Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Papst Franziskus sagt es überdeutlich: „Wir erleben einen Weltkrieg auf Raten.“ Von Friedensbemühungen ist wenig zu merken. Überall wird aufgerüstet, bei den Waffen und mit den Worten. Das große Wahljahr 2024 ist Anlass zu weiterer Sorge. Nicht nur im kleinen Österreich wird gewählt, auch in den USA, der Ukraine, Russland. Wohin geht die Reise?
Am 2. Fastensonntag legt das Evangelium einen „Reiseplan“ vor. Unscheinbar, fernab von den großen Mächten dieser Welt, wird von einer großen Hoffnung gesprochen, von einem Ziel und einem Weg dorthin. Die Welt wird nicht schöngeredet, aber das Schöne in ihr leuchtet auf. Die Krisen und Kriege werden nicht verharmlost, sie behalten nur nicht das letzte Wort. Der Weg ist ein steiler Aufstieg auf einen hohen Berg und ein Abstieg zurück in die Niederungen des Alltags. Jesus nimmt drei seiner Jünger mit hinauf auf den Berg, „nur sie allein“. In der Stille und Einsamkeit der Höhe ereignet sich etwas Unvergessliches und Unerklärliches: „Er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß“, so weiß, wie niemand auf Erden es machen kann.
Die drei haben keine Halluzination. Sie erleben die Nähe der anderen Wirklichkeit, der unsichtbaren, aber gegenwärtigen Welt des Himmels, der Ewigkeit, oder wie immer wir es mit unseren unbeholfenen Worten zu benennen versuchen. Zwei längst Verstorbene, Mose und Elija, erscheinen ihnen „und sie reden mit Jesus“. Die drei Jünger Jesu sind von dieser Erfahrung hin- und hergerissen. Sie wünschen sich, dass das, was sie erleben, anhält („wir wollen drei Hütten bauen“), sind aber gleichzeitig „vor Furcht ganz benommen“. Eine Stimme weist sie auf Jesus hin: „Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Auf einmal sehen sie „niemand mehr bei sich außer Jesus“. Sie sind zurück im „normalen Leben“. Bald beginnt der Abstieg, hinunter ins Tal.
Wohin geht die Reise? Zu glücklichen Höhen oder in eine schwere Zukunft? Jesus hat den Seinen angekündigt, dass er auf schweres Leid, ja auf den gewaltsamen Tod zugeht. Über das am Berg Erlebte dürfen sie erst reden, wenn er „von den Toten auferstanden“ ist. Über dieses Wort „auferstehen“ rätseln sie unterwegs. Erst als sie tatsächlich dem Auferstandenen begegnen, wird das der Kern ihrer Gewissheit: der Glaube an die Auferstehung! Doch haben sie durch Jesu Weg eines gelernt: Zur Auferstehung geht es über das Kreuz. Beide gehören zusammen.
Mit ist ein Wort meines Vaters unvergesslich. Er war an Krebs erkrankt. Wenige Tage vor seinen Tod (ich durfte bei ihm sein), sagte er zu mir: „Ich habe ein Wort gelesen, das mich sehr beeindruckt hat: die Vorderseite vom Kreuz ist Leid, die Rückseite ist Freude.“ Die Freude, die er in diesem Wort fand, kam wohl von Anderswoher, von „Drüben“. Das Wort von den beiden Seiten des Kreuzes ist für mich wie ein Schlüssel, um in den düsteren Perspektiven des Jahres 2024 das Licht der Hoffnung zu finden. Wohin geht die Reise in diesem „Weltkrieg auf Raten“? Was die drei auf dem hohen Berg mit Jesus erlebt haben, geschieht in vielen Formen auch heute. Nie fehlen die Zeichen der Hoffnung. Immer wieder öffnet sich der Himmel einen Moment lang und schenkt eine Ahnung, wohin die Reise geht.