Am 18. Januar 2016 kritisiert Kardinal Christoph Schönborn in einer Vatikan-Pressekonferenz den europäischen Umgang mit Flüchtlingen. Er warnt vor einem „Eisernen Vorhang“, da viele Mittel- und Osteuropäische Länder ihre Grenzen schließen und sich isolieren. Schönborn bemängelt das Zögern des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), eine einheitliche Unterstützung für Flüchtlinge zu formulieren oder die Ursachen der Krise in Nahost und Afrika zu analysieren. Er fordert mehr Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Solidarität, um Ängste zu überwinden und dem Aufstieg neo-nationalistischer Strömungen entgegenzuwirken. Zudem betont er die Rolle der Kirche und gläubiger Politiker für humane Lösungen und kritisiert die fehlende gemeinsame Linie der europäischen Bischöfe als Hindernis für effektive Hilfe und Integration.
Am 22. Januar reagieren Bischöfe aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn teilweise auf Schönborns Kritik. Sie zeigen nur begrenztes Verständnis für seine Vorwürfe gegen ihre restriktive Flüchtlingspolitik. Schönborn wirft ihnen vor, kaum Flüchtlinge aufzunehmen und sich durch „schändliche Propaganda“ von christlichen Werten ablenken zu lassen. Die Bischöfe betonen kulturelle Unterschiede und fordern eine offenere Politik, bleiben jedoch weitgehend zurückhaltend. Schönborn sieht hierin ein mangelndes Engagement der europäischen Kirche, das eine einheitliche Antwort auf die Flüchtlingskrise erschwert.
Am 27. Januar empfängt Papst Franziskus während der Generalaudienz die „Unabhängige Opferschutzkommission Klasnic“ in Rom. Die österreichische Kommission, ein weltweit anerkanntes Vorbild zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, wird von Schönborn begleitet. Waltraud Klasnic berichtet über die Bearbeitung von rund 1.600 Fällen seit 2010. Papst Franziskus betont die Bedeutung von Barmherzigkeit und Transformation im Umgang mit Missbrauchsopfern und segnet die Anwesenden. Die Kommission überreicht ihm eine Studie „Missbrauch und Gewalt“ und fordert die Fortsetzung der Aufarbeitung und Prävention. Am Nachmittag trifft die Opferschutzkommission den Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Pater Hans Zollner SJ, sowie Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, Leiter der Glaubenskongregation. Pater Zollner lobt das österreichische Modell als „hervorragend und exemplarisch“ und hofft auf internationale Nachahmung. Die Begegnung markiert einen wichtigen Schritt im Prozess der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche.
Am 29. Januar reagiert Schönborn auf Aussagen des österreichischen Präsidentschaftskandidaten Andreas Khol zur „Nächstenliebe“. Er stimmt teilweise zu, widerspricht jedoch der eingeschränkten Interpretation und betont, dass wahre Nächstenliebe allen in Not bedürftigen Menschen gilt. Khol präzisiert seine Position als Ergänzung und betont eine Obergrenze für Asylwerber gemäß EU-Recht.
Schönborn würdigt Maria Loley, die Gründerin der „Bewegung Mitmensch – Flüchtlingshilfe Poysdorf“, für ihren unermüdlichen Einsatz für Menschen in Not und betont die Bedeutung ihres Werks in der aktuellen Flüchtlingskrise.
Am 11. März warnt Schönborn vor der „Festung Europa“, die langfristig nicht tragfähig sei. Er kritisiert die Schließung der Balkanroute als vorübergehend und hebt die verzweifelte Lage in Flüchtlingslagern hervor. Schönborn betont die Notwendigkeit, internationale Menschenrechte zu wahren und die Last der Flüchtlingsbewegungen gerechter zu verteilen. Er kritisiert europäische Staaten für Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit und Waffenlieferungen in Krisenregionen, während sie Flüchtlinge verurteilen. Zudem fordert er besseren Schutz für Christen in Asylunterkünften und Aufklärungsmaßnahmen für muslimische Flüchtlinge über das Christentum und Religionsfreiheit.
Am Gründonnerstag wäscht Schönborn im Wiener Stephansdom vier christlichen Flüchtlingen die Füße, eine symbolische Geste der Demut und Barmherzigkeit, die an Papst Franziskus' ähnliche Handlung erinnert.
