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Die Samariter unter uns ...

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 10. Juli 2022 (Lukas 10,25-37).

10.07.2022
© shutterstock.com Renata Sedmakova
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Wie wird sich das alles ausgehen? Immer mehr Menschen stellen sich diese Frage. Bisher wurde unsere Zeit gerne als „Überflussgesellschaft“ bezeichnet, schlimmer noch als „Wegwerfgesellschaft“. Es gab von allem reichlich, sodass viel mehr übrigblieb als gebraucht wurde. Es gab genügend Energie, vor allem fossile, nicht erneuerbare. Ihr verdanken wir den gewaltigen wirtschaftlichen Fortschritt der letzten zweihunderte Jahre. Diese Quellen des Wohlstands werden sich erschöpfen und zu Ende gehen. Wie wird es weitergehen?

 

Der Krieg in der Ukraine beschleunigt die Entwicklung. Spürbar wird es in der Inflation, der Teuerung, der allgemeinen Unsicherheit. Wir waren gewohnt, dass alles gut funktioniert, der Staat, die Wirtschaft, die öffentliche Sicherheit. Wie wird das alles weitergehen? Der Klimawandel trägt zur Sorge bei. Als Einzelne, als Familie, als kleine Gruppen – was können wir an diesen globalen Entwicklungen ändern? Müssen wir sie ohnmächtig erleiden? Das Misstrauen gegen die Politik und „die da oben“ verstärkt das Gefühl, eh nichts tun zu können.

 

Jesus sieht das offensichtlich anders. Auch zu seiner Zeit erlebten die Menschen seiner Umgebung schmerzlich, dass sie den Machtspielen der Großen wehrlos ausgeliefert waren. Und doch hat Jesus nie die Resignation gepredigt. Alle können wir das Unsere tun. Niemand darf sich darauf ausreden: Was kann ich als Einzelner da schon ändern? Das berühmte Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter ist deshalb hochaktuell. „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Wie kann mein Leben gelingen, jetzt, in dieser Zeit, und über meinen Tod hinaus? So können wir die Frage des jüdischen Gesetzeslehrers übersetzen. Er gibt selber die Antwort auf seine Frage: Liebe Gott aus ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Das klingt so einfach. Aber „wer ist mein Nächster?“ Das Leben ist kompliziert. Wo bin ich gefordert? Ich bin ja nicht die Caritas!

 

Mit seinem Gleichnis gibt Jesus eine einfache Antwort. Er zeigt anschaulich zwei Haltungen, Lebenseinstellungen. Wir müssen uns alle immer wieder entscheiden, welchen der beiden Wege wir im Leben wählen. „Ein Mann … wurde von Räubern überfallen.“ Jetzt liegt er halbtot am Wegrand. Es ist ein gefährlicher und steiler Weg, der durch die Schluchten von Jerusalem hinab nach Jericho führt. So ist es verständlich, dass der Priester, der vom Tempeldienst nach Hause geht, vorsichtshalber gleich weitereilt, als er den Verletzten sieht. Auch sein Kollege aus dem Tempeldienst, der Levit, macht sich schnell aus dem Staub: Nur nicht „anstreifen“!

 

Anders der Ausländer, der Samariter. Er sieht den Verletzten und hat Mitleid. Er tut das Notwendige, verbindet die Wunden und bringt ihn in Sicherheit. Der „barmherzige Samariter“ aus dem Gleichnis Jesu ist zum starken Symbol einer Grundhaltung geworden, die immer schon gültig war, in Krisenzeiten aber besonders deutlich den Weg zeigt. Die beiden Geistlichen wollen sich in Sicherheit bringen und gehen schnell weiter. Diese Haltung wird uns nicht durch die Krise bringen. Der Samariter zeigt den Weg. Wir können nicht die Welt retten. Wir können nicht alle Probleme lösen. Aber hinschauen und helfen, das kann jeder von uns. Die Samariter unter uns machen den Unterschied. Mit ihnen wird es gelingen!

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