Von Feuer ist in diesem Sommer viel die Rede. Riesige Waldbrände überall im Süden Europas, und selbst bei uns flammen immer wieder Feuer auf in den viel zu trockenen Wäldern. Von Feuer hören wir auch täglich aus der Ukraine, Brände, die durch Raketenbeschuss in diesem sinnlos wütenden Krieg entstehen. Die Zahl der Todesopfer wird inzwischen kaum mehr genannt, weil wir uns schon an den Krieg bei unserem Nachbarn gewöhnt haben. Die Flüchtlinge erinnern uns daran, dass es diesen Krieg immer noch gibt.
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Von welchem Feuer spricht da Jesus? Es kann sich wohl nicht um die Flammen der Waldbrände handeln, die meist durch die Unachtsamkeit von Menschen entstehen. Erst recht kann er nicht das Feuer des Krieges meinen. Fast in einem Atemzug fügt er hinzu: „Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.“ Feuer und Wasser nennt Jesus, und beides mit großer Dringlichkeit. Offensichtlich spricht Jesus von dem, was ihm am Herzen liegt, was er als den Auftrag seines Lebens sieht. Für ihn brennt er und will, dass das Feuer, das er in sich trägt, die ganze Erde erfasst. Aber dazu muss er zuerst mit einer Taufe getauft werden, was in seiner Redeweise nur heißen kann: Ich muss in Leid und Tod eintauchen, untergetaucht werden! Das Feuer, das er auf die Erde werfen will, ist die Liebe. Nicht umsonst wird die Liebe, wenn sie stark ist, mit dem Feuer verglichen. Dieses Feuer kann auf Erden weder durch Waffen noch durch die Glut des Hasses entzündet werde. Jesus sehnt sich danach, dass es brennt und dass es die Flammen der Feindschaft löscht. Denn davon ist Jesus überzeugt: Die vielen Feuerherde von Streit und Hass, von Eifersucht und Überheblichkeit können nur durch das einzige Feuer gelöscht werden, das brennt ohne zu zerstören: durch die Kraft der Liebe. Jesus weiß aber auch, dass die Liebe etwas kostet. Wer nur haben will ohne zu geben, zerstört auf die Dauer die Liebe. Deshalb hat es Jesus so gedrängt, alles zu geben, sein Leben, sich selbst, bis zur „Taufe“ seines Todes, bis zum Letzten. Er hat einmal gesagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben gibt für seine Freunde.“ Heute ist der Todestag von Maximilian Kolbe (1894-1941). Er hat im KZ Auschwitz mit einem Familienvater den Platz getauscht, der erschossen werden sollte, damit dieser überlebt. Bei der Heiligsprechung (1982) von Pater Kolbe war dieser von ihm Gerettete anwesend. Für ihn war Pater Kolbe in den Hungerbunker gegangen, den man heute noch in Auschwitz sieht.
Warum dann aber das weitere, schwer verständliche Wort Jesu: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, sondern Spaltung.“ Haben wir davon nicht schon reichlich genug? Was ist das für eine Liebe, die Spaltung bringt? Mühsam kommen wir zurzeit aus der Corona-Krise heraus. So hoffen wir wenigstens. Sie hat eine schon lange nicht mehr erlebte Spaltung in die Gesellschaft gebracht, bis hinein in die Familien und auch in die Kirche. Heute im Rückblick stelle ich mir die Frage: War all die Sorge samt den strengen Maßnahmen nicht übertrieben? Persönlich komme ich zu dem Schluss, dass die Maßnahmen notwendig waren, weil die Gefahren des Virus zur größten Vorsicht rieten. So sahen es die Regierung und deren Experten, so sahen es auch wir von der Kirchenleitung, angefangen vom Papst. Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung sah es anders, wehrte sich gegen die Maßnahmen. Nichts rechtfertigt aber, was Impfgegner der oberösterreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr angetan haben. Hätten wir alle besser mit der Pandemie umgehen können? Versuchen wir, gemeinsam die Gräben zu überwinden!
Hat Jesus selber Spaltung gebracht? Ja, denn an ihm haben sich immer schon die Geister geschieden. Sein Weg ist herausfordernd. Und wir, die wir uns Christen nennen, folgen allzu oft nicht seinem Vorbild. Trotzdem, so bin ich überzeugt, gibt es keinen besseren Weg, Spaltungen zu überwinden, als den, den er vorgelebt hat.