Vom Ostermontag bis Mittwoch besucht Schönborn Erbil in Kurdistan, um die Not von rund 50.000 christlichen Flüchtlingen zu begutachten. Er kritisiert den Bau von Zäunen in Europa und fordert Unterstützung für Christen im Irak, um deren Flucht zu verhindern. Die Kirche betreibt in Erbil Flüchtlingslager, medizinische Zentren, Schulen und eine katholische Universität. Schönborn appelliert an internationale Unterstützung und betont die Bedeutung eines offenen Dialogs mit Muslimen.
Am 31. März eröffnet Schönborn in Rom den Europakongress zur Göttlichen Barmherzigkeit. Er kritisiert die Abschottungspolitik Europas gegenüber Flüchtlingen und fordert mehr Aufnahme und Hilfe vor Ort. Nach seiner Reise in den Irak lobt er das Engagement irakischer Christen und warnt vor der Verhärtung der Herzen in Europa.
Am 8. April präsentiert Schönborn gemeinsam mit Kardinal Lorenzo Baldisseri das päpstliche Schreiben "Amoris Laetitia" in Rom. Er betont die pastorale Neuausrichtung der Kirche auf Liebe statt starre Normen und erläutert die fünf „Aufmerksamkeiten“ der Erzdiözese Wien, die Integration und Unterstützung fördern. Im Interview hebt er die Bedeutung eines barmherzigen Ansatzes in der Seelsorge hervor und appelliert an Wahrheit, Reue und offenen Dialog.
Am 16. April erinnert Schönborn in Wien bei einer Gedenkfeier für Nikolaus Harnoncourt im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins an das tiefe Wissen großer Musiker über den Tod. Harnoncourt verstirbt am 5. März im Alter von 86 Jahren in St. Georgen im Attergau. Während der Feier musizieren Mitglieder der Wiener Philharmoniker, des Concentus Musicus Wien und des Arnold Schoenberg Chores. Schönborn dankt Harnoncourt für seine vielen Musikerstunden und zitiert Mozarts Brief, in dem dieser den Tod als Glückseligkeit beschreibt. Er vergleicht Harnoncourts Verständnis der „Ars moriendi“ mit Mozarts und betont die Notwendigkeit eines inneren Friedens mit dem Lebensende.
Am Sonntag, den 29. April 2016, eröffnet Schönborn in Kevelaer, Nordrhein-Westfalen, die diesjährige Wallfahrtszeit. Im Goldenen Saal der Marienbasilika schlägt er dreimal symbolisch mit Hammerschlägen und spricht in Deutsch, Latein und Niederländisch: „Öffnet die Tore eures Herzens Christus, dem Erlöser“. Der Diözesanbischof Felix Genn begleitet den Gottesdienst. Kevelaer empfängt jährlich rund 800.000 Pilger.
Schönborn in Wien den scheidenden Bundeskanzler Werner Faymann im Interview mit „Kathpress“. Er lobt Faymanns ehrliches Bemühen um politischen Ausgleich und sein gutes Verhältnis zu Kirchen und Religionen in Österreich. Schönborn erkennt jedoch Differenzen in der Flüchtlingspolitik an und betont die Notwendigkeit einer gesam europäischen Lösung mit mehr Solidarität. Er fordert eine besonnene und verantwortungsbewusste neue Regierung.
Kardinal Schönborn kritisiert die Aussagen des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun, der im Mai den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer bei der Bundespräsidentenwahl unterstützt. Schönborn betont, dass die katholische Kirche keine Wahlempfehlungen abgibt und dies auch in der aktuellen Stichwahl beibehält. Er verweist auf die Tradition der Kirche, in politischen Fragen keine spezifischen Empfehlungen zu äußern, und hebt hervor, dass diese Neutralität sinnvoll ist, besonders in der gegenwärtigen politischen Situation. Schönborn ruft dazu auf, dass Katholiken in ihren Wortmeldungen respektvoll bleiben und Andersdenkende nicht verurteilen.
