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Als Gott einer von uns wurde

Gedanken zum Weihnachtsevangelium LK 2, 1-14

24.12.2023
© https://it.wikipedia.org/wiki/Adorazione_del_Bambino_%28Angelico%29#/media/File:Adorazione_del_Bambino_-_Beato_Angelico.jpg
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So lautet der Titel eines Weihnachtsbüchleins von Bischof Erwin Kräutler, dem Vorarlberger in Brasilien, im Amazonasgebiet. Der unermüdliche Kämpfer für die Rechte der Armen und der Eingeborenen schildert, wie er bei tropischer Hitze Weihnachten feiert unter den dortigen Lebensbedingungen. Mit unserem Weihnachtsrummel kann er wenig anfangen: „Arme oder weniger bemittelte Familien feiern Weihnachten entschieden anders. Es gibt kaum Geschenke. Dazu reicht das Geld nicht. Für diese Bevölkerungsschichten ist die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem tatsächlich noch der Mittelpunkt des Festes. In den Kirchen und Kapellen der kleinen Gemeinden drängen sich Jung und Alt zur wundervoll und großzügig gestalteten Krippe und bewundern die Figuren. Die Gottesdienste, die allermeisten ohne Priester, dauern lang. Die Leute haben Zeit. Sie freuen sich, miteinander zu feiern. Sie beten und singen und die Inszenierung der Weihnachtsgeschichte gehört zur Tradition. Nach dem Gottesdienst gibt es ein gemeinsames Mahl. Jede Familie hat etwas mitgebracht. Der Weihnachtstisch ist gedeckt. An diesem Tag werden alle satt“. Bischof Kräutlers Schilderung erinnert mich an eine sehr ähnliche Christmette, die ich in einem Armenviertel in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, mitfeiern durfte.

 

Worum geht es zu Weihnachten, wenn alles Drumherum beiseitegelassen wird? Bischof Kräutler sagt es kurz und bündig: „An Weihnachten wird Gott einer von uns.“ Geht das überhaupt, dass Gott Mensch wird? Wie kann man ernsthaft glauben und behaupten, das neugeborene Kind in der Armut des Stalles sei Gott? Und doch ist diese Gewissheit das Herzstück des christlichen Glaubens, vom ersten Anfang an. Paulus war entschieden gegen diese Sicht. Doch als er zum Glauben an Christus kam, fasste er seine neu gewonnene Überzeugung so zusammen: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau“. Erfüllt hat sich die Zeit auf ganz menschliche Weise: Ein armes Paar ist auf dem Weg nach Bethlehem. Er muss sich dort in die Steuerlisten des großen Kaisers Augustus eintragen lassen. Sie ist schwanger. „Als sie dort waren, erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn“.

 

Dieses Kind, in einem Stall geboren, „weil in der Herberge kein Platz für sie war“, soll Gottes Sohn und also Gott sein? In jungen Jahren, als ich mit dem Theologiestudium begann, geriet mein Kinderglauben arg ins Wackeln. Manche Professoren lehrten uns, dass die Idee eines Gottessohnes, der Mensch wird, in den Bereich des Mythos und des Märchens gehöre. Auch in anderen Religionen gebe es die Idee, dass Götter sich mit Menschen verbinden und so „Göttersöhne“ entstünden. Zu Hause habe ich meiner Mutter meine neuen „Erkenntnisse“ aufgetischt. Ihre Antwort werde ich nie vergessen: „Wenn Jesus nicht der Sohn Gottes ist, dann ist doch unser Glauben leer.“ Später, als ich Theologieprofessor wurde, habe ich viel über diese Frage studiert und die Studierenden gelehrt und auch Bücher geschrieben. Die schlichte Antwort meiner Mutter ist mir aber das Wichtigste geblieben. Immer deutlicher wurde mir, dass hinter dem Weihnachtsfest eine einfache Wahrheit steht: Nur die Liebe kann so etwas tun. Sie bewegte Gott, einer von uns zu werden.

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