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Wo ist der Himmel?

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, zu Christi Himmelfahrt, am Donnerstag, 26. Mai 2022, (Lk 24, 46–53).

26.05.2022
© Elisabeth Fürst

Christi Himmelfahrt, das bedeutet vor allem die Chance für einen Kurzurlaub, wenn man sich den Freitag dazu freinimmt. Nur in wenigen Ländern Europas ist der heutige Donnerstag ein staatlicher Feiertag. In Österreich verdanken wir das dem Konkordat zwischen der Republik und dem Heiligen Stuhl, dem Vatikan, das festlegt, welche kirchlichen Feste auch staatliche Anerkennung haben. Das Fest Christi Himmelfahrt gehört dazu. Sein Datum hängt mit dem Ostertermin zusammen, denn vierzig Tage nach Ostern hat sich das ereignet, was dem heutigen Tag den Namen gegeben hat. Es ist, so heißt es im heutigen Bibeltext, der Tag, „an dem er (Jesus) in den Himmel aufgenommen wurde“. In Jerusalem wird auf dem Ölberg der Ort gezeigt, an dem nach alter Überlieferung Jesus vor den Augen seiner Jünger „emporgehoben“ wurde, bis er ihren Blicken durch eine Wolke entzogen wurde, während sie „ihm nach zum Himmel emporschauten“.

 

Wohin ist er entschwunden? In den Himmel? Wo ist das? Sind wir hier nicht in einer Welt sehr naiver Vorstellungen? Da droben ist der Himmel, hier unten ist die Erde! Angesichts der unendlichen Weiten des Weltalls wirkt jede örtliche Vorstellung von einem Himmel über der Erde wie eine fromme Illusion. Und sicher hat die „Himmelfahrt“ Christi nichts zu tun mit dem sündteuren Weltraumtourismus, mit dem einige Milliardäre begonnen haben, eigentlich eine skandalöse Geldverschwendung in Zeiten weltweit wachsender Armut. Gar nicht naiv finde ich es dagegen, wenn Menschen, denen es oft am Nötigsten fehlt, ihr Gottvertrauen zum Ausdruck bringen, indem sie mit dem Finger zum Himmel zeigen: „Der da oben sorgt für uns!“ Es ist auch nicht ein primitives Weltbild, wenn es in Schillers Ode „An die Freude“ heißt: „Überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

 

Von Jesus heißt es immer wieder, er habe beim Beten die Augen zum Himmel erhoben. So beim letzten Abendmahl: „Er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen…“ Zum Himmel blicken, das kann ein schlichter Ausdruck der Sehnsucht nach Gott sein. Im Stress des Alltags hilft es mir, gelegentlich kurz innezuhalten, um meine Gedanken auf Gott hin zu sammeln und zur Ruhe zu kommen. Es ist dann manchmal wie ein kurzes Eintauchen in den Himmel.

 

Wo also ist der Himmel? Die alten Meister würden sagen: Er ist in dir! Denn du bist in zwei Welten daheim, der irdischen und der himmlischen. Das irdische Leben hat uns fest im Griff. Doch gibt es Momente, da ahnen wir, dass das nicht schon alles ist. „Unsere Heimat ist im Himmel“, sagt Paulus. Dorthin ist Christus vorangegangen. Diese Heimkehr feiert das heutige Fest seiner Himmelfahrt. Doch ist der Himmel uns nicht fern. Manchmal wird er schon jetzt spürbar, selbst in ganz irdischen Freuden, wenn alles so richtig passt!

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