Am 2. Juni appelliert Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, bei einem Sommerempfang im Erzbischöflichen Palais in Wien an Journalisten sowie Medien- und Kulturschaffende zur "De-Dramatisierung" der Flüchtlingsthematik. Er warnt davor, dass Österreich die Brückenfunktion gegenüber Flüchtlingen wieder hochziehen könnte. Schönborn erinnert an die erfolgreichen Bewältigungen der Flüchtlingswellen von 1956 und 1968 und betont, dass eine sachliche Berichterstattung statt dramatisierender Darstellungen notwendig sei. Er fordert die Medien auf, Humor zu bewahren und nicht auf Stimmungsmache zu setzen, inspiriert von Robert Schumans drei Regeln: De-Dramatisieren, Humor bewahren und Angriffe nicht erwidern. Symbolisch öffnet Schönborn die Tore des Palais, um Offenheit zu demonstrieren. Zahlreiche Gäste aus Medien, Wirtschaft und Kultur, darunter ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, nehmen teil. Schönborn betont die Wichtigkeit der Brückenfunktion Österreichs und ruft zur Offenheit und Zusammenarbeit auf.
Am 3. Juni äußert Schönborn in Wien bei der Europäischen Rabbinerkonferenz seine Ablehnung gegen Israel-Boykott-Kampagnen, insbesondere die BDS-Bewegung. Im Interview mit israelnews.com betont er, dass Juden und Katholiken in Österreich „Nachbarn und Freunde“ seien. Schönborn kritisiert die feindliche Haltung gegenüber Israel und hebt die enge Beziehung der katholischen Kirche zum jüdischen Volk und Staat Israel hervor. Er appelliert, gegen politische Tendenzen in Europa gemeinsam aufzustehen.
Im Juni ist Schönborn Gast bei einem Aids-Benefizabend im Wiener Burgtheater. Auf Einladung von Gery Keszler, dem Gründer des "Life Ball", tritt er überraschend beim "Red Ribbon Celebration Concert" auf. Er erklärt auf der Bühne, dass es ihm nicht um eine Positionierung zur Homosexualität gehe, sondern um das gemeinsame Menschsein unabhängig von Neigungen oder Lebensformen. Schönborn, der ein Red-Ribbon-Zeichen trägt, fordert auf, Vorurteile und Kategorien abzubauen und Menschen als Individuen zu begegnen. Im APA-Interview gesteht er: „Ich habe Vorurteile, aber sie sind geschmolzen.“ Die Einladung zum Concert entstand nach intensiven Gesprächen und einem Abendessen, bei dem Schönborn und Keszler eine persönliche Verbindung fanden. Während des Konzerts thematisiert Schönborn die griechische Sage von Orpheus und Eurydike als Symbol für christliche Auferstehung. Gäste aus Medien, Wirtschaft und Kultur, darunter ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, nehmen teil. Keszler zeigt sich bewegt und erwartet sowohl positive Resonanz als auch Kritik.
Schönborn besucht im Juni auch erstmals einen Sikh-Tempel in der Albrechtsbergergasse, Wien-Meidling. Beim Sonntagsgebet (Diwan) trifft er sich mit der Sikh-Gemeinde und würdigt die Religionsfreiheit in Österreich. Schönborn betont die Nähe zwischen Katholiken und Sikhs als Nachbarn und Freunde und hebt die Bedeutung interreligiöser Begegnungen hervor. Er lädt die Sikh-Gemeinde zu einem Gegenbesuch im Stephansdom ein. Der Besuch resultiert aus den Dialogbemühungen des Wiener Dialogzentrums KAICIID und fördert das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen.
Am 14. Juni besucht der scheidende Bundespräsident Heinz Fischer die in Mariazell tagende Österreichische Bischofskonferenz. Schönborn, Vorsitzender der Konferenz, betont das gute Miteinander von Staat und Kirche und würdigt Fischer als Brückenbauer, der Religion für Stabilität und gesunde Entwicklung schätzt. Schönborn dankt Fischer im Namen der Bischöfe für seinen vielfältigen Einsatz und die Pflege der Staat-Kirche-Beziehungen. Fischer erwidert die Wertschätzung und hebt die enge Beziehung der Kirche zu Religionen in Österreich hervor. Beide betonen die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen Lösung für Flüchtlingsfragen und warnen vor abgeschotteter Nationalstaatlichkeit. Gäste aus Medien, Wirtschaft und Kultur nehmen teil. Die Konferenz endet am Mittwoch mit einem Festgottesdienst.
