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Folge dem Kompass deines Herzens

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium vom  6. Jänner 2024 (Matthäus 2,1-12).

06.01.2024
Sterndeuter folgen dem Stern nach Betlehem und suchen den neugeborenen König. In Betlehem angekommen, beten sie Christus an. Sie bringen Gold und Myhrre. In der Bibel ist weder von Zahl noch von Herkunft die Rede. Die Zahl drei kommt das erste Mal im
© Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub, Stephan Schönlaub
Sterndeuter folgen dem Stern nach Betlehem und suchen den neugeborenen König. In Betlehem angekommen, beten sie Christus an. Sie bringen Gold und Myhrre. In der Bibel ist weder von Zahl noch von Herkunft die Rede. Die Zahl drei kommt das erste Mal im
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Jedes Jahr darf ich eine Sternsingergruppe begleiten. An Drei-König, heute, bin ich wieder unterwegs mit Kindern und Jugendlichen, von Tür zu Tür, von Haus zu Haus. Ich bewundere die Ausdauer der Kinder. Nicht überall öffnen sich ihnen die Türen. Unverdrossen ziehen sie weiter und lassen einen Gruß im Briefkasten. Wenn eine Türe sich auftut, singen sie ihr Lied von den Heiligen Drei Königen aus dem Morgenland und von dem Kind, dessen Stern sie gesehen haben und der sie bis nach Bethlehem geführt hat. Dann bitten sie um Spenden für Hilfsprojekte, die armen Kindern zugutekommen. Es freut mich, wenn ich dann selber ein Wort des Dankes und einen Segenswunsch hinzufügen kann. 85.000 Sternsinger, Kinder und Jugendliche, sind wieder österreichweit unterwegs, heuer schon zum 70. Mal.

 

Doch wer war „das Original“, die „Sterndeuter aus dem Osten“, wie das Evangelium sie nennt? Zu Königen wurden sie erst in der frommen Legende. Auch ihre Namen stehen nicht in der Bibel: Caspar, Melchior und Balthasar. Deren Anfangsbuchstaben ergeben einen lateinischen Spruch: Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus). Auch ihre Zahl steht nicht im Bericht des Evangelisten Matthäus. Ihre Dreizahl wurde aus den drei Geschenken erschlossen, die sie dem „neugeborenen König der Juden“ schenken.

 

Alle diese Ausschmückungen haben einen harten Kern. Sie sprechen von etwas, das bis heute gültig ist. Tatsache ist, dass es zur vom Evangelium angegebenen Zeit eine besondere Himmelskonstellation gab. Jupiter und Saturn ergaben gemeinsam ein Zeichen, das viel beachtet wurde. Das Besondere an unseren Sterndeutern war es, dass sie nicht nur diese Konstellation studiert haben. Sie hat in ihren Herzen etwas ausgelöst. Durch sie hat der Himmel zu ihnen gesprochen und sie haben darauf geantwortet. Sie sind aufgebrochen zu einer weiten Reise. Etwas hat sie angezogen. Oder war es jemand?

 

Meine Mutter hat uns öfters einen Rat gegeben, der mich bis heute begleitet: „In den kleinen Dingen entscheide mit der Vernunft, in den großen folge deinem Herzen!“ Beides haben die „Weisen aus dem Morgenland“ getan. Sie waren gebildete Leute, hatten viel studiert, ihren Verstand verwendet, um die Dinge der Natur zu ergründen. Aber sie sind dabei nicht stehen geblieben: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“

 

Unsere Kenntnisse über das Universum sind gigantisch gewachsen. Wer ahnte damals, dass die Sterne, die man am Himmel sieht, nur ein winziger Bruchteil der Milliarden Sterne sind, die es in jeder der Milliarden Galaxien gibt? Hat uns das Wissen, das wir heute haben, ehrfürchtiger gemacht? Haben wir ein umso größeres Staunen über die Größe des Schöpfers? Oder nehmen wir das alles als selbstverständlich hin?

 

Eines fällt an den Sterndeutern aus dem Osten auf: Als sie den Stern sahen, der sie bis zum Haus führte, in dem sie dann das Kind und seine Mutter Maria fanden, „wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“. Die Freude ist das untrügliche Zeichen dafür, dass wir uns vom Kompass des Herzens haben führen lassen. Wie funktioniert dieser Kompass? Wie finden wir, was er uns als Richtung anzeigt? Die Sterndeuter erhielten in Jerusalem klare Auskunft. Die Bibel, das Wort der Heiligen Schrift gab ihnen die Wegweisung. Sie tut es bis heute. Den Weg mussten sie selber gehen. Doch die Sehnsucht und die Kraft dazu kam von dem, den sie schließlich fanden und anbeteten.

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