Trost gut tut. Ein lieber Mensch ist gestorben. Der Schmerz ist wie eine Wunde. Das Fehlen tut weh. Was kann in solchen Stunden, Tagen trösten? Es gibt so viele Situationen, in denen uns Trost gut täte. Aber wo finden wir ihn? In der Natur? Sicher kann es helfen, einfach die Schönheit der Schöpfung auf uns wirken zu lassen. Aber es gibt auch die andere Erfahrung, dass uns die Natur wie fremd erscheint. Sie kümmert sich nicht um meinen Schmerz. Sie trauert nicht mit mir. Da kann dann leicht die Versuchung kommen, Trost anderswo zu suchen. Für manche können das Süßigkeiten sein, die Wohlbefinden versprechen. Andere glauben, Trost im Alkohol zu finden. Sie versuchen, den Kummer auf diese Weise zu ertränken. Ein Weg wird oft eingeschlagen: die Trauer mit viel Abwechslung zu töten, ständig Zerstreuung zu suchen. Es ist wie eine Flucht vor dem Schmerz. Heilung bringen diese Auswege nicht. Sie lassen uns trostloser zurück.
Den Jüngern Jesu steht ein schmerzlicher Abschied bevor, und Jesus bereitet sie liebevoll darauf vor. Nur noch kurze Zeit wird er bei ihnen sein. Er wird nicht mehr sichtbar unter ihnen sein. Er weiß, dass sie sich ganz auf ihn verlassen. Er ist ihr Vorbild, ihr Meister. Seine Nähe ist ihnen Trost und Sicherheit. Was werden sie tun, wenn er nicht mehr da ist? Schon allein dieser Gedanke macht ihnen Angst.
Da sagt ihnen Jesus ein sehr tröstliches Wort: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen.“ Und er gibt ihnen ein feierliches Versprechen: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben.“ Das Wort, das Jesus hier gebraucht, kann auch anders übersetzt werden: einen anderen Fürsprecher, Anwalt oder Tröster. Jesus spricht von einem Tröster, „der für immer bei euch bleiben soll“. Er spricht vom Geist, den wir empfangen sollen. Dieser Beistand, Anwalt, Tröster ist der Heilige Geist. Mehrmals hat Jesus zugesagt, er werde dafür sorgen, dass wir nicht trostlos zurückbleiben. Zu Pfingsten, das in zwei Wochen gefeiert wird, hat er dieses Versprechen eingelöst und seinen Geist gesandt.
Wie wirkt dieser Tröster, den Jesus ankündigt? Ich glaube, die Erfahrung zeigt, dass Trost nicht so sehr von Dingen ausgeht, sondern von Menschen. Die Frage ist nicht, was tröstet, sondern wer tröstet! Vieles kann tröstlich sein, die Schönheit der Natur, ein vertrautes Haustier, ja auch, warum nicht, ein gutes Glas Wein. Aber all das wird nie den Trost ersetzen, den ein aufmerksamer, liebevoller Mensch schenken kann.
Doch da kommt noch eine weitere Erfahrung dazu. Wer tiefe Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen erlebt, den werden andere Menschen nie ganz über den Schmerz hinwegtrösten können, selbst wenn sie noch so einfühlsam sind. Letzten Trost findet das menschliche Herz in Gott. Das geht nicht immer gleich gut. Das braucht Zeit und Geduld. Ich glaube, dass Jesus darin die Aufgabe des „anderen Trösters“ gesehen hat: unser Herz zu öffnen für den liebenden Gott, der einmal alle Tränen abwischen wird.