Im Juli betont Schönborn in einem Interview, dass die katholische Kirche seit 50 Jahren keine Wahlempfehlungen gibt und daran festhält. Zu Weihbischof Andreas Launs umstrittenen Aussagen, dass Wähler Alexander Van der Bellens „gehirngewaschen“ seien, erklärt Schönborn, Laun habe sich entschuldigt, und ein ernstes Gespräch mit dem Erzbischof von Salzburg habe stattgefunden. Dennoch unterstreicht Schönborn die Freiheit innerhalb der Kirche: „Ich kann einem Bischof keinen Maulkorb erteilen.“
Anfang Juli reist Schönborn als Gesandter von Papst Franziskus nach Weißrussland. Er vertritt den Papst bei den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Erzdiözese Minsk-Mohilev im Marienwallfahrtsort Budslau, etwa 150 Kilometer nördlich von Minsk. Der Besuch richtet sich hauptsächlich an die römisch-katholische Kirche in Weißrussland, doch Schönborn trifft sich auch mit Vertretern der orthodoxen Kirche. Zudem bringt er eine Reliquie des heiligen Josaphat Kunzewytsch mit, überreicht von dem griechisch-katholischen Generalvikar Yuriy Kolasa und Zentralpfarrer Taras Chagala aus Wien.
Während seines Aufenthalts führt Schönborn hochrangige politische Gespräche mit Außenminister Vladimir Makej, stellvertretender Premierministerin Natalia Katschanova und Regionalpolitikern. Er betont die Bedeutung der Religionsfreiheit und gute Beziehungen zwischen Staat und Kirchen. In Gottesdiensten und bei der Kirchweihe der ersten neuen katholischen Kirche in Minsk seit 105 Jahren spricht er von der Stärke des Glaubens und der Hoffnung auf eine christliche Erneuerung in Weißrussland. Schönborn würdigt die Glaubenstreue der Gläubigen und unterstreicht die enge Verbundenheit der Kirchen in Österreich und Weißrussland.
Am 7. Juli betont Schönborn in einem Interview mit der Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica", dass Papst Franziskus' Schreiben "Amoris laetitia" verbindlich und ein Akt des kirchlichen Lehramts sei. Er widerspricht damit konservativen Stimmen wie Kardinal Raymond Burke und stellt klar, dass das Dokument die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie aktualisiere. Schönborn erklärt, dass "Amoris laetitia" eine differenzierte Betrachtung individueller Fälle ermögliche und einen barmherzigen Ansatz in der Seelsorge fördere. Er sieht das Schreiben als Weiterentwicklung der kirchlichen Tradition und betont die Bedeutung eines liebevollen Blicks auf die Realität der Gläubigen.
Ende Juli bis Anfang August versammeln sich rund 3.000 österreichische Jugendliche am Weltjugendtag in Krakau zum traditionellen „Österreichertreffen“ und feiern gemeinsam mit Schönborn im Dominikanerkloster einen Gottesdienst. Schönborn lobt die hervorragende Zusammenarbeit der kirchlichen Jugendbewegungen, die einst durch Grabenkämpfe getrennt waren, nun jedoch in Vielfalt und Kooperation agieren. Die Jugendlichen aus 18 Ländern beteiligen sich aktiv am „Youth Festival“, das mit Konzerten, Tanzshows, Sportbewerben und Konferenzen die Krakauer Abende prägt. Über 250 Veranstaltungen auf 27 Bühnen bieten Platz für weltbekannte christliche Künstler wie Steven Curtis Chapman und die österreichische Band "Cardiac Move". Schönborn würdigt die Begeisterung und das Engagement der Jugend und betont die Bedeutung eines vereinten Glaubens. Abschließend bereiten sich die Pilger gemeinsam mit Papst Franziskus auf die Abschlussfeiern am Barmherzigkeitsfeld vor, wo Gebetsvigil und Gottesdienste stattfinden.
Im August beteiligt sich Schönborn an der Regierungsinitiative „Gegen Hass im Netz“. Gemeinsam mit sechs Ministerien, dem Bundeskanzleramt und Staatssekretärin Muna Duzdar setzt er ein Zeichen gegen Online-Hass und Aggressionen. Im Kampagnenbild appelliert Schönborn: „Es liegt an uns, dass Hass und Aggression im Netz keinen Platz haben.“ Die Kampagne fördert „Gegennarrative“ und plant bis Herbst einen Leitfaden zur Bekämpfung von Hassbotschaften. Gleichzeitig protestiert die Caritas gegen falsche Behauptungen über verschenkte Handys für Flüchtlinge und droht rechtliche Schritte gegen die FPÖ.
