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09.10.2015 · Gedanken zum Evangelium · Schönborn

Gedanken zum Evangelium: Die Reichen, die Armen und der Himmel

Hände in den Himmel gehalten

Vielleicht spüren die Jünger, dass es uns allen nicht leicht fällt, von dem, was wir haben, loszulassen.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 11. Oktober 2015 (Mk 10,17-27)

Immer noch wächst bei uns die Zahl der Reichen. Schneller wächst die Zahl der Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben. Reiche sind nicht böse, weil sie reich sind. Arme sind nicht gut, weil sie arm sind. Aber Jesus sagt heute sehr klar, dass Reiche schwerer in den Himmel kommen als Arme, Ja, er erklärt eigentlich, dass es für Reiche unmöglich ist: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

 

Verständlich, dass vor solchen harten Worten Jesu Jünger echt entsetzt sind: „Wer kann da noch gerettet werden?“ Wieso erschrecken sie eigentlich? Sie sind doch selber keine Reichen. Es könnte sie ja sogar so etwas wie Schadenfreude beschleichen: Recht geschieht es den Reichen! Die haben ja im Leben schon alles gehabt! Jesu Jünger waren keine Reichen. Waren sie Arme? Einige von ihnen hatten doch einen gewissen Wohlstand. Sie hatten gute Berufe, kleine Betriebe. Gewiss, sie lebten sehr bescheiden. Aber Bettler waren sie keine. Warum sind sie so erschrocken?

 

Um das zu verstehen, schauen wir uns die Gestalt dieses reichen jungen Mannes an, der voll Vertrauen zu Jesus kommt. Ihn bewegt eine Frage, die ihn nicht loslässt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Bewegt uns heute noch diese Frage: „Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen?“ Oder geht es vor allem um die Frage: Wie kann ich gesund, fit und wohlhabend möglichst lange auf Erde leben?

 

Jesu Antwort ist einfach und klar: Halte die Gebote Gottes! Sie geben Halt in diesem Leben und öffnen die Tür zum ewigen Leben. Der reiche junge Mann sagt ganz ehrlich: „Alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.“ Keine Frage: Es gibt sehr anständige Reiche. Armut garantiert noch nicht, ein guter Mensch zu sein. Dieser reiche Mann ist beeindruckend, und Jesus hat ihn in sein Herz geschlossen.

 

Warum dann doch so harte Worte über die Reichen? Weil ihnen das Loslassen so schwer fällt. Der junge Mann „hatte ein großes Vermögen“. Jesus lädt ihn ein, ganz davon loszulassen und ihm nachzufolgen: Gib alles den Armen und komm mit mir! Nicht von allen Reichen hat Jesus erwartet, dass sie wie der heilige Franziskus von Assisi alles aufgeben und ganz bettelarm leben. Aber alle Reichen erinnert Jesus daran, dass sie ihr Vermögen nicht mitnehmen können. Spätestens beim Sterben musst du alles zurücklassen. Und das kann sehr schwer werden, wenn du viel verlassen musst.

 

Warum aber sind die Jünger Jesu so über sein Wort erschrocken? Sie haben doch nicht so viel zu verlieren wie die Reichen? Vielleicht spüren sie, dass es uns allen nicht leicht fällt, von dem, was wir haben, loszulassen. „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Jesu Antwort ist klar: Kein Mensch, ob reich oder arm, schafft das alleine. Durch das enge Tor zum Himmel kommt keiner ohne Gottes Hilfe. Da sind wir uns alle gleich. Ob arm oder reich.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (10.10.2015)
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Markusevanglium 10,17-27

In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.

 

Kardinal Schönborn

 

Mehr über Kardinal Christoph Schönborn

 

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn

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