmal der Arzt und Evangelist Lukas.
Diese Kraft kam ihm aus seiner innersten Verbundenheit mit seinem Gott und Vater. Daraus hat er geschöpft, unerschöpflich. Aus dieser Quelle hatte er die Kraft, seine Feinde zu lieben, ihnen zu vergeben, bis ans Kreuz. Nur darum geht es ihm bis heute: uns zu dieser Kraftquelle hinzuführen!