Am 9. September stellt Schönborn dem Extrembergsteiger Reinhold Messner kritische Gegenfragen zu dessen Aussage „Gipfelkreuze gehören nicht auf den Berg!“. Anlass sind Vandalenakte in Oberbayern, bei denen drei Gipfelkreuze mutwillig zerstört werden. Schönborn betont die Bedeutung der Kreuze als Zeichen des Glaubens und fragt, ob die Menschen die Berge erschaffen hätten. Messner argumentiert, dass Gipfel allen Menschen gehören und nicht mit einer einzigen Weltanschauung besetzt sein sollten. Die Theologin Claudia Paganini sieht Gipfelkreuze als Machtergreifung und fordert eine Neubewertung in pluralistischen Zeiten. Gleichzeitig provoziert der Künstler Christian Meier mit einem Halbmond auf einem Berggipfel die Debatte über religiöse Symbole in der Natur und muss sein Kunstwerk entfernen lassen.
Am 4. Oktober eröffnet Schönborn eine Ringvorlesung mit dem Titel „Grundbegriffe des christlichen Glaubens aus interdisziplinärer Perspektive“ an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien im Hörsaal 47. Die Vorlesung, die im Wintersemester 2016/17 fortgesetzt wird, untersucht das Verhältnis von Glaube und Wissen sowie die Möglichkeiten der Gotteserkenntnis. Neben Schönborn präsentieren Fachleute Themen wie Dreifaltigkeit, Schöpfung und Christologie. Die Reihe richtet sich nicht nur an Theologie-Studierende, sondern ist für alle Interessierten offen, um eine interdisziplinäre
Am 28. September äußert Schönborn im Stephansdom in Wien sein Unverständnis über den Widerstand innerhalb der katholischen Kirche gegen Papst Franziskus. Während seiner Predigt beim Medjugorje-Friedensgebet „Message for you“ betont Schönborn die weltweite Dankbarkeit für das vorgelebt Evangelium des Papstes, insbesondere dessen Engagement für die Armen und Gefallenen. Er bedauert die Anfeindungen innerhalb der Kirche und appelliert an die Gläubigen, für Franziskus zu beten. Zudem fordert er Geduld hinsichtlich des Vatikan-Urteils über die Marienerscheinungen in Medjugorje und hebt die positiven Effekte der daraus entstandenen Gebetskreise hervor.
Am 29. September empfängt Schönborn Vertreter der Guarani-Kaiowa aus Brasilien im Wiener Erzbischöflichen Palais. Er zeigt sich „besorgt und erschüttert“ über die anhaltende Gewalt und Vertreibung der indigenen Völker. Die Guarani-Kaiowa leiden unter Landnutzungskonflikten mit der expandierenden Landwirtschaft, fehlender staatlicher Anerkennung ihrer Gebiete sowie zunehmenden gewaltsamen Übergriffen, Hunger und Unterernährung. Das Gespräch organisiert die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO). Schönborn betont die Einhaltung der indigenen Rechte aus der brasilianischen Verfassung von 1988 und unterstützt Organisationen wie CIMI. Er kündigt ein entsprechendes Papier für die Vollversammlung im November an und plant, das Thema mit dem Papst zu besprechen.
Am 13. Oktober referiert Schönborn in St. Pölten zum Abschluss des 225-Jahr-Jubiläums der Philosophisch-Theologischen Hochschule. Er betont, dass die Liebesfähigkeit des Menschen von Gott stammt und nur durch göttliches Geschenk wahre Freundschaft und Menschenliebe möglich sind. Schönborn erläutert, dass Thomas von Aquin die zentrale Frage der gegenseitigen Liebe zwischen Gott und Mensch stellte und wie diese Beziehung möglich ist. Der Vortrag unterstreicht die Bedeutung von „caritas“ als tiefere Zuwendung und reflektiert das Engagement der Hochschule für Liebe und Barmherzigkeit in der Philosophie und Theologie.
