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21.01.2017 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Menschenfischer

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 22. Jänner 2017 (Mt 4,12-23)

Viele Einzelheiten stehen nicht im Evangelium. Nur das Wichtigste wird festgehalten. Es ist das Wort, das Jesus seinen allerersten Anhängern sagte: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 22. Jänner 2017 (Mt 4,12-23)

Als Matthäus sein Evangelium schrieb, waren schon einiger Jahrzehnte vergangen seit den Anfängen, von denen er heute erzählt. Das Christentum hatte sich bereits weit verbreitet. Aber es lebten noch die Zeugen der ersten Tage. Die vielen Menschen, die sich überall dem Glauben an Jesus Christus anschlossen, wollten wissen, wie alles begonnen hat. Ich kann mir vorstellen, dass sie immer wieder die ersten Jünger fragten: Erzählt uns, wie ihr selber zu Anhängern Jesu wurdet! Sagt uns, erinnert euch, wie Jesus damit angefangen hat. Wie entstand diese Bewegung, der wir uns angeschlossen haben?

 

Was wir heute in den vier Evangelien lesen können, ist nur die knappe schriftliche Zusammenfassung dessen, was die Zeitzeugen Jesu zuerst überall mündlich erzählt haben. Die Menschen, die zum Glauben an Jesus kamen, wollten von ihnen möglichst viel hören, wie Jesus war, wie er gelebt, was er gelehrt hat. Diese lebendige mündliche Überlieferung wurde erst später, als die ersten Jünger Jesu immer weniger wurden, schriftlich festgehalten. So entstanden unsere Evangelien.

Wissen wollen, wie alles begonnen hat! Ich kann mir gut vorstellen, wie das ablief. Oft und oft werde ich von jungen Menschen gefragt: Wann wussten Sie, dass Sie Priester werden wollen? Wie sah Ihre Berufungsgeschichte aus? Und dann erzähle ich, wie es bei mir dazu kam, dass ich diesem Ruf gefolgt bin.

 

Heute berichtet Matthäus davon, wie das bei den ersten vier Aposteln aussah. Später erzählt er auch, wie er selber den Ruf Jesu erlebt hat. Er war ja Zöllner, Zolleinheber in Kapharnaum, eben dem Ort, in dem Jesus wohnte, seit er Nazareth, seine Heimatstadt verlassen hatte.

 

Knapp und nüchtern berichtet Matthäus von der Berufung der beiden Brüderpaare, die im Kreis von Jesus so wichtig werden sollten: Simon, genannt Petrus, und Andreas, Jakobus und Johannes. Gerne wüsste ich mehr darüber: Was sagte die Ehefrau des Petrus dazu, dass ihr Mann Beruf und Familie verließ, um sich diesem noch unbekannten Mann anzuschließen? Was sagten Zebedäus und seine Frau, als ihre beiden Söhne alles liegen und stehen ließen und mit Jesus gingen? Und wie sah das aus, als diese schnell wachsende Anhängerschar mit Jesus von Dorf zu Dorf zog, großes Aufsehen erregte, weil Jesus so viele Kranke heilte, weil unglaubliche Wunder geschahen?

 

Alle diese Einzelheiten stehen nicht im Evangelium. Nur das Wichtigste wird festgehalten. Es ist das Wort, das Jesus seinen allerersten Anhängern sagte: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Ihren bisherigen Beruf haben sie aufgegeben. Ihr neuer Beruf wird sie weit hinaus in die Welt führen. Sie werden überall Menschen „fischen“. Viele werden durch sie zu Jüngern Jesu werden. Und so kam es wirklich. Was damals ganz klein am See von Galiläa begann, wurde die weltweit größte Religionsgemeinschaft, die der Christen.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Matthäusevangelium 4,12-23

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.


Kardinal Schönborn

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Gedanken zum Evangelium

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