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Das Neue Jahr - ein kleines Kind

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 1. Jänner 2023

01.01.2023
Die Krippe gehört zu den frühesten Symbolen weihnachtlicher Festkultur. Bereits im Jahr 334 ließ Kaiserin Helena über der Geburtshöhle in Bethlehem eine Krippe errichten, die die Geburtsszene zeigt. Der Heilige Franz von Assisi hatte 1223 in Greccio
© Hetzendorfer
Die Krippe gehört zu den frühesten Symbolen weihnachtlicher Festkultur. Bereits im Jahr 334 ließ Kaiserin Helena über der Geburtshöhle in Bethlehem eine Krippe errichten, die die Geburtsszene zeigt. Der Heilige Franz von Assisi hatte 1223 in Greccio
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Jedes Jahr berichten die Medien über das erste Kind, das um oder kurz nach null Uhr heute Nacht geboren wurde. Mich berührt das immer neu. Das Neue Jahr ist wie dieses erste Neugeborene. Noch nichts liegt hinter ihm, alles liegt vor ihm. Wir alle wissen nicht, was dieses Kind im Leben erwartet. So ist es auch mit dem Neuen Jahr. Was wird es bringen, mir persönlich und der ganzen Welt?

 

Von einem Neugeborenen spricht auch das Evangelium, das am Neujahrstag gelesen wird. Es kam nicht in einer modernen Geburtsklinik zur Welt, sondern in einem Stall. Arm und nüchtern ist, was in der Nacht in Bethlehem geschah. Arm sind auch die ersten, die das neugeborene Kind bewundern konnten: Hirten aus der Umgebung. In unseren Landen sind die Krippen eine schöne und beliebte Tradition. Liebevoll wird der biblische Bericht ausgeschmückt. Die Hirten bringen dem neugeborenen Kind und seinen Eltern ihre einfachen Gaben, Milch und Käse von ihrer Herde, ein flötenspielender Hirtenbub darf nicht fehlen. Und immer wieder denkt sich die Liebe zu dem Kind in der Krippe neue Figuren aus, wie den armen Trommlerbuben, der kein kostbares Geschenk anbieten kann, dafür aber dem Christuskind ein Lied singt und dazu trommelt. „The Little Drummer Boy“, 1958 in den USA entstanden, wurde zu einem weltweit bekannten und beliebten Weihnachtslied.

 

Die Hirten haben als kostbarstes Geschenk eine Botschaft mitgebracht, die sie nicht selber entdeckt oder erfunden haben. Sie erzählten einfach „von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war“. Es ist bis heute die Botschaft von Weihnachten. Unzählige Male und auf alle nur möglichen Weisen wird sie weitererzählt, so wie die Hirten sie bei ihrer Nachtwache auf freiem Feld von einem Engel anvertraut erhielten: „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“

 

Am Anfang des Neuen Jahres steht dieses Wort von der Geburt des Retters. Heilsversprechungen zum Jahresbeginn? Es gibt zu viele Gründe, um skeptisch zu sein. Die Geschichte lehrt uns das Misstrauen gegen alle, die lauthals Rettung und Heil verheißen. Wieso soll ausgerechnet dieses Kind armer Eltern eine Ausnahme machen? Vielleicht hilft die Erfahrung von damals auch heute, mit dem so hoffnungsvollen Wort der Hirten umzugehen.

 

Drei Worte, so scheint es mir, weisen den Weg. Zuerst das Staunen: „Alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.“ Wir sollten uns die Fähigkeit zum Staunen bewahren, wie Kinder sie haben, und wie Liebende, die sich überraschen lassen. Das zweite Wort ist das Bewahren: „Maria aber bewahrte alle diese Worte.“ Wie wir alle wusste sie nicht, was auf sie zukommen würde. Aber sie behielt in ihrem Gedächtnis, was sie als Zusage über ihr Kind gesagt bekam. Das dritte Wort ist das Erwägen, Nachdenken, Bedenken: Maria „erwog diese Worte in ihrem Herzen“. Niemand kann heute, am ersten Tag des Jahres, große Versprechungen machen. Aber auf Gottes Zusage vertrauen, die er in Jesus, dem Kind von Bethlehem, gegeben hat, das dürfen wir.

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