Schönborn betont, dass Papst Franziskus mit "Amoris laetitia" die kirchliche Lehre organisch weiterentwickelt, ohne den Glauben zu verändern. Die Kirche müsse sich den veränderten Lebenssituationen der Menschen anpassen, besonders in der Begleitung von Ehepaaren und schwierigen Fällen wie Wiederverheirateten. Dabei gibt es keine starren Regeln, sondern eine notwendige pastorale Unterscheidung im Einzelfall. Franziskus sieht die Kirche als "Feldlazarett", das fürsorglich auch Schwache begleitet. Die Freude gelebter Liebe in Familien ist laut Schönborn zugleich die Freude der Kirche.
Mitte Oktober reist Schönborn auf Einladung des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. nach Ägypten. Die Reise stärkt die ökumenischen Beziehungen zwischen der katholischen und koptischen Kirche und zeigt Solidarität mit den Christen des Landes. Begleitet von einer Delegation besucht Schönborn koptische Gemeinden, Klöster und Sozialprojekte. Der koptische Patriarch, bekannt für seinen Einsatz für die Ökumene, ehrt Schönborn 2016 in Wien mit der höchsten Auszeichnung seiner Kirche. Nun folgt der Wiener Erzbischof dem lang ersehnten Gegenbesuch. Die Reise steht im Zeichen von Dialog und Religionsfreiheit. Schönborn betont die Rechte aller Religionen auf öffentliche Präsenz und mahnt zum Schutz christlicher Minderheiten. Sein Besuch symbolisiert die Bedeutung von Einheit und Respekt zwischen den Glaubensgemeinschaften, besonders in einer Zeit, in der Christen in der Region zunehmend Bedrohungen ausgesetzt sind. Während seiner Ägyptenreise in der oberägyptischen Stadt Samalut trifft Schönborn die Familien der 21 Christen, die 2015 in Libyen von IS-Terroristen brutal ermordet wurden, weil sie ihren Glauben nicht verleugneten. Tief erschüttert zeigt sich Schönborn von der Grausamkeit der Tat, doch ebenso beeindruckt von der Glaubensstärke der Opfer und ihrer Angehörigen. „Ihr zeigt der Welt, dass Liebe und Glaube stärker sind als Hass“, sagt der Kardinal vor über 100 Familienmitgliedern. Die Angehörigen widerstehen dem Drang nach Hass und Rache, was Schönborn als Geschenk der koptischen Christen an die Welt würdigt. Er hört sich die Geschichten jeder Familie an und segnet die Anwesenden. Die 21 Opfer, darunter 20 Kopten und ein Ghanaer, werden als Gastarbeiter in Libyen entführt, gefoltert und ermordet, weil sie der Aufforderung zur Konversion zum Islam nicht nachkamen. Ihre Standhaftigkeit und ihr Glaube werden in ihrer Gemeinde als Zeugnis für Christus verehrt. Schönborn besucht während seiner Ägyptenreise die beeindruckenden „Zabbaleen“, christliche Müllsammler Kairos, die in extremer Armut leben, aber ihre tiefe Frömmigkeit bewahren. Inmitten von Müllbergen haben sie imposante Kirchen in den Kalkstein des Mukattam gegraben – ein beeindruckendes Zeugnis ihres Glaubens. Tief bewegt lobt Schönborn ihre Stärke und ihren Widerstand gegen Verzweiflung. Neben diesem inspirierenden Besuch erkundet er historische Wüstenklöster, wie das legendäre Mar Mina und das Makarius-Kloster, sowie die koptische Markuskathedrale in Alexandria. Seine Reise vertieft die ökumenische Beziehung zur koptischen Kirche und zeugt von Solidarität mit Ägyptens Christen.
