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So einfach und doch so schwer

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom 12. Februar 2023.

11.02.2023
© Gemeinfrei File:Frescoangelico100216.jpg Erstellt: zwischen 1437 und 1445 date QS:P571,+1450-00-00T00:00:00Z/7,P1319,+1437-00-00T00:00:00Z/9,P1326,+1445-00-00T00:00:00Z/9
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Gebote, Verbote, Einschränkungen, Warntafeln, Stoppschilder: Ist das der Kern der Religion? Ein Jugendlicher bringt es auf den Punkt mit seiner kritischen Bemerkung: Religion, das ist: Das darfst du nicht! Als würden die Zehn Gebote nicht genügen, hat Jesus die Verbote noch einmal verschärft. Darum geht es im heutigen Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu, der Zusammenfassung seiner Lehren. Sind die Weisungen Jesu lebbar? Überfordern sie nicht maßlos? Kommt die weit verbreitete Abneigung gegen die Religion und speziell gegen das Christentum nicht auch daher, dass es dauernd um Moralfragen geht? Ein nüchterner Blick auf den Alltag zeigt freilich, dass es sehr wohl ganz häufig um Moralfragen geht, um den Umgang miteinander, um unser Verhalten zueinander. Viele Leiden kommen daher, dass Fehlverhalten diese Leiden verursachen. Von drei leider sehr häufigen Ursachen von Leid spricht Jesus im heutigen Abschnitt aus der Bergpredigt, von dem ich hier nur eine Kurzfassung gebe. Es lohnt sich, den ganzen Text selber in der Bibel nachzulesen.


Es geht um den Umgang mit Konflikten, den Schutz der Partnerschaft und um das Vertrauen zueinander, also um ganz vitale Lebensbereiche. Fast täglich lesen wir von Morden. Konflikte eskalieren und enden damit, dass jemand umgebracht wird. Mord wird nach wie vor als schweres Verbrechen gewertet und bestraft. „Du sollst nicht töten“ – das fünfte Gebot hat universelle Gültigkeit. Jesus weist ganz nüchtern darauf hin, dass ein Mord meist schon viel früher beginnt: Der Streit fängt mit einem heftigen Wortwechsel an, steigert sich zu Beschimpfungen, Beleidigungen. Angefangen hat alles im Herzen, im Zürnen, im inneren Groll auf den anderen, im Hass, der das Miteinander vergiftet. Daher Jesu Rat: „Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist!“ Wieviel Leid und Streit bliebe uns erspart, wenn wir bereit wären, Frieden zu schließen.


Das sechste Gebot hat vor allem den Schutz der Partnerschaft und damit der Familie im Blick. Daher das Verbot des Ehebruchs. Jesus geht auch hier an die Wurzel. Ehebruch beginnt im Herzen, im Blick, in den Gedanken. Es geht um den Respekt vor der Lebensgemeinschaft der Anderen und der eigenen. Nicht umsonst spricht man von „Fremdgehen“. Ganz nüchtern weist Jesus darauf hin, dass das schon durch Blicke geschehen kann. Was so harmlos aussieht, hat im Leben oft weitreichende Folgen für das eigene Leben und das der Anderen.


Das dritte Thema, das Jesus anspricht, betrifft den Umgang mit der Wahrheit. „Du sollst keinen Meineid schwören“, lautet das achte Gebot. Es geht um den Verlass auf das Wort des Anderen. Wir sind alle darauf angewiesen, dass uns die Wahrheit gesagt wird. Wie oft sind aber unsere eigenen Worte nicht ganz ehrlich, Halbwahrheiten, leichte Verdrehungen. Es sind keine offenen Lügen, aber doch recht „geschönte“ Aussagen. Jesu Weisung ist klar wie frisches Wasser: „Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.“


Jesu Worte erscheinen mir sehr einleuchtend. Sie sind eigentlich keine Überforderung. Das Leben bestätigt sie immer neu. Warum, so frage ich mich, fällt es mir dann so schwer, sie wirklich zu befolgen? Sie zeigen mir, wie sehr ich auf Seine Hilfe angewiesen bin, um sie zu leben. Alleine schaffe ich es nicht.

 

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