Ich bekomme viele Einladungen. Das hat vor allem mit meinem Amt zu tun: Einladungen von Pfarren, für Firmungen, zu festlichen Anlässen, zu persönlichen Besuchen. Da mein Terminkalender meist sehr voll ist, muss ich sehr oft absagen. Es fällt mir schwer, Einladungen auszuschlagen. Aber die täglichen Pflichten des Bischofsamtes machen das notwendig. Einladungen sind gewissermaßen „Extras“. Dadurch unterscheiden sie sich von den Pflichten, die vorgegeben sind. Wer einlädt, weiß, dass er eine Absage bekommen kann. Pflicht ist Pflicht und muss eingehalten werden. Einladungen sprechen die Freiheit an. Eine Zwangseinladung ist ein Widerspruch in sich. Die Einladung übt keinen Zwang aus. Sie spricht das Herz an. Daher fällt es mir so schwer, Einladungen absagen zu müssen. Der Eingeladene kommt als Gast. Die Einladung drückt Wertschätzung aus. Du bist mir wichtig! Dein Kommen würde mich freuen! Komm doch, bitte!
Das heutige Evangelium spricht mich besonders an, auch ganz persönlich. Denn der Einladende, von dem Jesus in Form eines Gleichnisses spricht, ist kein Geringerer als Gott selber. Und die Einladung ist so ziemlich der bedeutenste Anlass, um den es gehen kann: um die Hochzeit des Königssohnes. Es geht um Jesus, den Gottesssohn!
Natürlich hat diese Gleichnis einen ganz bestimmten Platz im Leben Jesu. Es geht um Annahme oder Ablehnung seiner Sendung und seiner Person „durch die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes“, eben um die Personen, die bald Jesu Kreuzigung vom römischen Statthalter Pontius Pilatus fordern werden. Ich möchte mich aber nicht zu lang dabei aufhalten, denn die Geschichte ist bekannt und wird jedes Jahr zu Ostern erzählt. Mich beschäftigt mehr die Frage: Warum gebraucht Jesus das Bild von der großen Hochzeitseinladung? Was bedeutet es, dass Gott selbst der Einladende ist? Warum, wenn er der Allmächtige ist, eine Einladung und nicht eine Verpflichtung? Warum übt er keinen Zwang aus?
Mich bewegt an diesem Gleichnis die ganz persönliche Frage, wie es in meinem Leben mit Gottes Einladung aussieht. Er hat mich nie gezwungen, aber sehr oft eingeladen. Habe ich Gott behandelt wie die vielen Einladungen, die ich oft absage, weil ich keine Zeit dafür finde? Jede Einladung ist eine Anfrage an das, was mir wirklich wichtig ist. Warum bin ich bereit, Pflichttermine zu verschieben, weil mich eine Einladung brennend interessiert? Mein Ja und Nein zu Einladungen verrät auch etwas darüber was für mich im Leben Vorrang hat.
Die geladenen Ehrengäste entschuldigen sich beim König für Nicht-kommen mit ganz fadenscheinigen Gründen: der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Die Alltagsbeschäftigungen sind ihnen wichtiger als die große Ehre, beim Hochzeitsmahl des Königsohnes dabei zu sein. Wie oft bleibe ich in meiner täglichen Geschäftigkeit hängen, statt mir die kostbare Zeit für Gebet und die Begnung mit Gott zu nehmen!
Gott lädt ein, aber er zwingt nicht zu kommen. Straft er, wenn seine Einladung nicht angenommen wird? Das Gleichnis von der Königshochzeit scheint das anzudeuten. Ich tue mir schwer mit dieser dunklen Seite des Gleichnisses Jesu. Ich versuche, es nicht zu verdrängen. Ich glaube, Jesus will uns damit deutlich machen, dass es etwas sehr ernstes ist, seiner großen Einladung mit Verachtung zu begegnen. Es ist mehr als eine Kränkung. Es ist ein Versäumnis, das uns selber am meisten schadet. Daher Jesu inständige Bitte: kommt zur Hochzeit. Alles ist bereit.