Am 7. November richtet Schönborn einen Appell an Bundeskanzler Kern und andere Politiker, die bedarfsorientierte Mindestsicherung zu erhalten. Er betont, dass sie als soziales Netz Armut und Obdachlosigkeit verhindern und soziale Gerechtigkeit fördern. Schönborn fordert eine österreichweit einheitliche Regelung, die auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist, insbesondere für Wohnkosten. Er mahnt zu einem respektvollen Umgang in der Debatte und warnt vor populistischen Verkürzungen, die Menschenwürde gefährden. Gemeinsam mit Bischof Michael Bünker plädiert er für Solidarität und eine gerechte Verteilung, ohne Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Am 8. November betont Schönborn bei einer Pressekonferenz mit Bischof Michael Bünker in Eisenstadt die Fortschritte der Ökumene in Österreich. Katholiken und Protestanten seien keine Gegner mehr, sondern auf dem Weg zur Einheit. Gemeinsam veröffentlichen sie eine Erklärung, die Versöhnung und Zusammenarbeit hervorhebt. Vorbildlich ist Österreichs rechtliche Gleichstellung der Kirchen sowie gemeinsame Projekte wie die ökumenische Ausbildung von Religionslehrern. Beide Kirchen sehen Unterschiede als bereichernde Gaben und betonen ihre gemeinsame Verantwortung, sich für Schwache und ein friedliches Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft einzusetzen. Ein ökumenischer Gottesdienst und Studientag ergänzen das Treffen. Anlass ist das 500-jährige Jubiläum der Reformation.
Ebenso am 8. November erinnert Schönborn im ORF-„Report“ an die Zerreißprobe der katholischen Kirche Österreichs vor 30 Jahren unter den Erzbischöfen Groer und Krenn. Rom habe durch vermeintliche Einschätzungsfehler versucht, einen „allzu liberalen Kurs“ unter Kardinal König zu korrigieren, was zu Konflikten führe. Schönborn betont seine klare Haltung gegen das Beschuldigen von Missbrauchsopfern und kritisiert Krenns Kurs als „Sackgasse“. Als Erzbischof navigiert er zwischen Rom und konservativen Kräften in Österreich, um Einheit zu bewahren. Er engagiert sich stark in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und prägt die Kirche durch Präventionsmaßnahmen.
Am 12. November findet im Wiener Stephansdom eine feierliche byzantinische Liturgie unter der Leitung von Schönborn und Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk statt. Anlass ist das 100-Jahr-Jubiläum der Übertragung der Reliquien des Heiligen Josafat Kuncewytsch nach Wien. Die Feier steht im Zeichen des Gebets um Frieden in Syrien und der Ukraine. „Wir beten für den Frieden, wo heute wie vor 100 Jahren Blut vergossen wird“, betont Schewtschuk, der Schönborns Solidarität mit der Ukraine würdigt.
Die Liturgie und der vorausgehende Festakt unterstreichen die Einheit der katholischen Kirche. Schewtschuk lobt die Zusammenarbeit von griechisch- und römisch-katholischer Kirche und nennt die Einladung in den Stephansdom ein Zeichen der universalen Gemeinschaft. Besonders beeindruckt ist er von Schönborns Einsatz für die griechisch-katholischen Christen in Österreich, deren Leben unter seiner Leitung „blüht“. Schönborn hebt hervor, dass das Feiern der Göttlichen Liturgie die Gewissheit stärkt, dass Christus in unserer Mitte ist – Quelle des Friedens.
Vor der Liturgie würdigt Schönborn im Erzbischöflichen Palais die Bedeutung der Reliquien des Heiligen Josafat. Sie symbolisieren Einheit und Hoffnung, wie Schewtschuk betont, und erinnern an die schwierige Geschichte der Ukraine. Die Schewtschuk-Kapelle in der Kirche St. Barbara bleibt ein Zeugnis dieser Einheit.
Die Feier endet mit einem Appell Schewtschuks, die Ukraine nicht aufzugeben. Er ruft zur Solidarität mit den Menschen auf, die unter dem Krieg leiden, und erinnert daran, dass wahre Einheit und Frieden nur durch Zusammenarbeit und Gebet erreicht werden können. Der Festtag wird so zu einem kraftvollen Zeichen der Versöhnung und Hoffnung für die Kirche und die Welt.
Am 17. November findet im österreichischen Parlament der Staatsakt „Geste der Verantwortung“ statt, der den Missbrauchsopfern in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen gewidmet ist. Schönborn bittet vor 250 Betroffenen sowie Spitzenvertretern von Staat und Kirche um Vergebung. Er gesteht ein, dass die Kirche lange vertuscht, weggeschaut und Täter versetzt habe, anstatt zu handeln. Schönborn betont, dass nur die Wahrheit Heilung und Veränderung ermögliche und ruft dazu auf, das Leid der Opfer anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen. Nationalratspräsidentin Doris Bures nennt die Missbrauchsfälle eine „Schande für unser Land“ und betont, dass die Würde von Kindern und Abhängigen immer geschützt werden müsse. Der Staatsakt sei kein Schlussstrich, sondern ein Zeichen der gemeinsamen Verantwortung von Staat und Kirche, um Missbrauch künftig zu verhindern. Bundeskanzler Christian Kern und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner sprechen von einer schweren Schuld und fordern mehr Wachsamkeit zum Schutz von Betroffenen. Betroffene schildern ihre Erlebnisse, unterstützt durch prominente Schauspieler. Schönborn hebt die Worte eines Opfers hervor: „Man kann uns alles nehmen, aber unsere Würde kann uns niemand nehmen.“ Der Staatsakt anerkennt das Leid und den Willen, eine bessere Zukunft zu gestalten.
Am 6. Dezember nimmt Schönborn einen niederösterreichischen Pfarrer in Schutz, der wegen einer Aussage über das Christkind heftig attackiert wurde. In einem Leserbrief an die "Kronen Zeitung" kritisiert er scharf die polemischen Angriffe des Kolumnisten Michael Jeannée, die er als unverhältnismäßig und aggressiv bezeichnet. Schönborn betont, dass der Zauber des Christkinds für Kinder behutsam bewahrt werden soll, mahnt jedoch gleichermaßen zu mehr Achtsamkeit und Verantwortung im Journalismus. „Aggression darf nicht zur Gewohnheit in den Medien werden“, warnt der Kardinal. Als regelmäßiger Autor der "Kronen Zeitung" setzt er damit ein klares Zeichen für Fairness und Respekt.
Am 14. Dezember ruft Schönborn in einem Interview zu einer kinder- und fremdenfreundlicheren Gesellschaft auf. Abtreibung bezeichnet er als „große schmerzliche Wunde“ und betont, wie wichtig Mut und Unterstützung für Eltern sind, um sich für ein Kind zu entscheiden. Ebenso fordert er mehr persönlichen Kontakt zu Flüchtlingen, um Ängste abzubauen und Integration zu fördern. Schönborn lobt zivilgesellschaftliche Initiativen wie Sprachunterricht und Lern-Cafés und sieht darin kreative Nächstenliebe. Während es auch in Österreich Not gebe, mahnt er, das hohe Niveau des Lebensstandards anzuerkennen und sich solidarisch für Schwächere einzusetzen.
Am 18. Dezember betont Schönborn im „Kurier“-Interview, dass innerislamische Veränderungen notwendig sind, um Konflikte im Nahen Osten zu lösen. Religionsfreiheit müsse im Islam akzeptiert werden, ohne Abstriche. Schönborn sieht Parallelen zur europäischen Geschichte, in der nach dem Dreißigjährigen Krieg Toleranz und Aufklärung zwischen Protestanten und Katholiken entstanden. Er hofft, dass der Islam ähnliche Regenerationskräfte entwickelt, die Gewalt ablehnen. Der Kardinal sieht in der christlichen Botschaft von Frieden und Versöhnung ein Vorbild und mahnt, Terroristen als Menschen zu achten, auch wenn ihre Taten verurteilt werden. Schönborn plädiert dafür, Zuwanderern christliche Werte nahezubringen und erinnert daran, dass viele Muslime zum Christentum konvertieren möchten. Er fordert eine klare Haltung für Religionsfreiheit als universales Menschenrecht.
Schönborn feiert zum 20. Mal Weihnachten mit Obdachlosen und nennt die Weihnachtsmette mit der Caritas-Gemeinde einen Höhepunkt seines Festes. Besonders berührt ihn das Gedenken an die Verstorbenen, die in Armut lebten, jedoch in der Gemeinde einen Platz fanden. Für Schönborn zeigt dies, dass Gott niemanden, besonders keine Armen, vergisst. Persönlich erinnert er sich an seine ersten Weihnachten als Flüchtlingskind in den 1940er-Jahren. Sein Wunsch für Österreich lautet: „Ich wünsche mir, dass Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen.“ In schwierigen Zeiten erinnert er daran, dass Liebe und Mitgefühl das Klima eines Landes prägen können. Fortsetzung 2017